Einwöchiger Sommerkurs in der Friedrichsburg und im evangelischen Gemeindehaus – Konzert am ...
Alter Musik neues Leben einhauchen

Ein Organetto ist das exotischste Instrument, das Martin Erhardt zum Kurs "Alte Musik" mit nach Vohenstrauß gebracht hat. Mit Eva Kuen (links) und Sonja Kemnitzer informierte er über die einwöchige Veranstaltung. Bild: tss
Kultur
Vohenstrauß
05.08.2016
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"Alte Musik" ist ein Überbegriff für Lieder des Mittelalters, der Renaissance und des Barocks. Die Friedrichsburg als prächtiges Renaissanceschloss ist daher prädestiniert für einen Sommerkurs für Sänger und Instrumentalisten. 18 Teilnehmer treffen sich von Samstag bis Freitag, 6. bis 12. August, zum ersten Mal in Vohenstrauß, um zu musizieren und sich neue Anregungen zu holen.

Aus fünf Nationen


Die Mitwirkenden kommen aus Deutschland, der Schweiz, Kanada, Belgien und Japan. Neben der Friedrichsburg steht auch das evangelische Gemeindehaus für Proben zur Verfügung. Am Freitag kamen die Dozenten Eva Kuen und Sonja Kemnitzer (beide Köln) sowie Martin Erhardt (Halle) mit rund 40 Instrumenten im Transporter an. Neben diversen Flöten und einem Virginal, einer Art Cembalo, ist ein Organetto das exotischste, "weil es das nur bis Ende des 16. Jahrhunderts gab", informierte Erhardt.

Es sieht mit seinem kleinen Manual, Pfeifen und dem Blasebalg auf der Rückseite aus wie eine transportable Orgel. "In Kirchen mit alten Darstellungen sind oft Engel abgebildet, die ein Organetto spielen", erklärt der Hallenser. Ein Orgelbauer aus Dresden hat es für ihn konstruiert, allerdings existierten keine Originalpläne mehr. Am Freitagvormittag gab Erhardt dann auch gleich mal eine Kostprobe im Erdgeschoss der Friedrichsburg, die drei Dozenten waren von der Akustik sofort sehr angetan.

Warum hat sich das Trio nun die ehemalige Pfalzgrafenstadt für den Kurs ausgesucht? "Mein Vater stammt aus Vohenstrauß", erklärte Kemnitzer. Das Schloss und "das schöne Ambiente der Stadt" gaben den Ausschlag, die Veranstaltung hier über die Bühne gehen zu lassen. Kuen, Kemnitzer, Erhardt und Miyoko Ito-Erhardt unterrichten die Teilnehmer in den Fächern Kammermusik, historische Improvisation, Blockflöte, Cembalo und Viola da Gamba. Zum Tagesprogramm von 9.30 bis 21 Uhr gehören aber auch historischer Tanz oder Gesang sowie Freizeitgestaltung mit Wanderungen zur Entspannung.

Vertrautes Metier


"Es sind Profimusiker dabei, auch viele Studenten und Amateure, die sich damit beschäftigen. Für die meisten ist es ein vertrautes Metier", erklärte Kuen. Ziele des Kurses sind Fort- und Weiterbildung sowie Vertiefung der Kenntnisse. Erhardt verfolgt noch eine weitere Absicht: "Traditionen wiederbeleben, die heute nicht mehr lebendig sind. Das ist wie eine Sprache, die ausgestorben ist, die ich aber wieder sprechen und nicht nur auswendig lernen will."

Zwei AufführungenBeim Sommerkurs für "Alte Musik" gibt es am Sonntag, 7. August, um 18 Uhr ein rund einstündiges Dozentenkonzert im Theatersaal der Friedrichsburg. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht. Am Freitag, 12. August, um 13 Uhr stellen die 18 Teilnehmer ebenfalls im Schloss die Arbeit der Woche vor. (tss)


Traditionen wiederbeleben, die heute nicht mehr lebendig sind. Das ist wie eine Sprache, die ausgestorben ist, die ich aber wieder sprechen und nicht nur auswendig lernen will.Martin Erhardt über die Ziele des Sommerkurses "Alte Musik"
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