Es zwickt an allen Enden

Der BRK-Arbeitskreis Kleiderkammer hat seit Monaten viel zu tun. Die engagierten Damen erfuhren am Mittwoch erstmals Unterstützung durch einen jungen Mann. Es werden aber dringend noch weitere Helfer benötigt. Von links: Marianne Salomon, Wally Zwick, Ruth Zwick und Stefan Dietl. Bilder: ck (2)
Lokales
Vohenstrauß
01.10.2015
10
0

Wally Zwick muss mit ihren 76 Jahren noch kräftig zupacken. Fast sechs Jahrzehnte arbeitet sie nun ehrenamtlich für das Rote Kreuz. Die BRK-Kleiderkammer war ihre Idee. Das Engagement ihres kleinen Arbeitskreises wird derzeit auf eine harte Probe gestellt. Die Versorgung der Flüchtlinge übersteigt langsam ihre Kräfte.

Schon vor den großen Flüchtlingsströmen hatten die acht Damen, die sich um die BRK-Kleiderkammer kümmern, genug zu tun. Die Spenden müssen sortiert und übersichtlich gelagert werden. Einmal im Monat dürfen sich Bedürftige im Keller des Rotkreuzhauses mit gut erhaltenen Sachen eindecken. Seit jedoch immer mehr Asylbewerber auch in den Altlandkreis Vohenstrauß strömen, gibt es für Zwick und ihr Team, das hauptsächlich aus kleinen, alten Damen besteht, Arbeit ohne Ende.

Beim jüngsten offiziellen Kleiderkammer-Tag stürmten laut Zwick 51 Leute in die drei engen Räume. Die 76-Jährige verständigte die Polizei, um Ordnung ins Chaos zu bringen. Trotzdem hinterließen die Bedürftigen auf der Suche nach warmen Klamotten und Schuhen ein heilloses Durcheinander. Es dauerte Stunden bis die Sachen wieder an Ort und Stelle waren. Danach war der Leiterin klar: "So geht das nicht mehr weiter. Es müssen extra Termine für kleinere Gruppen gemacht werden."

Eine Stunde Zeit

Seit etwa zwei Wochen kommen nun die Asylbewerber meist mit ihren Paten vom Arbeitskreis Asyl in die Kleiderkammer. Sie haben etwa eine Stunde Zeit, sich aus den Spenden passende Sachen auszusuchen. Die Helfer vom BRK sind dazu verpflichtet, Namen und Ware aufzuschreiben. So soll verhindert werden, dass sich ein und dieselbe Person mehrmals bedient.

Die Arbeit wächst den Seniorinnen langsam aber sicher über den Kopf. Alleine die Wäschekörbe aus den Regalen zu heben, übersteigt nach einer gewissen Zeit ihre Kräfte. "Wir brauchen dringend junge Leute, die uns helfen", erklärt Zwick, deren Tochter Ruth auch regelmäßig mit zulangt. Ob vormittags oder nachmittags - die Einsatzzeiten der Helfer könne man flexibel gestalten. Der Vohenstraußer Stefan Dietl geht mit gutem Beispiel voran. Seine Frau betreut zwei albanische Familien. Am Mittwoch stand der junge Mann nun erstmals mit bei der Ausgabe im Keller. Als eine erste Gruppe jugendlicher Syrer in dem Kleiderlager auftaucht, übernimmt er gleich die Beratung. Gesprochen wird dabei "mit Händen und Füßen".

Zwick weiß, was gebraucht wird: Herbst- und Winterbekleidung vor allem für junge, schlanke Männer. Angenommen wird alles, was sauber, gut erhalten und noch tragbar ist. Schuhe mit Löchern, die nicht mehr wärmen, sollten nicht in der Kleiderkammer landen. Warme Bettwäsche, Handtücher oder auch Geschirrtücher werden auch immer gebraucht. "Wir haben keine großen Lagermöglichkeiten, deswegen sollte Sommerware bitte zu Hause aufgehoben werden und erst im Frühjahr zu uns gebracht werden", meint Zwick. Die Spenden sollten nicht in den Container geworfen, sondern direkt im BRK-Haus abgegeben werden.

Ein Herzenswunsch der alten Damen wären größere und hellere Räume für ihr Lager. Das große Hindernis: "Wir können keine Miete bezahlen." Dietl erzählt von der Kleiderkammer in Sulzbach, der ein Unternehmer sein altes Firmengelände kostenlos zur Verfügung stellte. Zwick habe bereits bei der Stadt nachgefragt. Der Bürgermeister habe auch keine Lösung parat.

Emotionen ausschalten

Die kleine Gruppe um Wally Zwick lässt sich nicht unterkriegen, auch wenn ihr Ehrenamt emotional sehr anstrengend ist: "Manchmal sind wir mit unseren Gefühlen echt im Keller", erzählt die 76-Jährige. "Fühle mit, aber leide nicht" sollte laut Marianne Salomon der Leitspruch heißen. Das sieht auch Dietl so: "Man darf sich emotional nicht zu sehr hineinsteigern, sonst hast du keine Kraft mehr für die nächsten."
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2015 (8435)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.