Millimeterarbeit im Schulbus

Die Wittschauer Straße ist für Schulbusfahrer ein regelrechtes Nadelöhr - noch dazu, wenn parkende Autos im Weg stehen. Nur wenige Zentimeter bleiben zwischen Hausmauer und dem langen Gefährt, wenn es vom Marktplatz kommend in die Straße einbiegt. Bild: dob
Lokales
Vohenstrauß
12.12.2014
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Ein Sicherheitsseminar mit heftiger Kritik trug überraschend schnell Früchte: Die Stadt erließ nur Stunden später für einen Teil der Wittschauer Straße ein absolutes Halteverbot, um Schulbussen ungehinderte Zufahrt zu ermöglichen.

Der Schulbus kommt in den Statistiken sehr gut weg. Wenn doch mal etwas passiert, ist das Entsetzen jedoch um so größer. Ein falsches Bild entsteht. Katja Seßlen ist in der Abteilung Prävention-Bildungswesen der Kommunalen Unfallversicherung Bayern (KUVB) in München tätig und sagt: "Wir dürfen nicht nachlassen im Bemühen um die Sicherheit der uns anvertrauten Kinder." Die Gebietsverkehrswacht mit Vorsitzendem Hans Messer hatte Vertreter der Polizei, der Busunternehmen, der Gemeinde und Lehrer zu einem Schulbus-Seminar in den Gasthof "Drei Lilien" eingeladen.

Die meisten Unfälle auf dem Schulweg passierten bundesweit mit dem Fahrrad (47 Prozent). Entweder weil Kinder das Zweirad nicht sicher beherrschten, oder weil sie keinen Helm tragen. Lediglich 5 Prozent ereignen sich mit dem Schulbus. 2013 wurden 18 806 Schulwegunfälle mit 3 Todesfällen gemeldet, das Jahr zuvor 18 865 mit 9 Toten. Seßlen hielt den sogenannten toten Winkel für besonders tückisch und regte an, mit Erstklässlern Einsteigetrainings zu absolvieren. Bewährt hätten sich auch Patenschaften, bei denen sich ältere Schüler um die Abc-Schützen kümmerten. Drängeln, schubsen, zerren und dazu heftige Lautstärken - das Problem sind oft die Schulkinder selbst. Für Fahrer sei es nicht immer leicht, die Nerven zu behalten.

Kritisch sahen die Teilnehmer auch das "Elterntaxi". Verkehrserzieher Bernhard Dobmayer teilte mit, dass es im Dienststellenbereich der Polizei Vohenstrauß seit Jahren keine Schulbusunfälle gegeben habe. Die sei ein großes Verdienst der Busfahrer in der Region. Überdies kümmerten sich in seinem Zuständigkeitsbereich rund 50 Verkehrshelfer um die Sicherheit der Kinder. Schüler stellten sich als Buslotsen zur Verfügung. Lob spendete der Polizist den Busfahrern für ihr Verhalten im verkehrsberuhigten Bereich. Kritik übte er an manchen Eltern, die meinten, ihre Kinder gleich ins Schulgebäude fahren zu müssen.

Messer hob eine Umfrage an der Pleysteiner Zottbachtalschule hervor. 100 Prozent der teilnehmenden Schüler gaben an, dass ihnen der Busfahrer überaus freundlich begegne und das Klima stimme.

"Parkmoral Katastrophe"

Mit verstärkten Kontrollen müssen künftig Falschparker in der Wittschauer Straße rechnen. "Die Wittschauer Straße ist eine Katastrophe." Die Busfahrer beschwerten sich über die Parkmoral. "Ob Zickzacklinie oder eingeschränktes Haltverbot - Autofahrer juckt das nicht", wetterte einer. Erst am Mittwoch hätten die Busse wieder ein regelrechtes Hupkonzert veranstalten müssen, um durchzukommen. Dobmayer machte den Vertretern der Kommune einen Vorschlag: Bei der geplanten Umgestaltung des Winkler-Gartens sollten sie unbedingt an eine zentrale Bushaltestelle denken. Vohenstrauß sei künftig der Schulstandort Nummer eins im Altlandkreis. Es müsse in erster Linie ein Anliegen der Stadt sein, eine vernünftige Zufahrt für die Busse zu schaffen.

Schüler kämen oft wie Packesel daher, bemängelten die Busfahrer. Mit dem Ranzen auf dem Rücken drängten sie sich dann in den Platz. Die Lehrer sollten die Buben und Mädchen darauf hinweisen, dass sie nicht alle Bücher und Hefte mitzunehmen brauchten. Grundschulrektor Reinhold Bitterer und sein Kollege Alfons Raab von der Mittelschule versicherten, diese Ratschläge immer wieder zu erteilen.

Überaus schnell reagierte die Stadt auf die Kritik der Busfahrer. Nach einer Begehung mit Verkehrssachbearbeiter Klaus Kreiner und Polizeihauptkommissar Dobmayer erließ Bürgermeister Andreas Wutzlhofer bereits wenige Stunden nach dem Seminar eine Anordnung für ein absolutes Haltverbot im engen Teilbereich der Wittschauer Straße ab Höhe des Heimatmuseums in Richtung Stadtpfarrkirche. Zeitlich ausgeweitet wird zudem das eingeschränkte Haltverbot ab der Zufahrt Schöferkreuzung in die Wittschauer Straße, das neu von 7 bis 16 Uhr gilt.
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