Energiewende "sportliches Ziel"

Lokales
Vohenstrauß
24.10.2014
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Der Strom kommt aus der Steckdose. Doch wie er produziert wird, betrifft alle Bürger. Zumindest nach der Katastrophe von Fukushima war eine Bewusstseinsänderung im ganzen Land festzustellen. Daran knüpft nun eine Ausstellung der Regierung der Oberpfalz an.

Die Volkshochschule (VHS) hatte zusammen mit der Stadt die Leihaustellung "Energiewende" ins Rathaus nach Vohenstrauß geholt. Bis 2035 sollen nach dem Willen der Bundesregierung 65 Prozent des Stroms aus regenerativen Quellen kommen. "Ein sportliches Ziel", unterstrich Bürgermeister Andreas Wutzlhofer eingangs.

Mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sei ein Rahmen zur Umsetzung der Energiewende geschaffen worden. Allerdings seien Änderungen notwendig, denn die Strompreise entwickelten sich unkontrolliert nach oben. 2013 waren es 16 Milliarden Euro, bezifferte Wutzlhofer. "Wir müssen in der Energieerzeugung und dem Energieverbrauch noch effektiver und innovativer werden."

Die Schau bietet interessante Anregungen und gibt Hinweise zur Energieeinsparung. Bisher habe Vohenstrauß schon viel für den Klimaschutz getan. Die Umstellung der Straßenbeleuchtung verringere den jährlichen Kohlendioxid-Ausstoß um 150 Tonnen, des Heizsystems von Erdgas auf Hackschnitzel spare noch einmal 295 Tonnen, die städtischen Photovoltaik-Anlagen brächten 90 Tonnen und die energetische Sanierung der Grundschule 110 Tonnen.

Anhand der Beispiele, die die Ausstellung gibt, könne die Energie gefühlt, gesehen, gehört und sogar gerochen werden. Vor allem Schulklassen sind eingeladen zu einer Exkursion im Rathaus. Für Gruppen werde die Schau nach Bedarf außerhalb der normalen Geschäftszeiten geöffnet, fügte das Stadtoberhaupt hinzu. Die VHS sei stets bestrebt, derartige Themen unter die Bevölkerung zu bringen und zu sensibilisieren, sagte Geschäftsführerin Erika Grötsch.

Eva Ehmann hatte im Landkreis die Idee, die Ausstellung nach Vohenstrauß zu bringen. Baubiologe Reiner Bäumler, Leiter des Arbeitskreises Energieberatung für das Energie-Netzwerk Oberpfalz Nord, führte zum Thema hin.

Geöffnet bis 4. November

Bis Dienstag, 4. November, kann die Schau besucht werden. Die Energiewende sei in den Köpfen angekommen, doch die Umsetzung erfolge schleppend. Was helfe die ganze Theorie, wenn man nichts in die Praxis umsetze.

Jeder muss Beitrag leisten

Jeder Einzelne müsse auf seine Art einen Beitrag leisten, forderte Bäumler. Seit 1992 ist der Weidener in der Region in Sachen Energieberatung unterwegs. Grundsatz der Ausstellung sei der "Energie-3-Sprung", erklärte Bäumler. "Energie sparsam einsetzen und nach Bedarf senken, wo es sinnvoll ist. Fossile Energieträger durch erneuerbare Energien ersetzen und energieeffiziente Techniken einsetzen". All das seien Grundlagen für die Energiewende.

Die Sonderausstellung, die die Besucher mit begreifbaren Beispielen und unterstützt durch Broschüren empfängt, leitet von Station zu Station. Besonders das Gefrierschrankmodell mit Simulation der Fenstereffizienz im Winter zog das Interesse auf sich. Die Möglichkeit, durch Befühlen der drei verschiedenen Scheibenstärken die unterschiedliche Wärmeabgabe zu "begreifen", wurde ausgiebig erprobt.

Beleuchtungssysteme mit verschiedenen Technologien und Anwendungsmöglichkeiten, Hauswand- und Fenstermodelle und Heizungsumwälzpumpen der neuen Generation gehören unter anderem zur Schau. Neubauten dürften keine Energie mehr verbrauchen, sondern sie erzeugen, führte Bäumler aus. Seine Hausaufgaben habe er an seinem 30 Jahre alten Eigenheim erfüllt. "Die Leute muss man, bevor sie in Rente gehen, erreichen", vertrat er die Meinung.

Kleine Dinge seien oft entscheidend - und die tägliche Praxis. Je größer die Aufklärung, umso größer die Umstellung, so der Experte. Nebenbei gebe es außerdem noch staatliche Förderungen und Zuschüsse über die Kfw-Bank. An den Mitmachstationen stellten die Besucher fest, dass auch Schall Energie ist.
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