Typisierungsaktion für leukämiekranke Polizistin Anja
Das war Spritze

Starke Arme stemmen nicht Hantel, sondern bieten ihre Adern an. Dank Fachpersonal an der Spritze klagte nach dem Pieks kaum einer über Schmerzen.
Kultur
Vohenstrauß
22.02.2015
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Nach ähnlichen Aktionen in den vergangenen vier bis fünf Jahren galt die Region eigentlich als recht gut durchtypisiert. Doch was Vohenstrauß am Sonntag für die leukämiekranke Polizistin Anja auf die Beine stellt, toppte alles.

Die Hilfsbereitschaft für die 30-Jährige stellte alle Prognosen in den Schatten. 2543 Menschen ließen sich Blut abzapfen, in der Hoffnung, Anja Spitzners genetischer Zwilling zu sein. Selbst die größten Optimisten waren baff von diesem Andrang in der Stadthalle. 242 Freiwillige zogen Spritzen auf, verteilten Getränke oder Wurstsemmeln, füllten Registrierungsbögen aus und achteten auf einen zügigen Ablauf der Typisierungsaktion.

Ärzte, Krankenschwestern und Arzthelferinnen gaben ihr Bestes. BRK-Rettungsassistenten standen in Lauerstellung, falls jemand Kreislaufprobleme bekam. Manuela Riffel, die Cousine der Erkrankten, verfolgte während der fünfstündigen Aktion staunend, wem Anja alles am Herzen liegt. Andrea Autenrieth und Maria Schmidt von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) teilten professionell sämtliche Helfer für verschiedene Arbeitsbereiche ein.

"Das ist ein großartiges Zeichen, das von Vohenstrauß ausgeht", freute sich Landrat Andreas Meier als Schimherr. "Wir halten zamm!" Vor der Stadthalle habe er ein Fünf-Cent-Stück als Glücksfünferl gefunden, deswegen wünschte er der Aktion auch fünf Mal mehr Glück als üblicherweise mit einem Glückscent.

Nach ähnlichen Aktionen in den vergangenen vier bis fünf Jahren galt die Region eigentlich als recht gut durchtypisiert. Doch was Vohenstrauß am Sonntag für die leukämiekranke Polizistin Anja auf die Beine stellt, toppte alles. Bilder von Elisabeth Dobmayer.



Es sollte sich dann auch finanziell lohnen. Neben Blut spendeten die Besucher der Stadthalle satte 20 359 Euro - nur an diesem Tag. Zuvor schon hatte Behringer-Wirt Peter Dobner 1320 Euro eingefahren, die er bei einer Suppenaktion und beim Bayerischen Abend tags zuvor für Anja gesammelt hatte. Die 20-jährige Maria Heindl aus Guteneck war in aller Früh nach Vohenstrauß gefahren, um rechtzeitig vor Ort zu sein. "Weil ich gerne helfe. Wäre ich persönlich betroffen, wäre ich auch froh, wenn ich Hilfe bekäme." Werner Bock aus Schönbrunn (46) weiß in seinem unmittelbaren familiären Umfeld, was es heißt, Betroffener zu sein. Seine Mutter (63) litt an Brustkrebs und "machte das ganze Programm mit Chemo und allem drum und dran durch". Aus Eslarn kam Stefanie Singer. "Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, zu helfen", sagte die 25-Jährige strahlend. "Warum sollte man es nicht probieren?"

Geschlossenheit demonstrierten SpVgg und Feuerwehr Vohenstrauß. Bevor die erste Mannschaft zum Trainingsspiel gegen die SpVgg Teunz ins tschechische Weißensulz fuhr, schenkten die Jungs der Erkrankten Hoffnung. "Das ist Ehrensache für uns", meinte Fußballer Thomas Schmidt. "Eine gute Sache, die eigentlich jeder machen sollte".

Der Vohenstraußer Benjamin Werner, der für den FC Amberg in der Bayernliga Nord aufläuft, ermutigte seine Kameraden ebenfalls, die in großer Anzahl eintrafen. Seine Freundin habe Sebastian Mathes auf die Aktion in Vohenstrauß aufmerksam gemacht und deshalb sei er spontan aus Windischeschenbach mitgekommen, erklärte der junge Mann während sein Blut in das kleine Röhrchen läuft.

Silvia Bock (34) aus Störnstein oder auch Johann Schärtl aus Weiden saßen ebenfalls gut gelaunt beim Blutabzapfen. Schärtl hatte seinen 15 Monate alten Sohn Jakob mitgebracht, der sich während der Blutabnahme bereitwillig von Gabi Senger-Peischl auf den Arm nehmen ließ, bis sein Papa wieder ganz für ihn da sein konnte.

Die Kollegen von Anja Spitzners Vater Reinhard reisten im Konvoi aus Pittersberg aus der Gemeinde Ebermannsdorf an, und auch der Katholische Burschenverein Altenstadt setzt ein Zeichen der Nächstenliebe. Sabine und Norbert Kleber aus Schönsee verlegten ihren Sonntagsausflug nach Vohenstrauß.

"Ich hätte nie gedacht, dass die Stadt einen derartigen Zusammenhalt demonstriert", hatte die 89-jährige Berta Spitzner, Anjas Großmutter, Tränen in den Augen, als sie die vielen jungen Menschen zu Halleneingang strömen sah. Mit Anneliese Wenzl legte sie beim Spaziergang einen Zwischenstopp in der Stadthalle ein. Wie sie, hoffen an diesem Tag Hunderte Menschen auf einen geeigneten Spender für Anja. Gut möglich, dass einer aus der Stadthalle am Sonntag auch einem Menschen irgendwo anders auf dem Planeten das Leben retten wird. Und das ist ein überwältigendes Gefühl.
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