Alle dürfen zur Krippe kommen

Hirten, Engel und Könige zogen in der evangelischen Stadtkirche hin zur Krippe: "Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen." Stadtpfarrer Peter Peischl wünschte: "Nehmen wir dieses kostbare Geschenk mit nach Hause, in unsere festlich geschmückten Wohnzimmer. Dort dürfen wir es voller Ungeduld auspacken und uns gemeinsam darüber freuen."
Lokales
Vohenstrauß
26.12.2014
1
0

Hunderte Gläubige, die in der Seelsorgeeinheit in Vohenstrauß, Böhmischbruck, Oberlind und Waldau sowie in der evangelischen Stadtkirche an den Weihnachtsgottesdienstes teilnahmen, verspürten spätestens beim Eintreten in die geschmückten Gotteshäuser Festtagsstimmung.

Überall erklang vor Beginn der Christmetten Musik, die Weihnachtsbäume an den Krippen und in den Altarräumen wurden entzündet und beleuchteten die Kirchen mit sanftem Licht. "In der Geburt Christi manifestiert sich die Demut und die Liebe Gottes, mit der er die Schwachheit, die Leiden, die Ängste, Sehnsüchte und auch die Grenzen der Menschen annahm - jedes Jahr neu", sagte Pfarrer Gerhard Dirscherl in der Benefiziumskirche St.-Johannes-Nepomuk.

Sehnsucht nach Licht

"Gott ist Mensch geworden und ist in unsere Welt gekommen. Deshalb nehmen an diesem Tag viele Gottesdienstbesucher Stehplätze in Kauf. Die Zahl derer, die zur Krippe wollen, ist stets riesengroß", stellte der Geistliche Rat fest.

"Unsere Sehnsucht nach Frieden, nach Glück, nach Heilsein, nach Harmonie und nach der Liebe ist gerade jetzt in den weihnachtlichen Tagen groß", meinte Dekan Alexander Hösl. "Wir wünschen uns für die Sorgen, Nöte und Ängste unseres Lebens jemanden, der das Blatt zum Guten wendet, der Licht in unsere Finsternis bringt, der Gerechtigkeit und Frieden in unserer Welt schafft." In der Menschwerdung Gottes schenke sich Gott uns als Kind, er tue es aus Liebe. Der Mensch sei von Gott geliebt. Schon allein dieser Gedanke könne ungeheuer entspannend und friedensstiftend wirken - in der Gemeinde hier in Vohenstrauß und in der großen Welt. "Er ist an unserer Seite, besonders in Situationen die uns unangenehm sind, an denen wir schwer zu tragen haben: bei der Diagnose einer unheilbaren Krankheit, beim Zerbrechen einer Beziehung, beim Verlust des langjährigen Arbeitsplatzes, beim Tod eines geliebten Menschen." Der Geburtsort Jesu, der Stall in Bethlehem, stehe als Zeichen dafür. Stadtpfarrer Peter Peischl beleuchtete den Titusbrief, in dem es heißt: "Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen. Darin sind alle Zeitgenossen eingeschlossen: Pegida-Sympathisanten und der nette Nachbar von nebenan, der Arbeitskollege, aber auch der Isis-Kämpfer, der Folterknecht von der CIA und viele andere mehr. Und wir? Wir können ruhig hinzukommen und uns einreihen, denn allen gilt diese heilsame Gnade. Keiner kann den anderen von dieser Gnade aussperren."

Peischl folgerte: "Auch wenn uns nicht alle sympathisch sein mögen, die da zur Krippe kommen, so heißt das doch umgekehrt, dass wir nicht außen vor bleiben müssen, sondern kommen, staunen, uns berühren und verändern lassen dürfen von dieser heilsamen Gnade Gottes."

Gnadenlos zu uns selbst

"Wir haben sie nötig in unserer unheilvollen und gnadenlosen Zeit. Denn gnadenlos ist der Umgang in unserer Gesellschaft, aber gnadenlos sind auch wir oft genug zu uns selbst. Sogar in unseren Familien und Freundeskreis ist manches an offener und subtiler Aggression und Gewalt zu spüren, auch wenn wir davon gerade heute nichts wissen wollen", gab Pfarrer Peischl zu bedenken.
Weitere Beiträge zu den Themen: Dezember 2014 (1863)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.