Martha macht einen Schnitt

Karl und Maria Hoch bauten den Salon in der Wittschauer Straße zu einem florierenden Geschäft aus. Das Ehepaar hatte bereits einen Gesellen eingestellt. Bild: privat
Lokales
Vohenstrauß
20.12.2014
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Über 100 Jahre lang ließen sich die Vohenstraußer im Salon Hoch frisieren. Der Bader Johann Hoch gründete das Geschäft 1912. Es sollte gute und schlechte Zeiten, unter anderem zwei Weltkriege, überdauern. Martha Simacek, die Enkelin des Firmengründers, macht nun Schluss - schweren Herzens.

Wenn Martha Simacek ihren Salon am 31. Dezember zusperrt, wird das für immer sein. Ein halbes Jahrhundert, fast ihr ganzes Leben lang, war sie mit diesem Geschäft verbunden. Schon als Kind lief sie nach der Schule zu ihren Eltern in den Laden und half mit. Der berufliche Werdegang des kleinen Mädchens war also von jeher vorprogrammiert. Und das war gut so, meint die 65-jährige Friseurin im Rückblick. Sie hätte sich nie einen anderen Beruf vorstellen können.

Als ihr Großvater Johann Hoch 1912 in der Friedrichstraße 13 einen Herrensalon eröffnete, konnte er nicht ahnen, dass sich das Geschäft über ein Jahrhundert in der Stadt halten würde. Der junge Bader war auch als Desinfekteur im Einsatz. Er wurde in die Häuser gerufen, wenn nach einem Todesfall die Räumlichkeiten mit Rauch desinfiziert werden mussten.

Auch im Krieg adrett

Zielstrebig steuerte Johann Hoch seine kleine Firma durch stürmische Zeiten. 1935 zog er mit dem Geschäft in die Wittschauer Straße um. Die Kunden hielten ihm immer die Treue. Auch während der beiden Weltkriege mussten die Scheitel perfekt sitzen. Hoch spürte, dass vor allem die Frauen in der schlimmen Zeit nicht auf ein adrettes Äußeres verzichten wollten. Deswegen erweiterte er sein Geschäft mit einem Damensalon.

1947 übernahm Sohn Karl den Betrieb. Zusammen mit seiner Frau Maria baute er den Salon zu einem renommierten Friseurgeschäft aus. 1961 begann Sohn Gerhard seine Lehre. Er absolvierte 1969 die Meisterprüfung. Als der Stammhalter 1976 mit 29 überraschend starb, war dies ein schwerer Verlust für die Familie. Jetzt ruhten alle Hoffnungen auf der Tochter. Martha hatte 1964 ihre Lehre 1964 im elterlichen Betrieb aufgenommen. Nach ihrer Mutter übernahm sie 1994 als Chefin die Verantwortung.

Wenn Martha Simacek über ihren Beruf spricht, spürt man das Herzblut: "In dem Beruf muss man Freude haben, den kann man nicht als Job machen." Gerne erinnert sie sich an die Zeit, in der die Vohenstraußerinnen vor großen Bällen zu ihr in den Salon strömten, um sich eine Steckfrisur kreieren zu lassen. In den 80er- und 90er-Jahren saßen oftmals täglich bis zu 18 Damen mit straff gedrehten Wicklern im Laden. Eine Dauerwelle musste her - auch wenn sich das Haar natürlicherweise bereits lockte. Eine Prozedur, die sich fast niemand mehr zumuten will. Die Haarmode hat sich komplett gewandelt. Simacek: "Heute muss der Schnitt praktisch sein. Das Hauptgeschäft sind Strähnen und Farbe."

Das liebste Werkzeug der Friseurin ist die Schere: "Beim Schnitt kann man zeigen, dass man Formgefühl hat." Als Lehrling habe sie direkt am Kunden gelernt, nicht wie heute an einem Übungskopf. Die Techniken und Produkte entwickelten sich rasant: "Als ich angefangen habe, kam gerade das Haarspray auf."

Kaum Freizeit

Die Salon-Chefin gönnte sich kaum eine Auszeit. Selbst nachdem sie ihre Tochter bekommen hatte, stand sie Tag für Tag im Geschäft. Sie schnitt, bürstete und toupierte immer mit großem Eifer. Die Kundschaft dankte es ihr mit Treue. "Viele unserer Kunden kommen seit 30, 40 Jahren zu uns. Ich habe mit ihnen fast mehr Zeit verbracht, als mit meiner Familie. Das verbindet natürlich." Umso schwerer fiel der 65-Jährigen die Entscheidung, den traditionsreichen Laden nun zu schließen. Aber: "50 Jahre sind genug." Sie dankt ihrem Team Michaela Görtler, Claudia Meckl und Gertraud Balk, auf das sie sich immer verlassen konnte. Künftig will Martha Simacek mehr Zeit mit der Familie verbringen und etwas Sport treiben. Körperliche Belastung ist sie ja nach einem halben Jahrhundert auf den Beinen gewohnt.
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