"Schnucki2014@" geht gar nicht

Lokales
Vohenstrauß
11.11.2014
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Spätestens in der 10. Klasse wird es für Realschüler ernst, denn dann beginnt die Bewerbungszeit. Wo kann man sich dazu besser informieren als beim Ausbildungsleiter eines großen Unternehmens?

Aus diesem Grund befragten wir, die Klasse 9a der Realschule Vohenstrauß (Schuljahr 2013/14), Uwe Rosenberger, den Ausbildungsleiter des Bayernwerk-Standorts Bayreuth.

Herr Rosenberger, wann ist es am sinnvollsten, die Bewerbungsschreiben zu versenden?

Uwe Rosenberger: Man muss sich vor allem darüber informieren, ob es bei Firmen einen Bewerbungstermin gibt. Den darf man natürlich keinesfalls versäumen. Grundsätzlich rate ich dazu, die Bewerbung während der Sommerferien zu erstellen.

Wir haben schon auch Respekt vor dem Verfassen der Bewerbungsschreiben. Worauf muss man dabei Ihrer Meinung nach achten?

Uwe Rosenberger: Natürlich sollte das Anschreiben fehlerfrei formuliert und ordentlich gestaltet sein. Vor allem aber sollte man keine Texte übernehmen, die man irgendwo gelesen hat und die womöglich der Wahrheit gar nicht entsprechen. Wenn man im Bewerbungsschreiben davon schwärmt, wie gern man sich mit Verwaltungsaufgaben beschäftigt, dann im Gespräch aber zugeben muss, dass man gar nicht weiß, was zu den Aufgabengebieten gehört, ist die Bewerbung sicherlich nicht erfolgreich.

Ist es sinnvoll, sich gleich online zu bewerben? Dann muss man auf bestimmte formale Regeln vielleicht nicht so sehr achten, weil die Textmaske ja schon viel vorgibt.

Uwe Rosenberger: Es spricht natürlich nichts dagegen, sich online zu bewerben, wenn Firmen dies anbieten. Allerdings darf man nicht vergessen, dass die entsprechenden Masken, die man online ausfüllen kann, kein Rechtschreibprogramm nutzen. Man sollte auch eine seriöse Mailadresse haben - Schnucki2014@ mag den Freunden gefallen, ob das der Personalchef einer Firma auch so gelungen findet, darf man bezweifeln. Man sollte auch nicht vergessen, die Betreffzeile bei Mails auszufüllen, weil manche Firmen "leere" Anschreiben gleich herausfiltern. Grundsätzlich sollte man es der Firma so leicht wie möglich machen, sich in der Bewerbung zurechtzufinden.

Also beim Lebenslauf dürfte es da keine Probleme geben, sich zurechtzufinden. Wir haben festgestellt, dass wir fast nichts anzugeben haben. Grundschule und Realschule, dann ist es auch schon vorbei. Das ist ein wenig knapp, finden wir. Uns fällt aber nicht recht viel mehr ein.

Uwe Rosenberger: Manche Schüler können auch längere Auslandsaufenthalte angeben. Damit ihr mich nicht falsch versteht: Ein Urlaubsaufenthalt von drei Wochen ist damit nicht gemeint. Relevant ist es, wenn man ein halbes Jahr an einem Austausch mitgemacht hat oder mit den Eltern längere Zeit im Ausland gelebt hat. Auch besondere Kenntnisse könnt ihr anführen, zum Beispiel ist es für eine Elektrofirma schon interessant, wenn ihr in den letzten Jahren beispielsweise immer Mitglied der Technikcrew der Leuchtenberg-Festspiele gewesen seid. Legt auch besondere Qualifikationsscheine bei, wie zum Beispiel einen Nachweis, dass ihr im Maschinenschreiben sehr gut seid, wenn ihr euch für einen Büroberuf bewerbt.

Soll man auch den Segelschein erwähnen oder beilegen, wenn man so einen hat?

Uwe Rosenberger: Wenn du Kapitän werden willst, ja. Für jemanden, der beim Bayernwerk arbeiten möchte, belegt der Schein keine berufsrelevante Qualifikation.

Was ist, wenn man ministriert hat oder bei der Feuerwehr ist?

Uwe Rosenberger: Solche Tätigkeiten beweisen natürlich, dass du dich in der Freizeit für die Allgemeinheit engagierst. Du kannst diese Informationen oft auch im persönlichen Gespräch erwähnen.

Damit sind wir schon beim Knackpunkt, dem Vorstellungsgespräch. Davor haben viele großen Respekt.

Uwe Rosenberger: Respekt ist gut, Angst ist nicht notwendig. Ihr solltet euch natürlich gut auf das Gespräch vorbereiten. Ihr solltet zum Beispiel über das Unternehmen und den Beruf, für den ihr euch bewerbt, gut Bescheid wissen. Die Fragen, die euch gestellt werden, sollt ihr sachlich und vor allem ehrlich beantworten. Da gilt das Gleiche wie für das Bewerbungsschreiben.

Was sollte man denn bei so einem Gespräch unbedingt vermeiden?

Uwe Rosenberger:Ich will es einmal anders formulieren. Was macht einen guten Eindruck? Man sollte unbedingt pünktlich sein und sich telefonisch melden, wenn man beispielsweise im Stau steht. Man sollte ordentlich gekleidet sein, den Namen des Gesprächspartners kennen und höflich antworten. Es gelten beim Bewerbungsgespräch im Grund genau die gleichen Regeln wie bei allen anderen zwischenmenschlichen Kontakten auch.

Was verstehen Sie unter "ordentlicher Kleidung"?

Uwe Rosenberger: Wenn du dich für einen Beruf bei einer Bank bewirbst, solltest du im Anzug oder als Mädchen im Kostüm erscheinen. Das ist nämlich später auch deine Berufskleidung. Bewirbst du dich als Elektroniker, dann passt es, wenn du eine ordentliche Jeans und ein Hemd trägst. Die Kleidung muss zum Anlass und zum späteren Beruf passen.

Gut, man kann sich vorher ja überlegen, was man anzieht. Kniffliger wird es schon beim Gespräch selbst. Wenn nun aber doch eine extrem unerwartete Frage gestellt wird, zum Beispiel welcher Feiertag in zwei Wochen ist, kommt man in Stress. Wie soll man sich da verhalten?

Uwe Rosenberger: Wenn du die Frage beantworten kannst, dann machst du das. Wenn nicht, sagst du, dass du es nicht weißt. Wichtig ist vor allem, dass man auch Ruhe bewahrt, wenn man überrascht wird. Da muss man auch ein bisschen auf die Körpersprache achten.

Geben Sie uns noch einen Tipp, welche Fragen Sie so stellen?

Uwe Rosenberger: "Warum möchten Sie den Beruf ergreifen?" ist zum Beispiel eine typische Frage. Darauf sollte jeder ernsthafte Bewerber eine Antwort wissen, denke ich. Und wer auf die Frage "Warum bewerben Sie sich bei uns?" sagt: "Weil die Mama es will", darf nicht überrascht sein, wenn es mit der Bewerbung nicht gleich klappt. Aber auch daraus kann man lernen. Dann weiß man beim nächsten Gespräch, worauf es ankommt.

von der Klasse 9a der RealschuleVohenstrauß (Schuljahr 2013/14)
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