Alle warten auf den 16. Januar

SPD-Landtagsabgeordnete Annette Karl und Bundestagsabgeordneter Uli Grötsch (sitzend, Mitte) hoffen mit den BRK-Mistreitern und ihren Parteifreunden vor Ort, dass am 16. Januar in München eine Entscheidung fällt, die erlaubt, dass der Rettungswagen-Standort in Vohenstrauß bleibt. Bild: dob
Lokales
Vohenstrauß
04.01.2015
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Für Politiker ist der Jahreswechsel die Zeit für Komplimente. Damit ist nicht das gegenseitige Lob gemeint, sondern der Dank an Menschen, die ihren Mann stehen, während andere feiern oder ausspannen. Beim Roten Kreuz schauen sie dabei gespannt nach München.

SPD-Bundestagsabgeordneter Uli Grötsch und seine Landtagskollegin Annette Karl schauten bei der BRK-Bereitschaft und ihrer Wache an Silvester vorbei. "Ihr seid eine der Säulen des gesellschaftlichen Lebens vor Ort mit großer Integrationskraft, was das ehrenamtliche Engagement betrifft", betonte Grötsch. Die Mitglieder seien zutiefst von den angekündigten Veränderungen mit der in den Raum gestellten Verlegung des Notarztrettungswagens getroffen.

Karl dankte den Haupt- und Ehrenamtlichen, die hochqualifizierte Arbeit für hilfesuchende Menschen leisteten. Sowohl über die Verlegung des Rettungswagenstandorts als auch über die Meldung zum Stellenabbau bei der Polizeiinspektion Vohenstrauß, sei sie "nicht glücklich".

"In den Zentralen in München wird am runden Tisch entschieden," seufzte sie. Wünschenswert wäre, in derartigen Fällen die örtliche Kompetenz einzubeziehen und den Leuten vor Ort mehr Einmischung zuzugestehen.

Stellvertretende Bereitschaftsleiterin Gabriele Kreuzer informierte die Gäste, zu denen sich auch Ortsvorsitzender Heinrich Rewitzer mit einer Abordnung gesellte, über das Engagement in der Bereitschaft. Mehr als 40 000 Stunden listete sie auf. Wachleiter Martin Putzer versicherte: "Nichts kann den Menschen mehr stärken, als das Vertrauen, das ihm entgegengebracht wird."

Damit meinte er vor allem das Vertrauen, das die SPD-Politiker mit ihrem alljährlichen Besuch bewiesen. Noch vor einem Jahr seien sie belächelt worden, als sie die angekündigte und bereits vom Rettungszweckverband beschlossene Verlegung des Rettungswagenstandorts nicht einfach hinnehmen wollten. Jetzt konzentriere sich die Hoffnung auf den 16. Januar, wenn in München bei einer unabhängigen Schiedsstelle über ein von der Stadt Vohenstrauß bezahltes und in Auftrag gegebenes Gutachten entschieden werde.

Happige Steuerlast

Jede vierte Schicht werde bei der Rettungswache von Ehrenamtlichen geleistet. In welcher anderen Hilfsorganisation gebe es solche Leistungen? Verärgert und gekränkt zeigte sich Martin Putzer jedoch über die zu versteuernde Entschädigung bei Hauptamtlichen, die sich ehrenamtlich im Rettungsdienst einbringen. Das Geld werde bei Hauptamtlichen mit auf dem Gehaltskonto angerechnet und müsse versteuert werden. Übrig blieben deswegen nur mehr ein paar Euro.

Wie wichtig die Unterstützungsgruppe Rettungsdienst sei, sei anhand von Zahlen zu erkennen. Über 15 600 Stunden hat die Vohenstraußer Gruppe ehrenamtlich im Rettungsdienst erbracht. "Bei uns ist die Welt noch in Ordnung."

"Freiwillige, die hier Dienst leisten, fahren an anderen Rettungswachen vorbei", führte Putzer nicht ohne Stolz den Zusammenhalt vor Ort an. Ein Plus der Rettungswache seien auch die sieben Notärzte, die Rettungseinsätze fahren. "Keine Sekunde waren wir im abgelaufenen Jahr ohne Notarzt." Andere Bereitschaften könnten davon nur träumen. "Die Bevölkerung ist hier sicher".

Sollte die Entscheidung am 16. Januar gut für die Bereitschaft ausfallen, dann sei "Gewaltiges passiert". Uli Grötsch erkannte im Bericht des Wachleiters sehr schnell: "Da steckt viel Idealismus drin. In anderen Gebieten der Region schaut es da ganz anders aus."

Dr. Richard Pruy, Chefarzt des Kreisverbandes Weiden und Neustadt, dankte für die gute Zusammenarbeit. Trotzdem verhehlte er nicht, dass es eventuell auch hier früher oder später zu Notarztproblemen kommen könnte. Dass man erneut in die Schlichtungsphase der Notarztwagenverlegung eingetreten sei, sei ein großes Verdienst der Verbandsräte im Rettungszweckverband, die ihren bereits gefällten Beschluss, zugunsten der Rettungswache revidierten. Pruy zeigte das mit Schwachstellen behaftete Gutachten auf und bat die Politiker, diese Fehler bei künftigen ähnlichen Entscheidungen einfließen zu lassen.

Grötsch dankt Wutzlhofer

Uli Grötsch wertete dabei den Einsatz des Vohenstraußer Bürgermeisters Andreas Wutzlhofer als "löwenstark". Natürlich würde auch der Eslarner Rathauschef Reiner Gäbl die optimale Lösung mit einem zusätzlichen Rettungswagenstellplatz favorisieren. "Die Region hat in diesem Fall zusammengehalten", versicherte Karl, die sich bei derartigen Gutachten vielmehr eine Dialogphase als eine Entscheidung aus der Vogelperspektive wünschen würde. "Diese Gutachten kosten viel Geld und demotivieren vor Ort", ergänzte Pruy.

Rewitzer befürchtet ähnliche Gutachten auch für die Feuerwehren. Eines müsse bei allen Entscheidungen jedoch klar sein: "Es geht nicht kostenneutral auf dem Land wie in den Städten." Nachdem für den bevorstehenden G-7-Gipfel in diesem Jahr sowohl von Polizei als auch vom BRK viele Kräfte in Elmau Dienst leisten müssten, sprachen die Politiker aus, was viele Menschen in der Region hinter vorgehaltener Hand äußern: "Hoffentlich passiert dann bei uns nichts."
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