Eine der ersten Wehren Bayerns

Auf dieser Aufnahme sind die Aktiven der Feuerwehr Vohenstrauß mit Vorsitzendem Leonhard Winkler und Kommandant Josef Wappmann um 1885 zu sehen. Donat Kirner wurde damals als Rottenführer der Hydrantenabteilung gewählt. Repro: dob
Lokales
Vohenstrauß
13.05.2015
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Das Feuerlöschwesen in Vohenstrauß ist 150 Jahre alt und gehört damit zu einer der ältesten Feuerwehren im Regierungsbezirk. Der denkwürdige Tag ihrer Gründung war der 5. November 1865.

In der Feuerwehrgeschichte ist dazu folgendes aufgezeichnet: "Zu damaliger Zeit gab es noch wenige Feuerwehren und so zählte die hiesige Gründung zu eine der ersten in Bayern. Eine kleine Schar mutiger und opferwilliger Bürger unserer Stadt war durch das große Schandfeuer, dass am 5. Oktober 1865 in dem benachbarten Markt Waldthurn wütete und diesen fast vollständig einäscherte, entschlossen, eine Feuerwehr in Vohenstrauß zu gründen. So trat man, allen voran der Kaufmann Leonhard Winkler, am 5. November 1865 zusammen und bildete einen Ausschuss, der dann später eine größere Mitgliederversammlung durchführte." Gründungsmitglieder waren August Sperl (Amtsgerichtsaktuar), Philipp Aichinger (Schreiber), Bernhard Bauer (Schreiber), Johann Thomas Stark (Rentamtsgehilfe), Mathias Hoffmann (Lederhändlerssohn), Josef Nast (Musiker), Josef M. Kraus (Schuhmacher), Josef Ferazin (Kaminkehrer), Johann Würschinger (Schuhmacher), Josef Wappmann (Konditor) und Leonhard Winkler (Kaufmann).

Am 21. April 1866 hatte der Feuerwehrverein 33 aktive Mitglieder. Erster Vorsitzender war Notar Josef Doß und Kommandant Leonhard Winkler.

Große Brände

Zur wechselvollen und oft leidvollen Vohenstraußer Geschichte zählen seine verheerenden Brandkatastrophen. Der erste große Brand war 1494, der nächste 1512, der dritte am 20. Juni 1537 und der vierte am 3. Juli 1550. Fast jedes Mal standen die Bürger vor dem völligen Ruin. Der Großbrand von 1763 hatte desaströse Auswirkungen. 1839 fiel die Gemeinde mit beiden "hochgewölbten Markttoren und 300 Gebäuden" wieder in Schutt und Asche. Vohenstrauß baute daher von alters her auf sogenannte Turmwachen. Ab dem 16. Jahrhundert gab es die Türmer in allen größeren Ortschaften.

Große Schwierigkeiten

Über die Anfänge der Gründungszeit wird berichtet, dass die Feuerwehr sofort mit Eifer an die Beschaffung der Ausrüstungsgegenstände heranging. Große Schwierigkeiten bereitete das Geld. Zur Finanzierung der Feuerlöschmaschine hatte die Feuerwehr 800 Gulden in 160 auf Namen lautenden und unverzinslichen Aktien zu je fünf Gulden aufgebracht. Als in Eslarn am 28. August 1868 ein Großbrand wütete, eilten die Vohenstraußer zu Hilfe. Am 17. Juni 1869 brach in Altenstadt ein Feuer aus, dem 15 Wohnhäuser und 30 Nebengebäude zum Opfer fielen.

Laut der polizeilichen Feuerlöschordnung vom 31. Juli 1884 waren alle männlichen Einwohner einer Gemeinde vom 18. bis zum 50. Lebensjahr feuerwehrpflichtig. Wie aus einer Bekanntmachung vom 1. Juni 1887 hervorgeht, gab es in Vohenstrauß auch eine Pflichtfeuerwehr. Im Ersten Weltkrieg wurden etwa 80 Wehrmänner zu den Fahnen gerufen.

Obwohl zu Beginn des Zweiten Weltkriegs viele Aktive einberufen wurden, hatte die Vohenstraußer Wehr stets durchschnittlich 50 einsatzbereite Leuten. Ein großer Teil waren Jugendliche. Am 11. und 12. August 1943 erlitt Nürnberg einen schweren Luftangriff. Die Feuerwehr Vohenstrauß war zur Brandbekämpfung in der Viktoriastraße eingesetzt.

Im Januar 1945 trafen Flüchtlinge aus dem schlesischen Ohlau ein. Sie brachten ein Löschfahrzeug mit und übergaben es der Wehr, wo es bis 1977 im Dienst war. Nach dem Zusammenbruch 1946 war die Feuerwehr, wie fast jede Organisation, zunächst zur Untätigkeit verurteilt. Im Gesetz über das Feuerlöschwesen vom 17. Mai 1946 wurde die frühere Vereinstradition wieder hergestellt.
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