Gemeinsam gegen den Krebs

Lotte Hofmann ist stolz auf ihre Krebsselbsthilfegruppe: "Die werde ich nie aufgeben." Bild: ck
Lokales
Vohenstrauß
10.06.2015
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Die Diagnose Krebs riss ihr mit 42 Jahren den Boden unter den Füßen weg. Mutig nahm sie die Krankheit an und kämpfte. Heute ist die lebenslustige Vohenstraußerin 78 Jahre alt. Lotte Hofmann ist Vorkämpferin und Seele der Krebsselbsthilfegruppe. Vielen gibt sie Halt und den Rat, sich dem Schicksal nicht zu ergeben.

Ihre Erfahrungen und vor allem ihr grenzenloser Optimismus machen sie zu einer wertvollen Kameradin für viele Krebspatienten der Region. Im März 1995 gründete Hofmann die Selbsthilfegruppe. Wally Zwick vom Roten Kreuz gab den Anstoß dazu. Beim ersten Treffen waren es etwa acht Personen, die sich über ihre Krankheit austauschen wollten. Sie versuchten, abseits der eigenen Familie etwas Trost und Unterstützung zu finden. Im Laufe der Jahre wuchs die Gemeinschaft enorm. Heute zählt die Gruppe über 100 Leute. "Nicht alle kommen in die Gruppe. Der harte Kern sind 40 Frauen - und ein Mann. Das ist unser Goldstück." Männer, so weiß die 78-Jährige, tun sich viel schwerer damit, mit der Krankheit an die Öffentlichkeit zu gehen. "Und das ist ein großer Fehler", erklärt Hofmann.

Man brauche Abwechslung, ein Gespräch mit Gleichgesinnten und auch mal einen Tritt in den Hintern, den die Angehörigen aus Mitleid oft verweigern würden. In der Gruppe werde durchaus Klartext gesprochen. Lamentieren allein führe zu nichts. Natürlich gebe es Betroffene, die mit ihr lieber alleine in den eigenen vier Wänden sprechen. In ihrem Element ist die Seniorin, wenn es darum geht Ausflüge, Reisen oder der Besichtigungen von Kliniken zu organisieren. "Ich war schon mit 20 Leuten eine Woche lang in der Türkei. Was glaubst du, welchen Spaß wir da hatten." Dabei rücke die Krankheit in den Hintergrund. Für Hofmann ist das die halbe Miete, denn sie hat bei ihren Schützlingen vor allem die Psyche im Blick. Sie sei der entscheidende Faktor beim Selbstheilungsprozess des Körpers.

"Ich bin kein Doktor"

Geht es um einen Rat, was die Art und Weise der Therapie betrifft, hält sich die ältere Dame sehr zurück: "Ich bin kein Doktor." Ihr Fachwissen, das sie sich neben ihrem ehrenamtlichen Engagement auch durch den Besuch von Kongressen und Symposien angeeignet hat, ist enorm. Sie macht keinen Hehl daraus, dass sie Anhängerin der Schulmedizin ist: "Die Ärzte wissen sehr gut, was zu tun ist." Deswegen lädt die engagierte Seniorin gerne Experten in ihre Runde ein, die über die neuesten Forschungsergebnisse oder Therapien aufklären.

Vor dem 20-jährigen Bestehen, das die Selbsthilfegruppe am Freitagabend feiert, hat die Leiterin Bilanz gezogen. Zu ihrer großen Freude gibt es noch einige Gründungsmitglieder, die das Fest in der Stadthalle mitfeiern können. Allerdings ist die Liste der Mitglieder, die sie in den 20 Jahren verloren hat, leider lang. "Manchmal tut mir das Herz weh", sagt die Seniorin und erzählt von Kranken, die sie bis zum Tod begleitete. Vor einigen Jahren nahm Hofmann eine schwerkranke Frau mit nach Lourdes. Wenige Tage nach der Rückkehr verstarb sie, dankbar dafür, dass sie diese letzte Reise noch unternehmen durfte.

Blickt sie auf die vergangenen 35 Jahre zurück, ist die Vohenstraußerin einerseits sehr hoffnungsvoll, weil die Krebsforschung riesige Fortschritte gemacht habe. "Heute ist die Diagnose Krebs längst nicht mehr dein Todesurteil. Die Medizin ist so weit. Selbst wenn sie dich nicht heilen können, so können sie dir noch gute Jahre schenken."

Stress macht anfällig

Andererseits bedrückt die Seniorin die Tatsache, dass immer häufiger junge Leute betroffen sind. Sie ist überzeugt davon, dass Stress die Hauptursache dafür ist. Viele könnten nicht mehr abschalten und entspannen. Zur gesunden Lebensweise zähle sie nicht nur den Verzicht auf das Rauchen. Nicht gern sieht Hofmann zum Beispiel, wenn Mädchen und Frauen zu wenig essen: "Die dumme Fasterei war damals auch bei mir das Problem. Da hast du dann einfach zu wenig Abwehrkräfte, wenn es darauf ankommt." Jungen wie alten Menschen legt sie Vorsorgeuntersuchungen ans Herz. Niemand könne davon ausgehen, dass er verschont bleibe: "Mit der Vorsorge kannst du dein Leben retten."
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