"Burgfrieden" hält nicht lange

Das "Jägerstüberl" am Neuwirtshauser Weg war von 1951 bis 1959 eine beliebte Schank- und Gartenwirtschaft. Repro: tss
Lokales
Vohenstrauß
12.12.2014
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Das "Jägerstüberl" war ein sehr beliebtes Lokal, das aber nur von 1951 bis 1959 existierte. Seine bewegte Geschichte begann jedoch eigentlich schon viel früher. Kurios ist vor allem, wie es zu seinem Namen kam.

Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Andreas Sigismund Bamler das Haus am Neuwirtshauser Weg gegenüber der Friedrichsburg gebaut. Georg Hofmann kaufte es und wollte darin schon 1925 einen Schankbetrieb einrichten.

"Die Lokalitäten sind vollkommen geeignet. Das Haus ist eine schön gelegene Garten-Villa. Zum Betrieb werde ich zwei Zimmer im Erdgeschoss, und zwar eines als gewöhnliches Lokal und das andere als besseres Nebenlokal, verwenden. Die Bedürfnisfrage dürfte keinem Zweifel unterliegen", schrieb er in dem Antrag. Letzteres sahen jedoch Stadtrat und Bezirksamt anders und lehnten das Ansinnen ab. Beschwerden und Gesuche an den Ministerpräsidenten sowie die Regierung der Oberpfalz blieben ohne Erfolg.

Kein Bedarf

1928 wagte Hofmann einen neuen Versuch: Gartenwirtschaft und Fremdenpension lautete diesmal sein Plan. Auch dafür sah die Stadt keinen Bedarf, unter anderem wegen der Konkurrenz zu den Wirtsgärten von Schützengesellschaft und Turnverein.

Im April 1951 beantragte Hofmanns Sohn Georg schließlich erneut die Erlaubnis für eine Schank- und Gartenwirtschaft. Durch den Flüchtlingsstrom nach Kriegsende wohnten immer mehr Menschen in den nahe gelegenen Baugenossenschafts-Häusern. Außerdem plante die Kommune eine Promenade entlang der Waidhauser Straße. So erteilte das Landratsamt im Juni 1951 dann endlich die Erlaubnis. "Aller guten Dinge sind drei", sagt Werner Hofmann, nachdem die beiden Anträge seines Großvaters gescheitert waren. Ursprünglich sollte das Gasthaus "Burgfrieden" heißen. Dies schien Franz Hoch aber gar nicht gefallen zu haben. Er war Schneidermeister und Stadtrat - aber vor allen ein passionierter Jäger. "Auf ihn ging der Name ,Jägerstüberl' zurück", weiß Hofmann. Kein Wunder, dass Hoch dann Stammgast war.

Nach Fußballspielen sind auch Kicker und Zuschauer dort eingekehrt, um Brotzeit zu machen. Spezialität waren die Sulzen. "Die wurden bretterweise in den riesigen Felsenkeller getragen und aufgefüllt." Im Fasching ging es ebenfalls hoch her. Doch Hofmanns Eltern, die auch eine Gärtnerei besaßen, konnten die viele Arbeit nur dreieinhalb Jahre stemmen und verpachteten schließlich das "Jägerstüberl".

Viele Stammgäste

Das bedauert der ehemalige Feuerwehrkommandant und Kassenverwalter der Stadt noch heute: "Ich hätte eher in Richtung Wirtschaft oder Pension tendiert. Platz wäre ja genug gewesen, das Nachbargrundstück hat ja auch dazugehört." Im Januar 1955 übernahm Adolf Teichmann das "Jägerstüberl", im Oktober 1956 folgte Maria Liebisch. Sie führte es bis August 1959 als Speiselokal. Liebischs Tochter Cilly Schmid erinnert sich: "Es gab einen großen Kreis an Stammgästen, die meisten leben leider nicht mehr."

Sonntags wurde ausgekocht, was für Schmid und ihre beiden Schwestern auch jede Menge Arbeit bedeutete. Die hatte auch ihr Gutes, denn die jungen Männer standen bald Schlange. "Ich und eine meiner Schwestern haben so ihre späteren Ehemänner kennengelernt", erzählt Schmid.

Im Sommer 1959 endete dann die Geschichte des "Jägerstüberls". Familie Hofmann brauchte das Haus aus Platzgründen wieder für sich und hat die Wirtschaft nicht weiter verpachtet. Heute gehört es Rechtsanwalt Maximilian Huber.
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