Desolat und erschütternd

Pfarrer Holger Kruschina aus Roding präsentierte mit Pianist Peter Kiener aus Wetterfeld (links) und mit Unterstützung von Andreas Spreitzer (Zweiter von links) Franz Schuberts "Winterreise". Bild: dob
Lokales
Vohenstrauß
20.11.2015
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Immer wieder enttäuschte Liebe, ausgegrenztes Leben, Sehnsucht, die keine Chance auf Erfüllung hat: Das sind Franz Schuberts Themen, die er wie kein anderer Komponist in seiner Musik aufleben lässt. Das wissen nun auch die Vohenstraußer.

Schuberts desolates Lebensgefühl von und die entsprechend erschütternde Musik kamen beim Liederzyklus "Winterreise" mit Pfarrer Holger Kruschina aus Roding (Gesang) und Realschulpädagogen Peter Kiener aus Wetterfeld (Klavier) ganz besonders zum Tragen. Andreas Spreitzer unterstützte sie als Notenwender beim Konzert im Rathaus.

Spenden für Pfarrheimbau

"Sommerliche Temperaturen haben wir längst hinter uns gelassen und können uns nun der musikalischen Einstimmung auf den Winter hingeben und uns auf einen musikalischen Genuss freuen", versicherte Dekan Alexander Hösl bei der Begrüßung der Zuhörer.

Mit der "Winterreise" wollten Pfarrer Kruschina und sein Klavierpartner "ein paar Bausteine für den Pfarrheimbau liefern", denn sie verlangten an diesem Abend keine Gage und baten um Spenden für den Neubau. Am Ende des Konzerts kamen 612,63 Euro zusammen. Nur einzelne der knapp 100 Stühle blieben im Rathaussaal unbesetzt. Mit der "Winterreise" wanderten die Zuhörer ins 18. Jahrhundert zurück.

Erzählt wird von einer zerbrochenen Liebe, die Geliebte hat einen anderen. So bleibt dem jungen Mann nur das Schicksal des einsamen Wanderers: heimatlos, unbehaust, voller Todesgedanken, die sich nur selten hoffnungsvoll aufhellen. "Sie haben sich schwere Kost ausgesucht", stellte Pfarrer Kruschina augenzwinkernd fest und riet, sich mit den Solisten Stück für Stück bis ans Ende durch zu hangeln.

"Wahrscheinlich hatte Schubert mit diesem Werk mit Gedichten seines Zeitgenossen Wilhelm Müller seine Depressionen verarbeitet", vermutete Kruschina. Heißer Salbeitee war für den gesundheitlich angeschlagenen Sänger für den Notfall vorbereitet, und mit einem Gläschen Wein begann die Hommage an die vor der Tür stehende vierte Jahreszeit mit dem ersten Werk "Fremd bin ich eingezogen" aus "Gute Nacht". In zunehmender Verzweiflung wandert der junge Mann durch eine immer kälter werdende Welt und lässt seine Gedanken immer wieder um sozialen Absturz, Altern und Tod kreisen.

"Irrlicht", "Einsamkeit", "Der greise Kopf" oder die "Letzte Hoffnung" sprechen Bände. Gegen Ende der "Winterreise", die Schubert ein Jahr vor seinem Tod komponierte, heißt es in dem unheimlich bewegenden Lied "Der Wegweiser": "Was vermeid' ich denn die Wege. Eine Straße muss ich gehen, die noch keiner ging zurück." Schubert erlebte die Uraufführung seines Werks nicht mehr mit, denn er starb im Alter von 31 Jahren. Sehr ausdrucksvoll und sensibel gelang es Pianist Kiener, die aufkeimende Hoffnung und letztlich die Hoffnungslosigkeit umzusetzen und die starken Gefühle zu unterstreichen. Die beiden Interpreten setzten die poetischen Bilder mühelos auf überzeugende Weise um.

Weiteres Gastspiel

Am Sonntag, 3. Januar, ist Pfarrer Kruschina erneut in Vohenstrauß zu hören. Mit dem Ensemble Hubert Velten gastiert er dann in der katholischen Stadtpfarrkirche.
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