Die Macht des ersten Eindrucks

Impressionen vom Bewerbungsseminar: Bayernwerk-Profi Friedrich Vöhringer erklärt die "Basics" (links); dazu gehört, das ganze Outfit sowie die Körperhaltung im Blick zu haben (Bild Mitte); schließlich zeigen Schüler im Praxisteil, was sie im Seminar gelernt haben (rechts). Bilder: hfz
Lokales
Vohenstrauß
14.07.2015
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Irgendwann ist Schluss - das gilt auch für die Schulzeit. Gut, wenn man einen Plan für die Zeit danach hat. Wie man sich im Vorstellungsgespräch für eine Lehrstelle von seiner besten Seite präsentiert, erfuhren Realschüler von einem echten Profi.

Die Klasse 8a der Realschule Vohenstrauß nahm an einem Workshop zum Thema "Bewerbung - Vom Praktikum bis zum Vorstellungsgespräch" teil und erhielt von Friedrich Vöhringer hilfreiche Tipps und Tricks für ein gelungenes Vorstellungsgespräch.

Vöhringer ist beim Bayernwerk Personalmanager und Ausbildungsleiter für Ostbayern.

Der erste Eindruck zählt

"Wie lange, glauben Sie, dauert es, bis sich jemand einen ersten Eindruck von Ihnen gebildet hat?", fragt der Bewerbungstrainer und blickt erwartungsvoll in die Gesichter der Schüler. "Fünf Minuten", "Nein niemals, ich denke zwei Minuten?" Vöhringer, die Kommentare leicht belächelnd, löst schließlich auf: "Nur eine Zehntel Viertelsekunde braucht das Gehirn, um ein Urteil über einen Unbekannten zu fällen."

Von Praktika über die Bewerbungsmappe bis hin zum Vorstellungsgespräch wurden hilfreiche Informationen vermittelt. Die achte Jahrgangsstufe eignet sich besonders für dieses Thema, da manche Unternehmen wie beispielsweise Banken oder Versicherungen ihre Bewerbungsfrist bereits 18 Monate vor Ausbildungsbeginn setzen.

Verstärkt online

"Heutzutage läuft der Bewerbungsprozess verstärkt über Onlinebewerbungen", klärt Vöhringer die Teilnehmer auf und wirft folgende Mailadresse in den Raum: "SüßeMaus@hotmail.de". Die Anwesenden schmunzeln, der eine oder die andere fühlt sich möglicherweise auch ein wenig ertappt. Der Bewerbungstrainer appelliert für die Einrichtung einer neutralen E-Mail-Adresse, um den ersten Eindruck so positiv wie möglich zu gestalten oder um nicht an der Firewall der Unternehmen zu scheitern.

In diesem Zusammenhang warnt Vöhringer auch vor einem leichtfertigen Umgang mit sozialen Netzwerken. "Der Arbeitgeber braucht in der Regel nur Ihren Namen einzugeben und könnte Einiges über Sie erfahren: Von dem ein oder anderen fragwürdigen Selfie bis hin zu Ihrer exzessiven "Malle-Party" letzten Sommer." Aus diesen Gründen sollte man unbedingt darauf achten, welche Bilder und Kommentare man mit der Öffentlichkeit teilt.

Dann stand das Vorstellungsgespräch im Mittelpunkt. Nachdem man dem Unternehmen den Termin bestätigt hat, sollte man unbedingt die Verkehrswege und -mittel abklären und einen Zeitpuffer einplanen. Für den Notfall hat man immer die Kontaktdaten des Unternehmens zur Hand, um im Falle unvorhergesehener Schwierigkeiten die Zuständigen benachrichtigen zu können. "Die Kommunikation ist sowieso das A und O zwischen Auszubildenden und deren Vorgesetzten", erklärt der Bewerbungscoach und mustert die Jugendlichen plötzlich der Reihe nach sehr eindringlich: "Könnten Sie bitte kurz aufstehen? Und Sie dürfte ich auch kurz bitten, sich zu zeigen."

Gut auswählen

Schüchtern und mit verdutzten Gesichtsausdrücken erheben sich die beiden Angesprochenen. Ein dickgedruckter, weißer T-Shirt-Print fällt sofort ins Auge: "Egal was - ich bin dagegen!". Daneben ein Schüler mit kurzen Hosen. Allen ist klar, dass diese Outfits für ein Vorstellungsgespräch nicht gerade passend sind. "Die Auswahl der Klamotten ist nicht zu unterschätzen. Dadurch wird der erste Eindruck maßgeblich geformt", betont Vöhringer. "Von ordentlichen Schuhen bis hin zur Krawatte, welche übrigens nur in Unternehmen wie Banken unbedingt erwünscht ist, muss alles stimmen." Die Aufmachung der Bewerbungsunterlagen und die persönliche Erscheinung sollten immer an die jeweilige Branche und den einzelnen Betrieb angepasst werden.

Zum Abschluss gab es einen Praxisteil: das Nachspielen von Vorstellungsgesprächen. Der Coach und die kaufmännische Auszubildende Annika Hauner machten den Anfang. Vöhringer alias der Bewerbungskandidat betritt den Raum, setzt sich, ohne die Vorgesetzte zu begrüßen, auf den freien Platz. Die Schüler lachen laut, als der Bewerber nervös mit dem Stuhl kippelt, Löcher in die Luft starrt und in tiefstem bayerischen Dialekt nur einzelne, abgehackte Wörter zur Antwort gibt.

Die Frage "Wia schauts mit da Kohle und m'Urlaub as?" stellte eindeutig den Höhepunkt eines misslungenen Vorstellungsgespräches dar. Nachdem die Fehler im Plenum ausgiebig diskutiert wurden, wagten Laura, Stefan und Nils ein positives Gegenbeispiel. Sehr anschaulich bewiesen sie, dass sie verstanden haben, worauf es beim erfolgreichen Vorstellungsgespräch ankommt.

Positives Resümee

Das Resümee der Schüler war durchweg positiv: "Mir hat besonders gut gefallen, dass der Trainer auf uns eingegangen ist." - "Ich fand es super, dass der Coach uns gesiezt hat. Dadurch habe ich mich selbstbewusst und gleichwertig gefühlt."

von der Klasse 8a der Realschule Vohenstrauß
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