Grenzen - und ihre Folgen

Die von Kreisheimatpfleger und HAK-Vorsitzendem Peter Staniczek (rechts) verteilten Exemplare der neuen Streifzüge stießen sofort auf größtes Interesse. Ab sofort sind die neuen Hefte für sechs Euro im Buchhandel erhältlich. Bilder: dob (2)
Lokales
Vohenstrauß
05.12.2014
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Der 36. Streifzug-Band des Heimatkundlichen Arbeitskreises befasst sich mit Grenzüberschreitungen auf der Landkarte und im moralischen Sinne. So folgten der Hinrichtung von Jan Hus die für die Oberpfalz leidvollen Hussitenkriege. Auch ein Vohenstraußer wurde als Ketzer verbrannt.

Topografische, staatliche oder kommunale Grenzen mit ihren Markierungen sind Symbole der Macht und Souveränität von Ländern. Sie tragen auf vielfältige Weise zum respektvollen Umgang der Menschen innerhalb und außerhalb der Grenzen bei. Im 36. Streifzug-Band, den der Heimatkundlichen Arbeitskreis (HAK) jetzt vorstellte, befassen sich zahlreiche Autoren mit Grenzerfahrungen unter dem Titel "Macht der Grenzen - Grenzen der Macht".

Mehr als abstrakte Linien

"Wir begegnen den abstrakten Linien auf den Landkarten im Gelände oft, ohne sie genauer wahrzunehmen. Grenzen sind aber durchaus etwas Schönes und Bewahrenswertes", erklärte Kreisheimatpfleger Peter Staniczek im Heimatmuseum. "Sie gehören zur Identitätsstiftung und sind Tradition." Die 142-seitige Hochglanzbroschüre kommt dieses Mal in einer recht bunten Aufmachung daher. Sie zeigt Kurfürst Ludwig III. als Reichsvikar, der während des Konstanzer Konzils (1414 bis 1418) Stellvertreter des Kaisers war und unter anderem auch das Urteil gegen Jan Hus wegen Ketzerei erließ. Gerlind Ibel befasst sich im neuen Werk ausführlich mit Hus. 1414 zog Hus von Böhmen über die Oberpfalz nach Konstanz zum Konzil. Der Vohenstraußer Ulrich Grünsleder, ein "deutscher Hussit", wurde 1421 in Regensburg ebenfalls als Ketzer verbrannt. "Wenn Menschen Grenzen durchbrechen und durch die bestehende Macht moralische Grenzen überschritten werden, entstehen Gegenreaktionen." Folge waren in diesem Fall die für die Oberpfalz leidvollen Hussitenkriege. Parallelen finden sich in der Geschichte bis heute, informierte der Vorsitzende. Den Grenzvertrag des Pflegamts Vohenstrauß 1544 hat Heiner Aichinger unter die Lupe genommen und lesefertig zubereitet. Den Flurdenkmalen in der Region widmete sich Rudolf Großmann. "Z'fouß in Gaibodn und in d'Holledau", erzählt Josef Zintl aus Leuchtenberg Erlebnisse einiger Lückenriether. Erhard Wildenauer aus Eslarn setzt sich mit dem "Sterben und Tod in der guten alten Zeit auseinander". Karl Ochantel hat wieder Wissenswertes über "Vohenstraußer in Galizien 1915" zusammengetragen. "Die Post im Raum Vohenstrauß 1849 bis 2009" mit Stempel, Briefen und Belegen ordnete Bruno Kunze in den neuen Streifzug-Band ein.

Böhmische Protestanten

Was westböhmische Protestanten und die evangelische Gemeinde Vohenstrauß gemeinsam haben, schrieb Dr. Volker Wappmann für die Nachwelt auf. Was der "Drachslpeternhannas" aus Kaimling ist, kann ebenfalls nachgelesen werden. "Vom Werden unserer Kulturlandschaft - und wie wir damit umgehen" schreibt Staniczek, der auch von den Waldauer Wappensteinen um Braunetsrieth einiges zu berichten hat.

Das Redaktionsteam mit Staniczek, Aichinger, Reiner Claußen, Großmann und Ochantel befasste sich mit einem großen Spektrum der Heimatkunde. Vor allem Computerspezialist Claußen erhielt viel Lob für seine unverzichtbaren Erkenntnisse. Die große Gästeschar brachte der Arbeit des Heimatkundlichen Arbeitskreises große Wertschätzung entgegen. Staniczek dankte vor allem der Stadt und der Sparkasse für die großzügige finanzielle Unterstützung. Ihnen sei es zu verdanken, dass die Streifzüge noch mit einem moderaten Preis von sechs Euro angeboten werden können. Der Band 36/2014 ist in der Buchhandlung Rupprecht und im Heimatmuseum erhältlich.
Weitere Beiträge zu den Themen: Sparkasse (9730)12-2014 (6638)
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