Konzert mit Christoph Baierl
Frivole Lieder aus wilder Zeit

Spontan forderte Christoph Baierl bei seinem Auftritt im Rathaussaal eine Zuhörerin zum Tanz auf. Bild: dob
Kultur
Vohenstrauß
13.03.2016
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Eine mitreißende, swingende Rhythmik, eingängige Melodien und pointenreiche Texte kennzeichnen die großen Schlager aus der "goldenen" Zeit mit ihren pikant-erotischen Andeutungen und frivol-kessen Anspielungen. Bis heute verfehlen sie ihre Wirkung nicht.

Beim Konzert "Ein Abend wie dieser" mit Christoph Baierl im Rathaussaal wurde dies einmal mehr deutlich. Mit Humor, Charme, künstlerischer Delikatesse und einem Maß an Perfektion interpretierte der Pleysteiner Sänger Christoph Baierl mit Pianist Kenneth Berger und Dominik Herzner (Percussion und Gesang), die charmant, frivolen Lieder aus der wilden Zeit der 1920er und 1930er Jahre.

Dahinschmelzende Dame


Den menschlichen Schwächen auf der Spur beschwörte der Sänger bei dieser Premiere mit Witz und Feingefühl versteckte Sehnsüchte und die kleinen und großen Illusionen. Baierl bezog auch das Publikum mit ein. Hier schenkte er einer dahinschmelzenden Dame in der ersten Reihe ein Augenzwinkern, da forderte er eine Tanzpartnerin zum Walzer auf. Spontan entstanden so unvorhergesehene Überraschungen mit dem einen oder anderen Knalleffekt, aber auch mit viel Goldflitter. Mit dem neuen Programm trafen die Musiker ganz den Geschmack des Publikums, kaum ein Platz der rund 120 vorbereiteten Stühle war unbesetzt geblieben.

Adrett wie immer


In den Liedern aus dieser Zeit wird das Thema Liebe interessant verpackt, die Annäherung geschieht sachte und langsam. Das Publikum durfte sich auf eine nostalgische Zeitreise in eine vermeintlich heile Welt aufmachen und sie so richtig auskosten. Adrett wie immer saßen Baierls makellos aufgebügelter Frack und das Stehkragenhemd samt akkurat gebundener Fliege zu glänzend polierten Lederschuhen. Ebenso straff wie das mit Gel nach hinten gekämmte Haar waren Haltung, Gestik und Mimik des Sängers als Pendant zu Max Raabe.

Mit einem etwas ungewöhnlichen spaßigen Musik-Mix gestartet, wollte Baierl nur die verblüfften Gesichter des Publikums sehen. "Es hat sich gelohnt." Evergreens des deutschen Chansons wie "Ich hab das Fräul'n Helen baden seh'n" oder "Ich fahr mit meiner Klara in die Sahara" fanden von Beginn an ihre begeisterten Anhänger. Herrlich süffisante Betonungen, Anspielungen und Lästereien meisterte Baierl bei "Die Braut vom Alexander, die geht so auseinander", bei dem es sich "um Alexander Bock aus dem vierten Stock" handelte. Zwischendurch ließen die Instrumentalisten ihr Können bei den Stücken "Affirmation" oder "Time" aufblitzen.

Im zweiten Teil hatte Berger alias Hans Martin Hinterschnacksler seinen großen Auftritt als Dirigent mit Zylinder, bevor Baierl beim "An der Donau, wenn der Wein blüht" eine Zuhörerin zum Tanz im Dreivierteltakt aufforderte und mit ihr über das Parkett schwebte. Sechs Monate habe es gedauert, bis das Programm stand und auf die Bühne durfte, ergänzte der Sänger. Die stehenden Ovationen bescherten dem begeisterten Publikum nicht nur das Lied "Der kleine grüne Kaktus" sondern auch den wohl schönsten Hit von Peter Alexander als Hommage an den unvergessenen Sänger, "Die kleine Kneipe", bevor das Licht im Saal endgültig ausging.
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