Kunst des Brückenschlagens

Josef Felber senior (links) begleitete die Partnerschaft von Beginn an und half als Dolmetscher, sprachliche Barrieren zu überwinden. Mit einer Heiligenfigur würdigte Dekan Alexander Hösl seine Verdienste.
Lokales
Vohenstrauß
25.11.2014
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Kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs im Herbst 1989 knüpfte die katholische Pfarrgemeinde einen grenzüberschreitenden Teppich ins Nachbarland. Die Partnerschaft zwischen Stríbro (Mies) und Vohenstrauß ist auch nach 25 Jahren vorbildlich.

Bei einem Pontifikalgottesdienst in der Dekanalkirche in Stríbro begegneten sich am Samstag Pfarrangehörige von hüben und drüben und blickten mit dem Regensburger Bischof Dr. Rudolf Voderholzer voller Dankbarkeit auf den Beginn dieser Partnerschaft zurück. Initiator war der damalige Stadtpfarrer von Vohenstrauß, Franz Winklmann, der als Ruheständler zur Feier gekommen war. "Brücken schütten Gräben nicht zu, ebnen Unterschiede nicht ein, schaffen Hindernisse nicht weg, erkennen Trennendes an und ermöglichen dennoch Begegnung", brachte es Stadtpfarrer Jirí Hájek auf den Punkt.

Von der Mariensäule aus setzte sich eine Prozession mit zahlreichen Gästen, darunter die Bürgermeister beider Städte, Karel Lukes und Andreas Wutzlhofer, sowie die Altbürgermeister Rudolf Svoboda und Dr. Bohuslav Cervený, mit Wallfahrern und Fahnenabordnungen der Frauenbünde und der Marianischen Männercongregation (MMC) aus Vohenstrauß, Altenstadt und Waldau in Bewegung. Pfarrer Hájek erinnerte an den verstorbenen Bürgermeister Petr Bursík. Für ihm war Ehefrau Marie Bursiková mit dabei. Dekan Alexander Hösl, Pfarrer Winklmann und der gebürtige Altenstädter Pater Simeon Rupprecht zelebrierten den Gottesdienst mit dem Bischof.

Altar mit Gnadenbild

Vor dem Altar versinnbildlichte eine Brücke, auf dem das Gnadenbild zur "Schmerzhaften Muttergottes" Platz fand, die Verbindungen zwischen den Pfarrgemeinden und lenkte den Blick ebenso auf die benachbarten Diözesen Pilsen und Prag. Sie stand aber auch für die Helfer, die die Partnerschaft seit 25 Jahren unterstützen. "Wer eine Brücke schlagen will, muss selber einen festen Stand und mit Jesus Christus einen zuverlässigen Boden unter den Füßen haben", sagte Hájek.

Früchte der Freiheit

Für den Regensburger Oberhirten war die Feier "ein nach Hause kommen", denn die Familie seiner Mutter stammt aus Kladrau, das zum Kreis Mies gehört. Der Bischof erinnerte an den Fall des Eisernen Vorhangs ohne Gewalt und Blutvergießen. Die Partnerschaft zwischen Vohenstrauß und Stríbro bezeichnete er als "erste Früchte der neuen Freiheit". Dank sprach er all jenen Menschen aus, die unerschrocken und mutig auf die Straße gegangen sind. Viele der Helden der "samtenen Revolution" waren ausdrücklich von ihrem christlichen Glauben inspiriert. Papst Johannes Paul II. verdanke Europa zu einem großen Teil die politische Wende, sagte Voderholzler, der auchwarnte. "Europa ist manchmal in Gefahr, seine Wurzeln zu vergessen oder gar zu verleugnen. Europa ist in gewisser Hinsicht lebensmüde und kinderfeindlich geworden", sagte der Bischof. "Helfen wir mit, dass die in manchen Herzen noch verbliebenen Mauerreste abgebaut werden", appellierte der Bischof.

Die Pilgerwege die heute wiederentdeckt werden - dazu gehöre auch der Weg von Vohenstrauß nach Mies - "sind die Pulsadern, die Lebensadern des christlichen Europa, die schon über Jahrhunderte hinweg die Menschen zueinander geführt haben".

Ein künstlerischer Hochgenuss war die Messe "Elegans" des böhmischen Komponisten Jan Antonín Koželuhs, aufgeführt vom Chor aus Prag mit dem Dirigenten der Staatsoper, Adolf Melichar, und Organisator Dr. Stehlik. Hájek überreichte dem Bischof zum Schluss eine Stola, auf dem die Heiligen Cyril und Metod, die ersten slawischen Apostel, aufgestickt waren. Im "Kastanienhof" in Brünst versammelten sich anschließend die Wallfahrer mit dem Regensburger Bischof zum Festmahl.
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