Redwitzit erfüllt Kinderwunsch

Der Blümlstein ist ein riesiger Brocken aus Redwitzit, einer seltenen Gesteinsart. Bild: tss
Lokales
Vohenstrauß
22.04.2015
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Der Marterl-Wanderweg ist leider (noch) nicht markiert. Eine Führung mit Rudolf Großmann ist daher zu empfehlen. Der Heimatforscher ist unter Telefon 09651⁄9180142 zu erreichen.

Der Name "Galgenholz" lässt nichts Gutes vermuten. Und in der Tat ist das Waldgebiet Teil einer Marterlwanderung, die Thema in unserer Serie "Vohenstraußer Flurdenkmäler" ist.

Aber keine Angst, gruselig geht es bei der Tour nicht zu. Im Gegenteil: Auf der 4,5 Kilometer langen Strecke stehen 19 Flurdenkmäler, zu denen mit Heimatforscher Rudolf Großmann einige unterhaltsame Anekdoten erzählen kann. Daher dauert es schon rund drei Stunden, bis der Ausgangspunkt wieder erreicht ist.

Start an der Mittelschule

Start ist an der Mittelschule, auf einem Grundstück gegenüber an der Wittschauer Straße befindet sich das Hoffmann-Marterl. Danach geht es mit dem Auto zum "Galgenholz". Dort stand im Mittelalter bis etwa 1700 ein Galgen, daher der Name. Heute ist davon nichts mehr zu sehen. Nach einem kurzen Stück stoßen wir auf das Hammer-Marterl, ein ehemaliger Grabstein aus schwarz poliertem Marmor mit aufgesetztem Kreuz auf einem groben Granitsockel. Alois Hammer war am 25. Januar 2000 auf der Heimfahrt von Rüsselsheim auf der A 3 in einen Verkehrsunfall verwickelt, bei dem sein Beifahrer Johann Wenzel aus Fiedlbühl starb. Hammer überlebte, aus Dankbarkeit stellte er das Denkmal auf.

Mitten durch den Wald geht es weiter am Sautradlbach entlang über ein kleines Brücklein. Die Idylle hat nur ein Manko: Der Weg ist leider nicht markiert. Dies müsste in Zusammenarbeit mit dem OWV geschehen, findet Großmann.

Heraus aus dem Forst bietet sich zunächst ein sagenhafter Blick auf Vohenstrauß. Prächtig steht die Friedrichsburg da, und auch beide Kirchen grüßen von Weitem. Rechts am Waldrand entlang steht seit 1998 Wenzl-Willis Marterl. Weiter unten dann ein ganz besonderes Exemplar: der Blümlstein, ein riesiger Brocken aus Redwitzit, einer seltenen Gesteinsart. "Das ist ein Flurmal, das so leicht niemand klaut", schmunzelt Großmann.

"Willibald Wenzl wusste damals noch nicht, ob es mit dem Nachwuchs klappen würde. So wollte er wenigstens einen Gedenkstein aufgestellt haben. Beim Bau der B 14 in Braunetsrieth fand er diesen Redwitzit. Er gefiel ihm, und ein Baggerfahrer brachte ihn für 100 DM während der Mittagspause in Wenzls Waldstück und stellte ihn nahe einer Wiese auf, die früher den Flurnamen Blümlwiese trug", informiert der Heimatforscher. Danach wurde der Stein benannt.

Kaum mehr lesbar

Die Buchstaben NBW auf dem schmiedeeisernen Kreuz sind zwar kaum mehr lesbar, stehen aber für Wenzls Tochter Nina Barbara Wenzl. Ob der Stein etwas mit der Erfüllung des Kinderwunschs zu tun hat?

Richtung Innenstadt geht es vorbei an zwei weiteren ehemaligen Grabsteinen: das Feldkreuz Weig (1977) und oberhalb eines Wasserrads das Flurdenkmal von Johann Pemsl. Es folgt das Flurbereinigungsdenkmal der Stadt Vohenstrauß, auf dem leider Schmierfinken ihre Spuren hinterlassen haben. Imposant ist auch das Friedens- oder Europa-Kreuz, das der OWV am 6. Mai 1995 zum Gedenken an den 50. Jahrestag des Kriegsendes auf dem Weg zum Fuchssteinach aufgestellt hat.

Weitere Besonderheiten

Nächste Stationen sind Wittmann-Marterl, Tachetsbrunnen, Wurdack-Feldkreuz und Liedlpaintbrunnen, bevor in der Pfarrgasse zwei weitere Besonderheiten auf die Wanderer warten. Das Steiningerkreuz am ehemaligen Kapuzinerkloster und früheren katholischen Pfarrhaus. "Das Kruzifix aus Gusseisen muss schon vor 1896 aufgestellt worden sein, da es auf einem Foto von 1896 bereits zu erkennen ist", sagt Großmann. Die Hausmadonna am heutigen Amtsgericht wurde beim Bau des Klosters der Armen Schulschwestern 1897 angebracht. Sie überlebte unterschiedliche Verwendungszwecke des Gebäudes (Kloster, Schulen, Kinderlandverschickungslager, Ausweichkrankenhaus, Flüchtlingsaltenheim).

Eine Steintafel in der Nordwand des Bießenecker-Hauses (heutiger Eigentümer Michael Grießl) aus dem Jahr 1746 beschließt die Tour. Damals schenkte der Kaufmann Johann Janner den Kapuziner-Ordensleuten ein Stück Grund für einen Garten. Aus diesem Anlass ließ er die Tafel anfertigen - der wohl älteste steinerne Zeitzeuge im Stadtgebiet.
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