"Da ist die Nacht dann vorbei"

Brigitte und Katrin Süss (von links) wissen, was es heißt, mit einem aktiven Feuerwehrmann verheiratet zu sein. Sie wohnen direkt neben dem Feuerwehrhaus und haben sich längst daran gewöhnt, dass der Funkwecker den Tagesablauf gehörig stören kann. Bild: ck
Lokales
Vohenstrauß
17.03.2015
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Der Stadtrat diskutierte vor kurzem lebhaft darüber, ob man den Begleitpersonen von Feuerwehrleuten eine Woche im Ferienheim Bayrisch Gmain finanzieren sollte. "Der neue Tag" sprach mit zwei Vohenstraußerinnen über die Entscheidung und über ihr Leben mit einem aktiven Feuerwehrmann.

Brigitte und Katrin Süss wissen, was es heißt, mit einem Floriansjünger verheiratet zu sein. Die Diskussion rund um den Stadtratsbeschluss verfolgten sie zwar, sehen sie als Betroffene jedoch relativ entspannt. Brigitte (62) hat mit ihrem Mann Johann bereits vor Jahren eine Woche in dem Feuerwehr-Erholungsheim verbracht. Sie hatte damals wie heute kein Problem damit, dass sie ihren Anteil selbst übernehmen musste: "Wenn ich fahren will, dann mache ich das. Egal, ob das bezahlt wird oder nicht."

Der kleine Urlaub habe ihr damals sehr gut gefallen, auch wenn dort natürlich das Thema Feuerwehr unter den Gästen unumgänglich sei. Auch ihre Schwiegertochter Katrin würde ihren Mann Markus nach Bayrisch Gmain begleiten - unabhängig davon, ob die Stadt die 250 Euro dafür übernimmt. "Aber da müssen wir ja noch mindestens 20 Jahre warten", lacht die 35-Jährige.

Beide Frauen unterstützen ihre Männer so gut es geht. Sie hätten genau gewusst, auf was sie sich einließen, als sie einen Feuerwehrmann geheiratet haben. "Wenn der Funkwecker geht, kriegen sie den Tunnelblick. Dann solltest du am besten nicht im Weg stehen", schmunzelt Katrin. Sie hat sich an die Begleiterscheinungen des Feuerwehrdienstes längst gewöhnt. Die montäglichen Versammlungen der Floriansjünger nutzt sie zum Beispiel regelmäßig zum Bügeln. Wird ihr Mann nachts zu einem Einsatz gerufen, liege sie nicht die ganze Zeit wach.

Tagesablauf in Gefahr

Man müsse immer damit rechnen, dass ein Notfall den Tagesablauf stört und Pläne über den Haufen wirft. "Es kommt vor, dass wir nach Weiden fahren wollen und beim Zirlwirt umdrehen müssen, weil der Funkwecker geht." Als ihr Mann für zwei Wochen nach Regensburg zu einem Feuerwehr-Lehrgang musste, fremdelte der eineinhalbjährige Sohn anschließend, weil er seinen Papa nicht gleich wiedererkannte.

Ihre Schwiegermutter Brigitte ist seit Jahrzehnten eng mit der Feuerwehr Vohenstrauß verbunden. Die Familie lebte sogar 35 Jahre lang in der Wohnung im Feuerwehrhaus. Sie war dort als Hausmeisterin beschäftigt. Bei jedem Ausrücken der Wehrleute war die 62-Jährige damals quasi "live dabei". "Wenn sie dann weg waren, habe ich aufgeräumt, Schuhe aufgeklaubt, die Lichter ausgemacht, Tee und Kaffee gekocht und Brotzeiten hergerichtet. An Schlaf war da natürlich nicht mehr zu denken."

Die Unterstützung der Ehefrauen sei besonders wichtig, wenn die Männer nach einem tödlichen Unfall schockiert nach Hause kommen und Zeit brauchen, um das tragische Geschehen zu verarbeiten. "Da ist die Nacht dann vorbei. Sie wollen reden und alles erzählen. Aber das ist ja Gott sei Dank die Ausnahme", erklärt Katrin.

Die Zeit, in der sie auf ihre Männer verzichten müssen und Arbeiten in Haus oder Garten verschieben oder alleine erledigen müssen, könne man nicht auf eine bestimmte Stundenzahl beziffern. Eine Portion Selbstständigkeit hilft den Frauen ganz gut dabei, bei vielen Aufgaben durchaus alleine zurechtzukommen. Fakt sei, dass die Aktiven neben dem Feuerwehrdienst keine Zeit für ein Hobby hätten. All die Einschränkungen im Familienleben würden sie ohne großes Murren in Kauf nehmen. Im Gegenteil: Die beiden Frauen stehen voll hinter ihren Männern. Katrin: "Ich denke mir immer, dass es ja auch mal mein Kind sein könnte, das einen schweren Verkehrsunfall hat. Und dann wäre ich froh, wenn die Feuerwehr kommt."

Ausreichend Dank

Anerkennung bekommen die Partner der Feuerwehrleute alljährlich bei der Weihnachtsfeier. Hier werde laut ausgesprochen, wie wichtig die Unterstützung der Familie ist. Dies sei den Ehepartnern im Grunde Dank genug.
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