Feine Kost zum Leichenschmaus

Schwarz war die dominierende Farbe der vier Schauspieler und Musiker bei dem Kabarett "Zum Sterben schön". Bild: fz
Lokales
Vohenstrauß
26.10.2015
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Mit "todsicheren" Absichten setzten sich am Samstag in der Friedrichsburg vier Schauspieler auseinander. Sie begleiteten dabei die knapp 100 Besucher ins Jenseits.

"Wie bringe ich die Zeit bis zu meiner Beerdigung bloß hin?" Mit einem solchen Thema beschäftigt sich außer vier Menschen wohl niemand. Dies sind die Kabarettistinnen Karin Thaller und Monika Helmstreit, die Pianistin und Sängerin Isolde Baldauf sowie der Musiker Bernhard Helmstreit. Die Gäste hatten nicht nur wegen des schwarzen Humors Gänsehaut, sondern auch wegen der Kälte in den altehrwürdigen Mauern.

Zwei Stunden mit dem Tod

Kabarett wird explizit als lustig verstanden. Wer zwei Stunden mit dem Tod konfrontiert sein lustig findet, der war genau am richtigen Ort. Die Betrachtungsweise schmälert aber dabei nicht die Leistung der Protagonisten. Denn im Schema ihrer Vorgabe "Zum Sterben schön" boten die Vier eine exzellente Vorstellung.

Diese beginnt mit dem Gefühlsleben einer Fernseh-Leiche, die so gerne einmal den Mörder spielen würde. Da geht man dann reihum auf Beerdigungen, klinkt sich in den Leichenschmaus mit der großen Tupperdose und ist für zu Hause versorgt. Eigenartigerweise sterben nur Männer.

Da ist einmal der Willibald für den die Dosis Viagra mit 80 Jahren zu üppig war und er wie früher auch "zu früh dran war". Dann schwärmt Helmstreits Mann schmatzend von den leckeren Pilzen. Ihr Kommentar: "Er hat sie selbst gesammelt." Beklemmend dann aber auch die Kunsthand für eine persönliche Sterbebegleitung oder auch das Altersheim-Moritat "Yesterday tat mein Kreuz noch so weh". Wie auch der Song "Mit den Händen am Joystick muss Feigheit wohl grenzenlos sein", der die Tötung per Drohnen anprangert, wobei der Tod vieler Unbeteiligter und Kinder als Kollateralschaden abgetan wird. Dazwischen wird mit den buckligen Verwandten abgerechnet, die wie Geier warten und der letzte Wille dann absurdum geführt wird ."Warum soll ich gehn? Ich bin tot und ihr habt es schön." Irgendwie endet es wie im Märchen mit dem todsicheren Tipp von Thaller, wie man aus dem Gesterbe rauskommt. "Nackt an der Himmelstür, der Petrus sagt mir, graust vor dir. Mit dreckige Füß' kommst mir net durch die Tür. Hast dreckige Füß' - dann musst net gehen."

Besuchern gefällt es

Die Besucher werden als Engelschar rekrutiert, den Song zu untermalen. Nimmt man den Schlussapplaus und die Zugabeforderungen als Pegel, hatte es den Gästen gefallen.
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