Arbeit von unschätzbarem Wert

Lokales
Vohenstrauß
29.11.2014
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Die Ausstellung des Heimatkundlichen Arbeitskreises (HAK) mit wertvollen Glasbildern aus dem Nachlass des Kunstfotografen Richard Bamler (wir berichteten) beginnt am Dienstag, 2. Dezember. Dahinter steckt ein enormer Aufwand.

Reiner Claußen hat sich die Mühe gemacht, von der zündenden Idee bis zur Umsetzung alles zu dokumentieren. Er kam auf 7640 Minuten, das sind fast 128 Stunden.

Unbekannter Künstler

Damit soll auch einmal die Vereinsarbeit vieler Ehrenamtlichen entsprechend gewürdigt werden. "Viele Ehrenamtliche stürzen sich auf ein Projekt und machen und tun, bis es der Öffentlichkeit entsprechend präsentiert werde kann. Die enorme Arbeit die dahinter steckt, sieht eigentlich niemand", weiß der Altenstädter. "Trotzdem ist die Arbeit unbezahlbar, denn welcher Kulturfonds würde schon so etwas mit Geld auf die Beine stellen. Schließlich wird ja nicht Andy Warhol präsentiert, sondern ein unbekannter Künstler aus der regionalen Vergangenheit mit dem Engagement der heutigen Generation", sagt Claußen.

Beim HAK ließe sich das Bestreben ganz gut in Stunden und Arbeitslohn umrechnen und der Heimatkundler staunte nicht schlecht, was da an Werten zusammen kam. Eine Nachkalkulation würde sicher 20 bis 30 Stunden mehr ergeben, da Claußen den Ausstellungsaufbau, die Beschaffung spezieller Haken für die Wände im Heimatmuseum und die peniblere, nochmalige Nachbearbeitung einiger Bilder gar nicht berücksichtigt hatte.

Eigentlich startet die Geschichte dieser Ausstellung vor gut 100 Jahren zum Anfang des 20. Jahrhunderts. "Die Erfindung und Entwicklung der Fotografie begann noch rund 80 Jahre früher und stand in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts an der Schwelle zum die Fotografie revolutionierenden Verfahren des Rollfilms, insbesondere des Kleinbilds 24 Mal 36 Millimeter", berichtet der Experte. Die Jahre 1880 bis 1920 waren jedoch noch von den Balgenkameras geprägt, deren Aufnahmemedium beschichtete Glasplatten waren. Diese waren sehr teuer, zu teuer für Probeaufnahmen wie in der heutigen digitalisierten Welt üblich.

Deswegen wurde, bevor eine Aufnahme "geschossen" wurde, erkundet, arrangiert und auf das beste Licht gewartet. Das ist den Fotografien aus der "guten, alten Zeit" oftmals anzumerken. Aus diesen Tagen ist von engagierten Fotografen, darunter Kunstfotograf Richard Bamler, ein "wahrer Schatz" von fast 200 Bildern in unserer Region belichteter Glasplatten erhalten geblieben.

Claußen findet diese Tatsache umso bemerkenswerter, da diese fragilen und sehr leicht zerbrechlichen Speichermedien auch die Kriegswirren zweier Weltkriege und die danach folgenden schweren Zeiten mit nur sehr wenigen Zeit-, Umwelt- und nutzungsbedingten Beschädigungen überdauert haben. Vor zwei Jahren gelangte das wertvolle Vermächtnis über Richard Bamlers Töchter Mechthild und Dietlinde zum Heimatkundlichen Arbeitskreis.

Heute sei es sehr schwierig von derartigen Bildern direkt zu Bildkopien auf Papier zu kommen, da die Techniken nur noch Spezialisten und Spezial-Labore beherrschten, wissen die HAK-Mitglieder. Trotzdem ließen sie nichts unversucht, und so erfolgte eine Digitalisierung der Platten, die sie nun im Heimatmuseum der Öffentlichkeit präsentieren. Natürlich wurden alle Unzulänglichkeiten und Beschädigungen der Originale mit übertragen. Hier setzten die Fachleute des Arbeitskreises an. Neben Zeit, Begeisterung und Idealismus waren erheblicher und unentgeltlicher Einsatz sowie die Nutzung von im Redaktionsteam vorhandenen, privaten Ressourcen wie PC-Ausstattung und vor allem entsprechende Software gefordert.

Größter Lohn

Doch der größte Lohn liegt nicht in der Summe des Aufwands, denn die vielen wunderschönen Bilder wecken Erinnerungen an längst vergangene Zeiten. Für Peter Staniczek, Heiner Aichinger, Rudolf Großmann, Karl Ochantel und Claußen war "die Arbeit eine Bereicherung des Alltags und ein unvergessenes Glückserlebnis".
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