"Nichts für Edelspießer"

Der Jägerschlag wird als feierlicher Akt zelebriert. Christian Paulin (kniend, links) und Johannes Hartwig (rechts) aus Leuchtenberg sind nun Mitglieder der aktiven Jägerschar. Eduard Forster (rechts), zuständig für Brauchtumspflege, und die Hegeringleiter von Vohenstrauß und Leuchtenberg, Peter Wild und Josef Gollwitzer, nahmen den Eid ab. Bild: dob
Lokales
Vohenstrauß
14.11.2014
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Auf einen ritterlichen Umgang mit der Natur wurden sie eingeschworen. Zwei neue Jäger nahm die Kreisgruppe bei der Hubertusfeier in ihren Reihen auf. Das geht nicht ohne traditionelles Brauchtum über die Bühne.

"Der erste Schlag soll dich zum Jäger weihn. Der zweite Schlag soll dir Kraft verleihn, zu üben stets das Rechte. Der dritte Schlag soll dich verpflichten, nie auf die Jägerehre zu verzichten." Mit dem feierlichen Akt des Jägerschlags nahm die Kreisgruppe Vohenstrauß bei der Hubertusfeier im Gasthof "Schübladl" zwei neue Waidmänner in ihre Gemeinschaft auf.

Mit langem Messer

Ein sogenanntes Waidblatt, ein langes Messer, schlug den Männern symbolisch den Weg frei für einen fairen Umgang mit dem Wild. Zeremonienmeister Eduard Forster schwor Christian Paulin und Johannes Hartwig aus Leuchtenberg auf einen ritterlichen Umgang mit der Natur ein. Josef Gollwitzer von der Hegegemeinschaft Leuchtenberg und der Vohenstraußer Hegeringleiter Peter Wild führten die Aktion aus. Vorsitzenden Christian Ertl überreichte den in den Kreis der Grünröcke Aufgenommenen den Jägerbrief. Mit dem Jägerschlag gelte das Versprechen, in Zukunft anständig nach den Regeln der Waidgerechtigkeit zu jagen, unterstrich Forster. "Ich verspreche es, Waidmannsdank", antworteten die Jungjäger - auf einer Wildschweindecke vor zwei Kerzen kniend. Paulin und Hartwig kamen am Ende nicht umhin, als Jägertrunk den sogenannten Wildschweiß zu trinken, den ihnen Eduard Forster einschenkte.

Zu gravierenden Änderungen äußerte sich Ertl dann kritisch. "Man versucht, uns Jäger zu erdrücken mit Zahlen, Statistiken, Abschlussplänen und Verbiss-Gutachten." Man wolle ihnen weismachen, dass sie eigentlich nur noch zur Jagd gingen, um Wildschäden in Wald und Feld zu verhindern. Längst sehe man in ihnen nicht mehr den Waidmann, sondern den Leibeigenen, der ohne Emotionen und ohne waidgerechte Einstellung die Maisäcker zu bewachen und das Heranwachsen gewinnbringender Forstkulturen zu gewährleisten habe. Für den eigentlichen Jäger sei heute kein Platz mehr. "Uns liegt es frei, die Jagd im heutigen Sinne der Hubertuslegende auszuüben", appellierte Ertl an seine Mitglieder.

Hegeringleiter Wild erklärte temperamentvoll, die Aufgabe der Jäger erfordere nicht nur viel Fingerspitzengefühl, sondern sei auch zwiespältig. Mit dem schönen Anspruch, Natur zu schützen und der Kreatur natürlichen Lebensraum in der Kultur- und Industrielandschaft zu reservieren, habe man in guter Absicht Isolierräume mit Einzelhaft fürs Wild geschaffen. Auf der anderen Seite sei man bei der Jagd- und Forstpolitik im Bemühen um einen Ausgleich zwischen Wald und Wild bei einer planmäßigen Wildbewirtschaftung angekommen. Der fast schon ideologische Ansatz, den Regelkräften der Natur jeden Vorrang einzuräumen, befreie nicht vom verantwortungsvollen Eingriff, erläuterte Wild. "Wer sein Herz in Jagd und Forst einbringt, der spürt die Differenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit."

Auch Tradition und Naturromantik könne nicht verkennen, dass die Jäger mit solchen Ambivalenzen und Widersprüchen leben und existieren müssen. "In Gottes Schöpfung ist kein Platz für Alltags-frustrierte und Jagd-event-gierige Edelspießer. Sie ist vielmehr Gabe und Aufgabe zugleich", fand der Redner. Diese Gabe verändere sich mit den Eingriffen, die Kultur im weitesten Sinne genannt werde. Demzufolge ändere sich auch die Aufgabe, führte der Waidmann aus. "Es darf nur so viel abgeschöpft werden, wie die Natur langfristig verkraften kann." Jagd und Hege einfach unberührt zu lassen, hätte für Tiere und Pflanzen katastrophale Folgen. Aus diesem Grund benötigten Fluren und Wälder die Jagd.

"Es geht um die Erhaltung eines für alle Lebewesen intakten Lebensraums. Die heutige Aufgabe der Jäger ist die Pflege und die nachhaltige Nutzung dieses Lebensraums." Die Achtung der Geschöpfe sei dabei oberste Prämisse. Auch das Schwarzwild, das sich in den vergangenen Jahren verbreitete, habe es verdient, verantwortungsvoll bejagt zu werden.
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