Rüstzeug für die Zukunft

Margot Salfetter, Migrationsbeauftragte und Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Arbeitsagentur, Arbeitsagentur-Geschäftsführer Andreas Staible und VHS-Geschäftsführerin Erika Grötsch (von rechts) erkundigten sich über den Deutsch-Einstiegskurs für Asylbewerber. Bilder: rti (2)
Lokales
Vohenstrauß
21.11.2015
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Schon kurz nachdem Lehrerin Barbara Dineiger die vier Wörter "Gemüse gern wir essen" an die Tafel geschrieben hat, schnellen mehrere Zeigefinger in Höhe. Vielen ist sofort klar: Da stimmt etwas nicht. Das besondere daran: Die Schüler konnten bis vor Kurzem noch kein deutsches Wort lesen.

Die VHS unterrichtet seit zwei Wochen 18 Asylbewerber in ihren Räumen an der Wernberger Straße. Der Einstiegskurs richtet sich an Menschen mit guten Bleibeperspektiven. Die Finanzierung hat die Agentur für Arbeit übernommen (Hintergrund).

Engagiert Schüler

"Wir essen gerne Gemüse", schallt es Dineiger entgegen. Jeder Schüler will das neu erlernte Wissen zeigen. Der Satzbau steht heute auf dem Stundenplan. Schon geht es weiter. Muhammad, der mit Osama in der letzten Reihe sitzt, formuliert auf Bitten der Lehrerin aus den Wörtern ohne Probleme einen Frage: "Essen wir gerne Gemüse?"

Nun tut sich für die Schüler allerdings eine Hürde auf. Wie kann man antworten? Dineiger schlägt drei Varianten vor: "Ja, wir essen gerne Gemüse", "Nein, wir essen nicht gerne Gemüse" und "Nein, wir essen kein Gemüse". Die meisten Kursteilnehmer machen den Eindruck, der Lehrerin folgen zu können. Allerdings: Was ist der Unterschied zwischen "nicht gerne" und "kein"? Für die Beobachter des Unterrichts wird innerhalb weniger Minuten klar, wie schwer es ist, Deutsch zu lernen.

"Die Männer und Frauen sind sehr ehrgeizig und lernwillig", lobt VHS-Geschäftsführerin Erika Grötsch. Von den 18 Teilnehmern kommen 3 aus dem Irak und 15 aus Syrien. Sie sind zwischen 18 und 54 Jahre alt. Zudem ist ein dreijähriges Mädchen mit seinen Eltern dabei. 10 der Schüler wohnen in Waldau, 6 in Altenstadt und 2 in Eslarn. Und bis auf 4 Personen nehmen alle täglich an dem fünfstündigen Kurs teil.

Osama notiert in seinem Block fein säuberlich die Aufzeichnungen der Lehrerin mit. Dass dies nicht selbstverständlich ist, macht Grötsch deutlich: "Beim Schreiben tun sich die Schüler extrem schwer, da sie im Arabischen von rechts nach links schreiben." Das Sprechen falle ihnen hingegen viel leichter. Ohne das Schreiben, schätzt die Geschäftsführerin, könnten viele Teilnehmer bis zum Ende des Kurses im Februar auf A-1-Niveau sein.

Neben der Vohenstraußerin Dineiger, die auch schon mehrere Jahre in Kolumbien am Goethe-Institut in Bogotá Deutsch gelehrt hat, unterrichtet Johann Maier aus Tännesberg die Asylbewerber. Wobei Grötsch deutlich macht, dass es immer schwieriger wird, kompetentes Personal zu finden. "Der Markt ist ziemlich leer." Umso stolzer ist sie, dass die VHS den ersten Einstiegskurs in dieser Form im Bezirk der Agentur für Arbeit Weiden anbietet.

"Solche Anfängerkurse finanzieren wir normal nicht. Das ist schon außergewöhnlich", erklärt Agentur-Geschäftsführer Andreas Staible. Ziel sei es, nach Beendigung des Kurses einige der Teilnehmer in Arbeitspraktika oder andere weiterbildende Kurs zu bringen. "Ohne die deutsche Sprache geht es nicht. Das ist die Grundvoraussetzung, um den Leuten später eine Ausbildung oder einen Job zu vermitteln", ergänzt Margot Salfetter, Migrationsbeauftragte und Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit. Grötsch ist sich sicher, dass dies gelingt: "Vor allem die Jüngern sind sehr motiviert. Die wollen arbeiten." Die Syrer und Iraker würden auch immer die Hausaufgaben machen.

Positives Zwischenfazit

Nach den ersten zwei Wochen zieht die VHS-Geschäftsführerin ein positive Zwischenfazit. "Alle sind sehr höfflich und helfen auch immer. Wir sind zufrieden." Zudem sei die Pünktlichkeit schon deutlich besser geworden. Dazu beigetragen habe, dass die Teilnehmer mit dem Bus anreisen, und sie so ein Stück selbstständiger werden. Auch besuchen die Lehrer mit den Asylbewerbern Supermärkte, damit sie sich dort zurechtfinden.

"Die Männer und Frauen bekommen in diesem Kurs ein gutes Rüstzeug für die Zukunft", stellt Staible fest. Er staune, wie viel die Leute schon gelernt haben. "Wenn die so weitermachen, bin ich positiv gestimmt, dass wir sie später weitervermitteln können." (Angemerkt)
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