Eine Mass Bier für 50 Pfennig

Die Karl-Raspsche-Bierbrauerei um das Jahr 1920. Die Geschichte der Gaststätte endete 1975, die ehemalige Wirtsstube steht heute leer. Repro: tss
Lokales
Vohenstrauß
20.02.2015
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Das Bräustüberl Rasp war einst Heimat vieler Vohenstraußer Vereine. Vor 100 Jahren trafen sich dort unter anderem der TV oder der Bürgerverein. 1975 endete jedoch die bewegte Geschichte des Lokals.

1550 gehörte das Haus am heutigen Marktplatz 22 den Familien Ach und Hoffmann, informiert Heimatforscher Karl Ochantel. Nach dem Dreißigjährigen Krieg folgten Georg Schwab, die Familien Sperl und Meindl sowie ab 1681 die Kramhändler-Familie Bäumler als Besitzer.

1839 abgebrannt

1714 kaufte der Färber Johann Bibel das Anwesen, das er 1792 an Sohn Johann Georg übergab. 1839 fiel das Gebäude dem Großbrand zum Opfer, Bibel baute es wieder auf und richtete 1858 eine Brauerei ein. 1871 erwarben Johann und Katharina Rasp aus Groschlattengrün bei Mitterteich den Besitz für 10 400 Gulden.

Ihr Sohn Mathias Rasp, eins von 8 Kindern, war Brauer. Er fuhr das Bier bis Waidhaus und Eslarn aus. Besonders nach dem Brand in Eslarn 1895 musste er oft dorthin fahren und vor allem immer früh aufstehen. Es hieß: "Beim Rasp wird das Bier nicht kalt, weil es sofort ausgefahren wird." Als der Markt Vohenstrauß 1906 ein Gesuch zur Stadterhebung stellte, gab es 3 Brauereien. Rasp war die einzige mit Dampfkessel.

Mathias Rasp starb 1905, sein Sohn Hans studierte zu der Zeit Brauerhandwerk in München. Seit April 1917 gilt er jedoch als vermisst. Dessen Bruder Karl übernahm in den 20er Jahren schließlich die Brauerei. 1932 kostete eine Mass Bier 50 Pfennig - das mag jetzt natürlich traumhaft billig erscheinen, war damals aber fast ein Stundenlohn. Heutzutage ist der Preis für einen Liter Gerstensaft mancherorts allerdings auch nicht mehr weit entfernt von 8,50 Euro Mindestlohn oder sogar darüber.

Karl Rasp starb am 1. Mai 1945 bei Bad Kreuznach im Alter von 46 Jahren. Wie nach dem Ersten Weltkrieg hatten Gastwirtschaft und Brauerei auch nach dem Zweiten keine männliche Führung mehr.

Im Fässerlager begann 1948 Gustav Peschke mit der Herstellung von Spirituosen. Bei der Erweiterung der Konzession als Schankwirtschaft musste Witwe Amalie Rasp 1949 unter anderem den Bescheid über die Entnazifizierung vorlegen. Weitere Bedingung war, Plakate anzubringen: "Das Ausspucken auf den Boden und das Mitbringen von Hunden ist verboten."

Das einzige Kind, Tochter Babette Rasp, war mit Hans Ochantel verheiratet. Er absolvierte eine Lehre in der Schlossbrauerei Waldau. 1950 übernahm das Ehepaar die Schankwirtschaft Rasp, 1952 brauten sie zum letzten Mal selbst. Danach kam das Bier aus Schwandorf. Wie alle anderen Wirtschaften hatte auch das Bräustüberl Rasp neben dem Eingang zum Gastzimmer ein Schankfenster. Kunden mussten an der Glocke ziehen, um eine Bestellung aufzugeben. Meistens holten sie im Bierkrug nicht eine volle Mass, sondern nur einen dreiviertel Liter.

In den 50er Jahren gab es im Bräustüberl überwiegend Kaffeekränzchen, Kappenabende und Schlachtschüssel-Essen. Die Sülze mit Brot kostete 1 Mark, ein Schnitzel 1,10 Mark.

Räume stehen leer

Als Hans Ochantel 1975 in Rente ging, war auch die Zeit der Wirtschaft vorbei. Heute wohnen Werner Ochantel und seine Lebensgefährtin Andrea Weich in dem Haus. Die ehemalige Gaststube war bis vor kurzem ein Büro für einen Dienstleister aus der Computerbranche. Nun stehen die Räume leer, und auch von der Brauerei ist seit vergangenem Jahr leider nichts mehr übrig.
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