Pädagoge und Manager

Reinhold Bitterer räumt am Freitag, den 13., seinen Schreibtisch. Sein Nachfolger als Rektor der Grundschule wird die Stelle erst im September antreten dürfen. Die Entscheidung fällt jedoch bereits im März. Bild: ck
Lokales
Vohenstrauß
06.02.2015
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Dass sein letzter Arbeitstag auf einen Freitag, den 13., fällt, stört den Vohenstraußer Grundschulrektor Reinhold Bitterer nicht. Er blickt lieber voraus. Mit dem Valentinstag beginnt für den 63-jährigen Waidhauser nach vier Jahrzehnten im Schuldienst ein neuer Lebensabschnitt.

Als Bitterer 1976 nach dem Studium in Bayreuth die erste Lehrerstation in seiner Heimatgemeinde Waidhaus antrat, gab es noch Vollschulen, in denen die Kinder von Klasse eins bis neun von vielen - auch männlichen - Pädagogen unterrichtet wurden. Zügig schlug der Vater von zwei mittlerweile erwachsenen Söhnen die Rektorenlaufbahn ein und pendelte im Laufe der Jahre immer wieder zwischen den Schulen in Waidhaus und Eslarn.

Elternstreik in Eslarn

1975, so erinnert sich Bitterer, richtete man Teilhauptschulen ein. So manches Kind musste nun in den Nachbarort zur Schule gehen. In Eslarn streikten die Eltern: "Sie wollten nicht akzeptieren, dass ihre Kinder in der fünften und sechsten Klasse nach Waidhaus fahren sollten." Die Entwicklung war jedoch nicht aufzuhalten - bis heute nicht.

Kein gutes Haar lässt Bitterer nach wie vor an der sechsstufigen Realschule. In den Hauptschulen fielen viele fünfte und sechste Klassen weg. Eine fatale Folge der R 6: Der komplette Übertrittsdruck lastete damit auf den kleinen Schultern der Viertklässler. Der 63-Jährige würde das Thema "überehrgeizige Eltern" gerne ausklammern. Nur soviel gibt er preis: Etliche Mütter und Väter sind in der vierten Klasse Dauergäste bei den Lehrern. Vieles, so glaubt Bitterer, bleibt aber in den Familien: "Da spielen sich zu Hause oft Dramen ab."

"In wenigen Jahren wird es nur mehr die Mittelschule Vohenstrauß geben", ist sich Bitterer sicher. Was die Grundschulen betrifft, so sieht er die Lage nicht ganz so kritisch. Allerdings werden immer häufiger Rektoren mehrere Schulen gleichzeitig betreuen müssen, so wie er dies seit eineinhalb Jahren mit Vohenstrauß und Leuchtenberg praktizieren muss.

Bitterer war anfangs sehr skeptisch, wollte sich die zusätzliche Arbeit in seinem Alter nicht mehr antun. Doch im Nachhinein ist er froh um diese wunderbare Erfahrung: "Was man in solch kleinen Einheiten pädagogisch umsetzen kann, ist Wahnsinn. Ich sehe Leuchtenberg als eine pädagogische Insel." Die Gemeinden seien gut beraten, um ihre Grundschulen hart zu kämpfen.

"Riesige Umstrukturierungen" erwartet der scheidende Schulleiter auf dem Gebiet der Inklusion. Für die Einbindung von behinderten Kindern müsse das Personal aber auch dementsprechend ausgebildet werden. "Da gibt es noch sehr großen Nachholbedarf", erklärt Bitterer. Generell müssen sich angehende Lehrer darauf einstellen, dass sie im Ganztagsmodell der Grundschulen künftig nachmittags präsent sein müssen. Von einem Halbtagsjob könne keine Rede mehr sein.

Trotz der zahlreichen schönen Momente, die er während der 40 Jahre seines Schuldienstes erleben durfte, sei er froh, mit 63 nun freiwillig Schluss machen zu dürfen. Immer häufiger habe er in den letzten Jahren seine Leistungsgrenze überschritten. Er habe Etliches an "dieser wundervollen Schule hier in Vohenstrauß" geschafft. Wie ein Betriebsleiter war er immer bestrebt, die Einrichtung voran zu bringen. Besonders stolz sei er auf die Anschaffungen im IT-Bereich und die drei Lernwerkstätten. Gerne habe er als Schulleiter mit den Behörden zusammengearbeitet.

Haus und Garten

Er genieße es künftig unsäglich, als Pensionist nicht mehr in ein festes Schema eingebunden zu sein. Bitterer wird weiterhin ein Frühaufsteher bleiben. Seine Arbeitsplätze sind dann das Haus und der Garten. Auf was er sich am meisten freut: "Endlich kann ich dann außerhalb der Ferienzeiten mal mit meiner Frau Urlaub machen."
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