"Wir spüren dem verlorenen Lächeln nach"

Georg Glasl versuchte es im Alter von 17 Jahren mit der Gitarre, kehrte aber dann doch wieder zur Zither zurück - für ihn war das die richtige Entscheidung. Bild: hfz
Kultur
Vohenstrauß
16.10.2015
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"Da ra da ra da - da da." Erkannt? Es ist das "Harry-Lime-Thema" - Musik aus dem Film "Der dritte Mann", der Zitherklassiker schlechthin. Für Georg Glasl, Dozent für Zither an der Musikhochschule in München, ist das "tolle Musik", obwohl er die Melodie nicht nur einmal gehört hat.

Als Veranstalter von Workshops und Zither-Festivals wird Georg Glasl nicht müde, darauf hinzuweisen, wie überaus vielseitig, modern und unverbraucht die Zither sein kann. Im Interview spricht Glasl über sein "cooles" Instrument und über ein neues Projekt - eine "Hommage an Schubert", die er zusammen mit dem Arte-Ensemble am Sonntag, 18. Oktober, in Vohenstrauß aufführt.

In welchem Umfeld haben Sie die Zither kennengelernt?

Georg Glasl: Ich komme aus der Volksmusik. Mein Vater hat Zither gespielt, mein Bruder auch. Da blieb mir nichts anderes übrig.

Wie "cool" oder "uncool" war es, als Jugendlicher Zither zu spielen?

Glasl: Mit zehn oder elf Jahren fand ich es ziemlich "cool", weil ich schon bald erste Auftritte hatte. Und ich fand es stark, dass ich mit Unterhaltungsmusik im Wirtshaus ein wenig Geld verdienen konnte. Mein Umfeld, vor allem die Mädchen, fand Zither leider überhaupt nicht cool. So etwas beeinflusst. Also wandte ich mich mit 17 eine Weile der viel positiver besetzten Gitarre zu.

Wie fanden Sie zur Zither zurück?

Glasl: Während meines Studiums am Mozarteum in Salzburg wurde einfach klar: Mein künstlerischer Weg ist die Zither. Sie ist das Instrument, mit dem ich mich am besten ausdrücken kann.

Heute sind Sie Professor für Zither an der Münchener Musikhochschule, veranstalten Workshops und Zither-Festivals. Was fasziniert Sie an diesem Instrument?

Glasl: Der klare, vielleicht manchmal auch spröde wirkende Klang auf der einen Seite, die enorme klangliche Vielfalt und Differenziertheit auf der anderen. Was ein großer Vorteil ist: Der Klang einer modernen Zither - ich rede jetzt nicht vom kleinen Volksmusikinstrument, sondern von den Zithern in Psalterform, die ich spiele - ist nicht verbraucht. Das eröffnet Freiräume sowohl für mich als Interpreten aber auch für die Komponisten.

In Vohenstrauß werden wir Sie zusammen mit dem Arte-Ensemble hören. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Glasl: Das NDR-Symphonieorchester-Hannover hatte mich 2013 eingeladen, Strauß' "G'schichten aus dem Wienerwald" zu spielen. Dabei lernte ich Albert Sommer kennen, den Bassisten des Arte-Ensembles, der aus Vohenstrauß stammt. Die Idee, ein Programm mit Zither und Streichquintett zu spielen, fanden wir gut.

Der Abend ist als Hommage an Schubert gedacht. Welche Werke stehen auf dem Programm?

Glasl: Da es für diese Besetzung noch keine nennenswerte Originalliteratur gab, habe ich vor eineinhalb Jahren die Komponisten Bernhard Lang, Klaus Lang, Wilfried Hiller und Bernd Redmann gebeten, für diese Besetzung zu schreiben und dabei in ihrer Klangsprache Bezug auf Franz Schubert zu nehmen. Schubert deshalb, weil ich mich seit vielen Jahren immer wieder mit seiner Musik beschäftige.

Können Sie uns ein paar von diesen Schubert-Bezügen nennen?

Glasl: Bei Hiller ist es das Schubertlied "Der Tod und das Mädchen", bei Bernhard Lang das posthume Streichquintett C-Dur, aber auch Schubert-Tänze, die zum Teil ganz nahe am Original bleiben.

Was hat es mit dem Titel "Verlorenes Lächeln" auf sich?

Glasl: Die Musik Schuberts ist geprägt von Heiterkeit und Melancholie, erinnert an eine Zeit, die längst vorbei, verloren ist. Unser Programm spürt diesem verlorenen Lächeln, dieser verlorenen Innigkeit nach.

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"Hommage an Schubert" mit dem Arte-Ensemble (Streichquintett) und Georg Glasl (Zither) am 18. Oktober im Rathaus Vohenstrauß, Beginn 17 Uhr. Karten an der Abendkasse.
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