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Lokales
Vohenstrauß
24.12.2014
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Mit einem Lachen Sprachbarrieren, unterschiedliche Nationalitäten und Mentalitäten vergessen - beim Deutschunterricht der Volkshochschule Vohenstrauß für Asylbewerber aus Äthiopien und der Ukraine funktioniert diese Art der Völkerverständigung hervorragend.

Wenn Hannes Sennert, Rektor a. D., und Waltraud Waag-Schmidt, Rektorin a. D., ihren Deutschunterricht abhalten, bemerken sie sofort, wie wissbegierig ihre Schüler sind. Am liebsten würden sich alle täglich treffen, um sich mit einem "Hallo" und einem "Guten Morgen", natürlich landestypisch akzentuiert, zu begrüßen.

Im Lehrsaal der Volkshochschule an der Wernberger Straße ist kein Platz mehr frei. Die Deutsch-Bücher, gekauft von der Stadt, liegen griffbereit auf dem Tisch. An die Tafel haben Sennert und Waag-Schmidt die Uhrzeiten geschrieben. Immer die volle und die halbe Stunde, damit selbst dies zu einer kleinen Aufgabe wird. Daneben stehen die passenden Begrüßungsworte: "Hallo", "Servus", "guten Morgen", "guten Tag" bis hin zum "guten Abend". Waag-Schmidt hat die Uhrzeiten auch auf kleine Zettel geschrieben. Die Asylbewerber müssen den passenden Gruß dazu wählen. Leicht fällt es nicht, aber mit gutem Zureden und vor allem mit pädagogischem Fingerspitzengefühl werden die richtigen Begriffe den Uhrzeiten zugeordnet. "Begrüßungsformeln mit Uhrzeit gekoppelt", lautet der lehrplanmäßige Titel dieser Unterrichtsstunde. Es ist erst der zweite Unterricht für Asylbewerber, den Sennert und Waag-Schmidt halten, doch das Vertrauen zwischen den ehemaligen Lehrkräften und ihren Sprachschülern ist schon spürbar.

Doch wie funktioniert der Kontakt von Schüler zu Lehrer? Sennert: "Die Asylbewerber aus Äthiopien sprechen alle Englisch, einer von ihnen, Arved Faisel Ali, besonders gut. Deshalb ist er im Zweifelsfall der Dolmetscher. Drei Stunden dauert der Unterricht, unterbrochen von Pausen. Sennert hat erkannt, dass die Asylbewerber sehr lernwillig sind, weil sie die Wichtigkeit, die deutsche Sprache "einigermaßen" zu beherrschen, erkannt haben. "Außerdem sind alle sehr intelligent", hat der Rektor a. D. festgestellt. Dies zeige das Talent der Asylbewerber, die meist mehrere Sprachen können. Und weil das Interesse so groß ist, wäre es der sehnlichste Wunsch von Sennert und Waag-Schmidt, wenn sich weitere Bürger, die nicht unbedingt aus dem pädagogischen Fach sein müssen, für den Sprachunterricht bereiterklären würden. Laut Sennert wäre es ideal, den Unterricht täglich anzubieten. Der Kurs sei so aufgebaut, dass den Asylbewerbern Kompetenzen vermittelt werden, damit sie sich im Alltag verständigen können und nicht glauben, "in einer fremden Welt" herumzulaufen.

Odyssee über den Sudan

Beim einem kurzen Gespräch berichtet Arved Faisel Ali, seit sieben Wochen in Deutschland zu sein. Der Weg habe über den Sudan nach Libyen und von dort übers Mittelmeer nach Italien geführt. Etwas schwerer wird die Erklärung des Äthiopiers über seine Tätigkeit im Heimatland. Nur so viel wird verständlich, dass er ein Händler war und auch eine Art Fuhrunternehmer. Das Weihnachtsfest scheint in Äthiopien eine etwas teure Angelegenheit zu sein, denn zumindest die Christbäume sind teuer. Die Lichter an den Bäumen sind "sehr klein", weil der Strom ebenfalls recht teuer ist. Im Miteinander mit den anderen Menschen hat es für den Äthiopier nie Probleme gegeben. Christen und dem Islam angehörende Äthiopier leben friedlich nebeneinander, erzählt Arved Faisel Ali.
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