"Miteinander statt Gegeneinander": Projekt zur Gewalt- und Suchtprävention überschreitet Grenzen
Gemeinsam in die Kletterwand

Lokales
Vohenstrauß
10.02.2015
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Wie soll das denn funktionieren? Wir können uns doch gar nicht verständigen? Und dann noch klettern? Kann ich das überhaupt? - Das sind die Bedenken aller, die sich auf "Miteinander statt Gegeneinander - Gewalt- und Suchtprävention für deutsche und tschechische Schüler", ein Projekt des Vereins "Jupiter", eingelassen haben.

Und doch machen sich 11 deutsche Jungen und Mädchen der Pfalzgraf-Friedrich-Mittelschule Vohenstrauß gemeinsam mit 14 tschechischen Jugendlichen der Partnerschule in Bela nad Radbuzou gemeinsam in den Oberpfälzer Jura nach Hirschbach auf.

Gleich nach der Ankunft muss die erste Hürde genommen werden. Gemischtsprachige Gruppen werden gebildet und man soll Namen, Alter und Hobby der tschechischen Jungen und Mädchen herausfinden. Mit Gesten, Mimik und den Englischkenntnissen aus der Schule werden die Infos zusammengetragen.

"Miteinander statt Gegeneinander" ist der Leitsatz des Projektes, das der deutsche Polizeihauptmeister Jörk Kaduk im Verein "Jupiter" ins Leben gerufen hat. Unterstützt wird er von seinem tschechischen Kollegen Jaroslav Kruml von der Polizeiinspektion Pilsen. Jugendliche diesseits und jenseits der Grenze haben mit den gleichen Problemen zu kämpfen. Warum sollten sie diese nicht auch gemeinsam bewältigen?

Und so stellen sich die Jugendlichen zweisprachig den Themen "Gewalt" und "Sucht". Besonders intensiv setzen sie sich mit dem Thema "Mobbing" auseinander. Ganz wichtig ist dabei der Aspekt, was man als Opfer, aber auch als Zeuge und Helfer tun kann. Dazu haben die Jungen und Mädchen viele gute Ideen.

Bei der Nachtwanderung zur Cäciliengrotte erkunden die Jungen und Mädchen zusammen mit ihren Begleitern zunächst bei Vollmond und später mit Fackeln ausgerüstet den Weg. Auch hier werden Zusammenhalt und gegenseitige Rücksichtnahme praktisch umgesetzt. Alle achten darauf, dass keiner zurückbleibt, und helfen sich, wenn einer strauchelt, Äste werden für den Nachkommenden zurückgehalten. Dafür braucht man keine Sprachkenntnisse.

In den nächsten Tagen üben alle zunächst am Kinderklettersteig "Via Ferrata Bambini" den richtigen Umgang mit der Kletterausrüstung. In gemischtsprachigen Seilschaften mit sechs bis sieben Personen geht es durch den Steig. Sprachbarrieren spielen jetzt keine Rolle mehr. Den krönenden Abschluss der Woche bilden der Aufstieg an der Mittelbergwand und das anschließende Abseilen aus 30 Metern Höhe.

Am Freitag, dem letzten gemeinsamen Tag, stellen alle Betreuer fest, dass aus den Jungen und Mädchen zweier Nationen und Sprachen eine Gemeinschaft geworden ist. Alle würden gerne noch länger bleiben. E-Mail-Adressen und Handy-Nummern werden ausgetauscht und ein Nachtreffen wird fest eingeplant. Ein Mädchen formuliert es so: "Es geht doch nicht, dass wir jetzt Freunde geworden sind, und uns dann einfach nicht mehr wiedersehen!"

Nach Meinung der Lehrkräfte ist diese Projektwoche, die maßgeblich durch den deutsch-tschechischen Zukunftsfonds mit Sitz in Prag und durch das Kreisjugendamt Neustadt/WN unterstützt wird, ein großer Erfolg. Die Heranwachsenden haben nicht nur neue Freunde jenseits der Grenze gefunden, sondern vielmehr die Erfahrung gemacht, dass es sich lohnt, sich offen und vorurteilsfrei auf jemanden einzulassen und zugleich Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu haben.
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