Fremde werden Freunde

Internationale Freundschaften wurden im Hause Koller schon immer gepflegt. Markus Koller, Dr. Imad Sheik al Ard, Inge Koller, Christine Koller (Ehefrau von Markus Koller), Ivana Koller (Ehefrau von Thomas Koller) und Rikae Goto (hinten, von links) trafen sich mit Luei Sheik al Ard, Arishe Sheik al Ard und Joshi Maruike (vorne, von links). Bild: dob
Lokales
Vohenstrauß
30.12.2014
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Es klingt fast wie ein Weihnachtsmärchen und ist doch wahr: 30 Jahre lang haben sich Inge Koller und der Chirurg Dr. Imad Sheik al Ard nicht mehr gesehen. Jetzt schlossen sich beide in die Arme.

Sie feierten mit den Familien und Freunden an Heiligabend und am ersten Weihnachtsfeiertag ein multikulturelles Oberpfälzer Weihnachtsfest mit Tannenbaum, Krippe und Gansbraten. Bereits vor 40 Jahren war der Syrer während seines Studiums und der Ausbildung Gast im Hause Koller.

Zu Fritz Kollers Lebzeiten wurden stets internationale Freundschaften gepflegt, seine drei Söhne wuchsen mit viel Verständnis und Achtung gegenüber anderer Nationen auf. Aus Fremden wurden stets Freunde. Koller ist zwar früh verstorben, aber bis heute hält das auch dessen Ehefrau Inge so und hat für ihre Freunde stets ein offenes Haus. Zehn Jahre war der syrische Mediziner damals in Deutschland, erinnerte sich die Gastgeberin. Er arbeitete im Klinikum Weiden und als Assistenzarzt in Vohenstrauß, dann kehrte er zu seinen Eltern nach Syrien zurück. 30 Jahre zogen mittlerweile ins Land.

Besuch aus Japan

Zur Familie Koller zählen auch Rikae Goto und ihr Freund Joshi Maruike aus Japan, die den Vohenstraußern von vielen Jugendaustauschen bestens bekannt sind und immer wieder gerne kommen. "Sie gehört genauso zu unserer Familie wie meine Schwiegertochter Ivana", erzählt Inge Koller begeistert. Ivana Koller stammt aus Tschechien und vergrößert den familiären Kulturkreis. Alle saßen nun wieder an einem Tisch. Mit einem Besuchervisum glückte vor wenigen Tagen Dr. Imad Sheik al Ard die Ausreise aus seinem Heimatland, allerdings ohne Ehefrau. Die musste er vorerst zurücklassen, will sie aber so bald wie möglich nachholen. Sein Sohn Luei Sheik al Ard und dessen Ehefrau Arishe sowie die achtmonatigen Enkeltochter leben seit längerem in Frankreich, wohin sie nach Ausbruch des Kriegs flüchteten.

Erstmals sieht der Großvater an diesem Weihnachtsfest seine Enkeltochter. "Sie haben die weite Anreise nicht gescheut und die Weihnachtsfeiertage in unserem Haus verbracht", freute sich Inge Koller über das Wiedersehen nach so langer Zeit.

Aus ihren Söhnen Markus, Thomas und Bernd sind Männer mit eigenen Familien geworden. "Letzterer wurde sogar vom befreundeten Chirurgen am Blinddarm operiert", erzählt Inge Koller. "Wir haben den Heiligen Abend und die Feiertage in unserer Tradition gefeiert, und alle waren beglückt und zufrieden", versicherte sie. "Wenn man bereit ist, andere Kulturen und Religionen zu akzeptieren, ist es auch nicht schwer." Obwohl die Syrer traumatisiert sind von der furchtbaren Gewalt in ihrem Heimatland, bot Dr. Imad Sheik al Ard sofort seine Hilfe an, als er von den Flüchtlingen in Vohenstrauß hörte.

"Ein großes Geschenk"

Inge Koller fühlt sich durch die Freundschaft mit diesen Menschen großartig und ist sehr dankbar. "Es ist ein Geschenk, auf solche Menschen und guten Begleiter zu treffen." Begeistert ist sie auch von den vielen bereitwilligen Helfern, die sich für die Flüchtlinge in der Stadt einbringen, und von den vielen pensionierten Lehrern, die den Fremden die deutsche Sprache beibringen, damit ihnen das fremde Land leichter zur neuen Heimat werden kann.
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