Sehr berühmt für feine Torten

Diese Aufnahme aus dem Jahr 1962 zeigt Konditormeister Karl Wappmann und seine Frau Sieglinde im neu eingerichteten Laden. Heute ist darin die Filiale einer Bausparkasse untergebracht. Repro: tss
Lokales
Vohenstrauß
28.08.2015
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Das ehemalige Café Wappmann war wegen seiner vielen Leckereien in der gesamten Region äußerst beliebt. Im legendären Vohenstraußer Fasching 1962 stand es aus einem anderen Grund ganz besonders im Mittelpunkt.

Von den 1950er Jahren bis Ende der 1970er Jahre ist es in dem Lokal rundgegangen, weiß Dr. Volker Wappmann, Sohn des letzten Konditormeisters Karl Wappmann. Es hatte viele Faschingsfeiern gegeben, die berüchtigste war 1962, "als Vohenstrauß eingeschneit war und die Leute entweder zu Hause bleiben mussten oder zu Fuß unterwegs waren". Im Keller des Cafés gab es auch eine Bar, dort war der Umsatz an dem Abend sechs Mal höher als einen Stock darüber. Und unter dem Keller befand sich ein weiterer, in dem einige Vohenstraußer dann übernachten mussten. Ob es auch eine Tortenschlacht gegeben hat, ist nicht bekannt.

Seit 1816 in Familienbesitz

Denn die Konditorei war berühmt für ihre Torten wie Florentiner, Carmen (eine Sahnetorte), Prinzregenten oder Johannisbeer-Baiser. Das Gebäude an der Friedrichstraße ist seit 1816 in Familienbesitz, der alte Hausname lautete "Garkoch-Lenz". Er stammt vermutlich von Johann Lorenz Aichinger, dessen Familie das Haus von 1700 bis 1795 gehörte. Im selben Jahr heiratete der Schuhmachermeister Johann Ludwig Wappmann ein.

Am 4. Mai 1864 hatte der damals 28-jährige Konditormeister Joseph Wappmann die Konditorei gegründet. Er stellte feine Lebkuchen, kleines Gebäck, Bonbons und Schokolade her. Mit Pferdefuhrwerken und im Winter mit Schlitten fuhr er von Kirchweih zu Kirchweih oder auch zu Weihnachtsmärkten, um seine Leckereien zu verkaufen. Und obwohl die Familie evangelisch war, machte sie den meisten Umsatz beim großen Frauentag auf dem Fahrenberg, informiert Dr. Volker Wappmann.

Dessen Großvater August Wappmann machte 1913 die Meisterprüfung und übernahm 1919 das Geschäft. Torten für Familienfeiern holten die Kunden vor dem Ersten Weltkrieg übrigens anonym ab aus Angst davor, dass es wegen Prasserei Gerede geben könnte. Zur Klientel gehörten damals unter anderem die wohlhabenden Glasschleifen-Besitzer Matuschka aus Pleystein und Hanauer aus Böhmischbruck sowie die Firma Seltmann in Vohenstrauß.

1928 erweiterte August Wappmann den Betrieb schließlich um ein Café, das es nach einem Umbau Anfang der 1960er Jahre bis 1984 gab. Die Gäste schätzten die feinen Spezialitäten. Nach dem Tod von Volker Wappmanns Mutter Sieglinde hatte sein Vater es aufgegeben. Nach einiger Zeit eröffneten es Petra Mitlmeier und Ursula Rother neu. Sie führten es bis 1996 weiter.

Tradition lebt

Dr. Volker Wappmann hätte selbst "schon Interesse gehabt, das Café zu übernehmen". Sein Vater meinte 1972 aber, dass der Mittelstand zur Zeit der Gebietsreform in Vohenstrauß keine Zukunft hätte. Aber die Konditoren-Tradition in der Familie lebt weiter: Wappmanns Tochter Eva strebt derzeit die Meisterprüfung an.
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