Country-Fest mit kleinen Misstönen

Julian Mühlmeier und Michelle Völkl trafen als Johnny Cash und June Carter stets die richtigen (Zwischen-)Töne. Bild: T. Schwarzmeier
Kultur
Vohenstrauß
03.08.2015
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Unglaubliche Erfolge, brutale Abstürze, eine der größten Liebesgeschichten der Musikgeschichte - und unvergessene Songs. Das Leben von Johnny Cash liefert viel Stoff für Legendenbildung. All dies stimmig in ein zweistündiges Konzert zu packen, ist anspruchsvoll. Dem künstlerischen Abend "Hello, I'm Johnny Cash" in der Friedrichsburg gelingt dies fast perfekt.

Die nördliche Oberpfalz ist kein jungfräuliches Gebiet, wenn es um den "Mann in Schwarz" geht. Daniel Grünauer - damals noch Dramaturg des Landestheaters Oberpfalz (LTO) - brachte 2012 und 2013 mit "Cash" ein begeisterndes biografisches Schauspiel im Tirschenreuther Kettelerhaus auf die Bühne.

In der "Version 2015" als Gastspiel in Vohenstrauß reduzieren der künstlerische Leiter und die Original-Besetzung das Erfolgsstück für die Burgfestspiele Leuchtenberg stark auf die Musik. Julian Mühlmeier und Michelle Völkl - alias Johnny Cash und dessen Frau June Carter-Cash - transportieren die Spielszenen der Höhen und Tiefen aus dem Leben der Country-Legende in kurze Erzählpassagen und Zitate, die den Hits einen passenden Rahmen geben.

Die wenigen Gäste bei der kurzweiligen Premiere am Donnerstag, die bis dahin keinen Bezug zur Country-Ikone hatten, gehen mit einem breiten Eindruck von Cashs Biografie und einem vertieften von der charakteristischen Musik des Singer-Songwriters, die Generationen vom Musikern aller Couleur beeinflusst hat. Für letzteren sorgen exzellente Musiker: Michael Rüth (Gitarre), Frederik Frank (Gitarre), Lennert Frank (Bass) und Andreas Bauer (Schlagzeug). Mit Fingerspitzengefühl bearbeitet, wird in der Titelauswahl aus sechs Jahrzehnten des Schaffens die stilistische Entwicklung Cashs deutlich. Die Feinabstimmung im Zusammenspiel mit den gesanglich überzeugenden Solisten tut ihr Übriges.

Auch sonst greifen die Automatismen aus der Theaterproduktion. Mühlmeier als lebensnahe Verkörperung des jungen Cash und Völkls Gespür für das Wesen Carters lassen viel Verständnis und Hintergrundwissen um die beiden Charaktere in die Textstellen einfließen. Ebenso in die Interpretation der musikalischen Meilensteine von Liebesliedern wie "I Walk the Line" und "Ring of Fire" über den Beziehungsflauten-Song "Jackson" bis hin zur Lebensbilanz eines alten Mannes, dem Nine-Inch-Nails-Cover "Hurt". Aber auch der Blues vom legendären Konzert im Folsom-Gefängnis und seltener gespielte Titel wie das wunderbare "Will You Miss Me When I'm Gone?" aus der Feder June Carters oder das Duett "Time's a Wastin'" gefallen.

Sound nicht optimal

Leider trübt der durchwachsene Sound das Konzerterlebnis. Besonders im ersten Set haben die Musiker und die Tontechnik sichtlich mit der schwierigen Akustik der Theaterbühne in der Friedrichsburg zu kämpfen. Doch Mühlmeier und Völkl überspielen dies - ebenso wie einige Texthänger - locker und charmant. Mit zunehmender Dauer des Konzerts erreichen Musiker und das Publikum Betriebstemperatur und sorgen für ein stimmungsvolles Country-Fest, das erst nach mehreren Vorhängen und Zugaben endet.
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