Neuer ältester Herrgott

Die 77-jährige Klara Hartung weiß, dass ihr Großvater das Lindner-Hauskreuz an der Zieglmühle aufgestellt hat. Jesus und Maria sind noch als Originalfiguren erhalten und dürften rund 140 Jahre alt sein. Bild: tss
Lokales
Vohenstrauß
04.09.2015
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Rudolf Großmann hat in seiner umfangreichen Datenbank zwar alle Vohenstraußer Flurdenkmäler erfasst. Doch eine erneute Recherche in Lämersdorf brachte eine kleine Sensation ans Licht.

Das Lindner-Hauskreuz beim Hof an der Zieglmühle 1 in Lämersdorf hat Großmann natürlich auch in seiner Liste. Es befindet sich an einem Baum in der Nähe des Hauses. Was er bisher aber noch nicht wusste: Die 77-jährige Klara Hartung erinnert sich, dass es ihr Großvater aufgestellt hat. Es dürfte also etwa 140 Jahre alt sein. Das bestätigte auch ihre Tochter Berta Messer.

Noch original

"Die handgeschnitzte Mutter Gottes und der Herrgott sind noch original. Damit wären sie die ältesten unserer Gemeinde", freut sich Großmann. Bisher war er davon ausgegangen, dass die älteste Jesusfigur (über 110 Jahre) der Familie Bayerl, Linglmühle, gehört. Die Balken des Lindner-Kreuzes mussten schon öfter ersetzt werden. Der Vohenstraußer Maler Popp renovierte die Figuren um 1955, zum zweiten Mal wagte sich 1975 Fritz Schönberger aus Kaimling daran. Um 1990 kümmerte sich Herbert Scheibl aus Zeßmannsrieth um Jesus und Maria. Etwa 2005 wurde das Kreuz überdacht und die Rückseite mit Holz verschlossen. Die Versetzung des Hauskreuzes an den heutigen Platz war vermutlich vor 1940. Früher stand es 135 Meter westlich am Straßenrand.

Gleich nebenan haben Josef und Barbara Ram 1946 ein Feldkreuz zu Ehren des heiligen Wendelin, Schutzpatron der Hirten und Landleute, Bauern, Tagelöhner und Landarbeiter, aufgestellt. Grund: Glück im Viehstall. Zuvor stand dort ein Bildstock mit einer Wendelin-Figur.

Ein Kriegsschicksal birgt das Wolf-Denkmal zwischen Lämersdorf und Kaimling gegenüber der Binnermühle. Ein kleiner Gedenkstein erinnert an die Ermordung des damaligen Roggensteiner Bürgermeisters und Brauereibesitzers Josef Wolf am 23. April 1945 durch amerikanische Soldaten. Er wurde mit zwei SS-Soldaten an dieser Stelle getötet und begraben. Wolf lag noch 1948 dort. Seine umzäunte Grabstätte trägt auf einem einfachen Granitstein Namen und Daten. Später kam er ins Grab seiner Ehefrau im Roggensteiner Friedhof. Die SS-Leute ruhen in einem Soldatenfriedhof in Niederbayern.

Auch bei der Binnermühle steht ein Hauskreuz. Es sollte ursprünglich auf der Herrnmühle, woher die Stifterin stammte, südwestlich von Kaimling errichtet werden, weiß Großmann.

Das Hermann-Feldkreuz am südlichen Ortsrand von Lämersdorf an der Straße nach Kaimling stammt wohl aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Es wurde zur Ehre Gottes errichtet. "Die heutigen Besitzer wollten das Kreuz beim Bau des Hauses und der Anlage des Gartens vermutlich beseitigen", informiert der Heimatforscher. "Der ehemalige Bürgermeister sagte, dass dies Unglück nach sich ziehe, so ein altes Marterl müsse erhalten bleiben. Dies war vermutlich die Rettung für das unter Denkmalschutz stehende Flurmal." Im Sockel war früher auch ein Opferstock. Das Feldkreuz stand am Straßenrand.

Das Dorfkreuz in Lämersdorf steht seit 8. Mai 2013 unter einer stattlichen Linde. Der Ort besaß bereits früher beim Großmann-Anwesen ein Dorfkreuz, es musste jedoch 1948 dem Neubau eines Wohnhauses weichen. Schreinermeister Josef Schönberger aus Kaimling fertigte das neue Exemplar gegen Erstattung der Materialkosten. Spenglermeister Alois Hubmann aus Pleystein stellte das Kupferdach zum Freundschaftspreis her. Der geschnitzte Herrgott stammt vom Holzbildhauer Hubert Prickel aus Pittersberg. Er soll den Winter über immer abgenommen werden. Ein Drittel der Gesamtkosten übernahm die Stadt Vohenstrauß.

Versprechen eingelöst

Das Wurm-Feldkreuz bei der Luhmühle zwischen Waldau und Kaimling wurde 1864 zur Ehre Gottes erbaut. Renovierungen folgten 1965 und 1978. Wenn er irgendwann einmal die Luhmühle kaufen könne, werde er ein Marterl stiften, hatte Michael Wurm damals geschworen. Nachdem er vom Schlossbesitzer die Mühle kaufen konnte, löste er sein Versprechen ein.
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