"Kunst lehrt uns das Sehen"

Die Schau zeigt Skulpturen der Künstlerin Irma Baumann (Mitte), Aquarelle von Christine Gmeiner (links) und Aufnahmen der Fotoclubmitglieder mit Laudator Hans Gmeiner (rechts). Bilder: dob (2)
Lokales
Vohenstrauß
06.06.2015
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Es ist die facettenreiche Vielfalt, die den Reiz des Kunstsommers 2015 in der Friedrichsburg ausmacht. Der Vohenstraußer Fotoclub präsentiert seine Werke neben den Aquarellen von Christine Gmeiner und Skulpturen von Irma Baumann aus Vohenstrauß.

Voller Freude hieß Bürgermeister Andreas Wutzlhofer bei der Vernissage den früheren Stadtpfarrer und Bürgermedaillenträger Franz Winklmann und den evangelischen Stadtpfarrer Peter Peischl unter den vielen Gästen willkommen. Die Anpassung der Öffnungszeiten an die Spielzeiten des Landestheaters Oberpfalz (LTO) zu koppeln, nannte Wutzlhofer eine ausgezeichnete Idee.

Blick schärfen

"Kunst lehrt uns das Sehen", versicherte das Stadtoberhaupt. Die Sinne arbeiten in der Regel selektiv, oberflächlich. Umwelteindrücke würden gewohnheitsmäßig aufgefasst und nicht ständig bewusst und konzentriert. "Daher schärfen Bilder unseren Blick für das Geflecht von kleinen Dingen, Situationen und Stimmungen, die wir üblicherweise nur sporadisch wahrnehmen." Eine Veränderung der Wahrnehmung fordere den Betrachter zu neuen Denkmustern und Verhaltensweisen heraus.

Fast könnte er neidisch werden, da die Gestaltungsfreiheit in der Politik viel beschränkter als in der Kunst sei, schlussfolgerte der Redner. Dennoch erkenne er eine Parallele: "Künstler wie Kommunalpolitiker stellen sich und das, was sie zu sagen haben, der öffentlichen Diskussion und lassen das Publikum entscheiden." An den Menschen die künstlerische Begabungen besitzen, begeistere ihn immer wieder neu: "Es ist die Fähigkeit, das mühelos weiterzugeben und in Form oder Bild zu bringen, was bereits im Kopf ist und das Ringen darum, etwas Vollendetes zu schaffen".

Verantwortung annehmen

Fotoclub-Sprecher Hans Gmeiner versicherte, dass der "Kunstsommer 2015 Schloss Friedrichsburg" eine große Herausforderung und anspruchsvolle Aufgabe im Renaissancegebäude darstelle, die es zu meistern gelte. Der Verein habe bewusst diese Verantwortung mit den beiden Künstlerinnen angenommen.

Gmeiner stellte anschließend seine Kollegen vor. Josef Kasseckert aus Vohenstrauß und Anton Vater aus Pleystein waren über viele Jahrzehnte seine Lehrmeister. Mit dem Ehepaar Josef und Herta Schell aus Letzau sind zwei begeisterte und erfolgreiche Fotografen vertreten. Christian Höllerer, langjähriger Fotoclubvorsitzender, ist vielen Besuchern als Theaterschauspieler bekannt. Josef Seiler, einstmals in grüner Polizeiuniform unterwegs, sei ebenfalls häufig mit der Kamera unterwegs. Bernhard Keck aus Altenstadt konnten die Vereinsmitglieder bei einer Ausstellung für dieses schöne Hobby gewinnen.

Nur Fotos zu zeigen war Gmeiner jedoch zu einseitig. Deshalb überredete er seine Ehefrau Christine, einige Aquarelle zu präsentieren. In ihren Werken könne man die Spuren von Jos K. Biersack aus vielen gemeinsamen Malreisen erkennen. Zudem hat Christine Gmeiner Kurse bei Professor Heribert Mader aus Wien, Christian Eckler aus München und der Malergruppe Christa Schmid, ebenfalls aus München, belegt. Baumann, seit zwölf Jahren als freischaffende Künstlerin in Vohenstrauß ansässig, sagte ihre Mitwirkung sofort zu, dankte Gmeiner. Seit ihrer Kindheit interessiere sie sich für Kunst- und Kunsthandwerk. Während mehrjähriger Aufenthalte unter anderem in China und Marokko beschäftigte sie sich mit chinesischer Malerei und maurischer Kunst. Mit einer Ausbildung zur Skulpteurin und Mosaizistin in Frankreich sowie Italien machte sie ihr Hobby zum Beruf.

Aus dem Blickwinkel des stillen Bilds sei Fotografie spannend, bemerkte LTO-Geschäftsführer Frank Kasch. Wenn er die ausgestellten Bilder betrachte, tauche bei ihm die Frage auf: Wie hat sich der Fotograf in diesem Moment der Aufnahme gefühlt? Deshalb denke er immer: "Es ist schön, dass du mir deine Welt zeigst." Sich bei einer Ausstellung messen zu lassen und der Kritik zu stellen, bezeichnete er als Mutprobe.

Bis 31. Juli

Die Besucher würden die Werke beurteilen. Dafür zollte Kasch den Künstlern seinen tiefen Respekt. "Darstellende Kunst, Fotografie und Theater gehen bei dieser Vernissage eine wunderbare Symbiose ein." Er wünschte sich, dass das Schloss Friedrichsburg in naher Zukunft Kulturzentrum wird. Allseits viel Lob erntete Tourismusleiter Rudolf Gruber, der die Schau mit auf den Weg brachte. Bis Freitag, 31. Juli, wird der Kunstsommer 2015 der Öffentlichkeit präsentiert. Am Samstag, 6. Juni, ist die Ausstellung von 19 bis 22 Uhr geöffnet.
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