Keine neuen Feindbilder schaffen

Lokales
Vohenstrauß
22.04.2015
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Die Hegeschau gilt gewissermaßen als Rechenschaftsbericht der Jäger gegenüber der Öffentlichkeit. Beim Treffen in der Friedrichsburg fand Kreisgruppen-Vorsitzender Christian Ertl einige kritische Worte zum Vegetationsgutachten.

Die Waidmänner legen bei derartigen Veranstaltungen offen, dass sie ihrem Auftrag nachkommen. Die Grenzlandjagdhornbläser unter Leitung von Hornmeister Eduard Forster sendeten musikalische Signale an die Besucher. Und die Bevölkerung konnte sich über die Quantität und Qualität der Arbeit der Kreisgruppe Vohenstrauß im bayerischen Jagdverband (BJV) mit den Hegegemeinschaften aus Vohenstrauß, Eslarn, Waidhaus, Tännesberg und Leuchtenberg und deren Partnern aus Fischerei- und Imkerwesen überzeugen.

Ertl zeigte in seiner Auftaktrede, wo die Jäger der Schuh drückt. Der Vorsitzende stellte die Aussagekraft des Vegetationsgutachtens in Frage, das einerseits für die Mitarbeiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Mehrarbeit und für ihn eine unnötige Verschwendung von Steuergeldern bedeute. Dem in der Präambel festgesetzten "Wald vor Wild" erteilte der Sprecher eine klare Absage, denn das sei ökologischer Unsinn. Sowohl diese Forderung als auch das Vegetationsgutachten müssten gelöscht werden.

Beim Rehwild schieden sich seit vielen Jahren die Geister. Bereits beim Ausruf des Waldsterbens Anfang der 80er Jahre wollten einige Rehwild als Hauptschuldigen erkannt haben. Danach kam der Klimawandel und mit ihm der Waldumbau. Grundvoraussetzung: "Herabsenken der Rehwildbestände und Einführung des Vegetationsgutachtens." Der Redner formulierte provokant: "Mit den fraglichen Zahlen über verbissene Ästchen und Zweiglein kann man heute niemand mehr bewegen." Nachdem man immer größere und schnellere Straßen fordere, dürfe man sich auch nicht über Wildunfälle wundern.

Infrage stellte Ertl das Projekt "Brennpunkt Schwarzwild", zu dem der Bayerische Bauernverband den Anstoß gab. Kosten von 370 000 Euro und eine Dauer von vier Jahren brächten lediglich Forderungen nach Nachtzielgeräten und den Ruf nach einer schnellen Eingreiftruppe hervor, die es in der Kreisgruppe bereits seit 2000 gebe. Die darin geforderten Mais- und Erntejagden würden im Kreisgruppengebiet längst in Absprache mit den Landwirten durchgeführt.

Ertl warnte, keine neuen Feindbilder zwischen Jäger und Landwirt zu schaffen. "Hätte ich Feindbilder, würde ich morgen mit der Jagd aufhören." Er ärgerte sich, "wenn irgendwelche Schlauberger und Verbandsbosse erfahrenen Jägern erklären wollen, wie eine Schwarzwildjagd auszusehen hat". Die bayerischen Jäger erlegten im vergangenen Jahr 70 000 Stück Schwarzwild. "All den Besserwissern kann ich nur raten, sich morgen zur Jägerprüfung anzumelden, ein Revier zu pachten und mit dem Nachtzielgerät Tag und Nacht auf der Kanzel zu sitzen."

Gute Vermittlungsarbeit

Im BJV-Kreisgruppenbereich werde ein guter und vertrauensvoller Umgang zwischen Jägern und Landwirten gepflegt. Sonderapplaus gab es für die Jagdvorsteher, die zwischen den Stühlen als Bindeglied sitzen und hervorragende Vermittlungsarbeit leisten. Das gute Miteinander beziehe sich auch auf Behörden, bei denen die Jäger auf Verständnis mit ihren Anliegen stoßen. In der Region werde eine beispielgebende Zusammenarbeit gepflegt. Selbst mit den bestimmt nicht immer die gleiche Meinung vertretenden Forstbetrieben sei man auf einem guten Weg, unterstrich Ertl.
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