"Das ist für unsere Stadt leistbar"

Es sind schon tiefe Freundschaften entstanden.
Lokales
Vohenstrauß
18.09.2015
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Die vielen Tausend Flüchtlinge, die Europa vor eine riesige Herausforderung stellen, sind derzeit das beherrschende Thema. "Detaillierte Information ist die Basis, um sich eine Meinung bilden zu können", meinte Eva Schmidt vom Evangelischen Frauenbund zu Beginn eines aufschlussreichen Abends im Evangelischen Gemeindehaus.

Die verantwortlichen Frauen hatten sich drei Referenten ausgewählt, die das Thema umfassend beleuchteten. Etwa 30 Zuhörer freuten sich über dieses Angebot. Dr. Volker Wappmann versuchte mit seinem Vortrag "Europa in Gefahr? - Der lange Zug aus dem Nahen Osten" die Hintergründe der aktuellen Situation darzustellen.

Bürgermeister Andreas Wutzlhofer informierte die Zuhörer über die derzeitige Lage in der Großgemeinde Vohenstrauß. Allerdings würden sich die Zahlen von Woche zu Woche ändern. Seine persönliche Meinung stellte er voran: "Für Menschen, die in ihrem Land um Leib und Leben fürchten müssen, habe ich Verständnis - aber nicht für Trittbrettfahrer, die hier in Deutschland eine schöne Zeit verbringen wollen." Er meinte damit Asylbewerber aus sicheren Drittstaaten.

In der Großgemeinde seien (Stand 14. September 2015) 88 Asylbewerber untergebracht. 55 leben in dezentralen Unterkünften. In der Gemeinschaftsunterkunft in Waldau, für die der Bezirk zuständig sei, wohnen derzeit 33 Flüchtlinge. Auf Anfrage bestätigte der Bürgermeister, dass mehr als die Hälfte dieser Asylbewerber aus sicheren Drittländern kommen würden.

Wutzlhofer ging auf das geplante Containerdorf ein. Auf etwa 3300 Quadratmetern würde Raum geschaffen für maximal 100 Migranten, die dort jeweils drei bis vier Monate untergebracht werden. Die Container seien winterfest. Der Bürgermeister will dadurch vermeiden, dass die Dreifachturnhalle als Notunterkunft hergenommen wird: "Das wäre der Supergau. Dann könnte die gute Stimmung in der Bevölkerung kippen. Es gibt schon jetzt an den Stammtischen auch kritische Stimmen."

320 Euro monatlich

Wutzlhofer erklärte, dass die Asylbewerber neben Sachleistungen wie der Unterkunft (samt Kosten für Strom und Heizung) und Haushaltsgegenständen monatlich etwa 320 Euro erhalten. Fernseher und Handy würden nicht bezahlt. Für eine Babyausstattung bekommen die Flüchtlinge 150 Euro. Auch für einen Kinderwagen gibt es 150 Euro. Leistungen im Krankheitsfall werden ebenfalls übernommen. Im Landkreis leben fast 700 Asylbewerber, dazu kommen 100 unbegleitete Minderjährige und 100 Menschen, die nach dem Notfallplan (in Hallen oder anderen Unterkünften) untergebracht sind. Wutzlhofer: "Das sind insgesamt 900 Asylsuchende im Landkreis. Bei etwa 97 000 Landkreisbewohnern ist das eine etwas geringere Rate als die, die wir in Vohenstrauß haben." In der Großgemeinde machen die Flüchtlinge aktuell 1,53 Prozent der Bevölkerung aus. "Das ist für unsere Stadt leistbar."

Zweiter Bürgermeister Uli Münchmeier sprach als Vertreter des Arbeitskreises "Asyl", in dem rund 50 Bürger im Stillen engagiert sind. Mittlerweile seien 15 Personen damit beschäftigt, den Flüchtlingen die deutsche Sprache beizubringen, zweimal wöchentlich jeweils drei Stunden. Während sich die Äthiopier sehr schwer tun, würden beispielsweise die Iraker schon fließend Deutsch sprechen. Die Paten kümmern sich vor allem um alltägliche Dinge des Lebens und sind zum Beispiel bei Behördengängen dabei. "Es sind schon tiefe Freundschaften entstanden", erklärt Münchmeier und erzählt von einer Patin, die ihren Schützling aus dem Irak in einen katholischen Gottesdienst mitgenommen hat. Unerträglich seien bürokratische Hürden. So müsse man für ein dreitägiges Praktikum in einer Autowerkstatt etwa zwei Monate Vorarbeit bei den Behörden einrechnen.

Mangelnder Respekt

Zur Frage nach Problemen mit Flüchtlingsjungen, denen es an Respekt gegenüber ihren Lehrerinnen mangelt, meinte Münchmeier: "Dieses Problem gibt es tatsächlich. Aber das ist dann Erziehungssache. Am Ende setzen sich die Lehrerinnen schon durch." Ein Zuhörer sprach das Thema geschächtetes Fleisch an. Der zweite Bürgermeister antwortete, dass ihm noch kein Fall bekannt sei, in dem Asylbewerber derartiges Fleisch verlangt hätten.
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