Seit Jahrzehnten im Heim

Josef Wach fühlt sich seit 25 Jahren im Caritas-Heim sichtlich wohl, behütet und geborgen. Leiterin Rita Gilch gratulierte. Bild: dob
Lokales
Vohenstrauß
10.09.2015
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Die Aufenthalte in einem Seniorenheim werden heutzutage immer kürzer. Durchschnittlich leben ältere Menschen heute nur noch zweieinhalb bis drei Jahre im Vohenstraußer Walter-Siegert-Caritasheim. Für die neue Leiterin Rita Gilch stand nun ein außergewöhnliches Ereignis an.

Sie gratulierte am Dienstag drei Bewohnern mit Geschenken zu besonderen Jubiläen. Seit Jahren hatte es ein keinen solchen Termin mehr gegeben. Leider konnte nur Josef Wach aus Matzlesrieth an der Feier teilnehmen, den anderen beiden Bewohnern stattete Gilch aber einen Besuch am Krankenbett in ihren Zimmern ab.

Fast wie Silberhochzeit

Der 78-jährige Wach wohnt seit 25 Jahren im Haus und fühlt sich sehr wohl. Normalerweise würde in einer Ehe nun die Silberhochzeit groß gefeiert, meinte Gilch. Mit Stellvertreterin Karin Witt überreichte sie einen Blumenstock. In seinem Zimmer blühe und grüne es nur so, berichteten die Pflegekräfte. Um jede einzelne Pflanze kümmere sich der Senior höchstpersönlich. Gerührt nahm er die Glückwünsche entgegen.

Ebenfalls seit 25 Jahren ist Alois Hausladen (80) in der kirchlichen Pflegeeinrichtung. Sein Zuhause war früher in Ensdorf. Noch fünf Jahre länger als die anderen Jubilare wird Maria Frankenberger aus Vohenstrauß betreut. Leider muss die 71-jährige das Bett hüten und ihren Lebensalltag auf das Zimmer beschränken.

Absoluter Seltenheitswert

Solche Ehrungen haben absoluten Seltenheitswert, weiß Gilch aus ihrer langjährigen Erfahrung. Nur noch ein Bewohner komme mit 20 Jahren Aufenthalt im Caritasheim in die Nähe der soeben Geehrten. Grundsätzlich gebe es heutzutage keine Bewohner mehr, die so lange in solchen Einrichtungen leben, weil zum Beispiel psychisch labile Menschen, die nicht alleine leben könnten, heute in begleitete Wohngruppen eintreten und nicht in ein Seniorenheim.

Vor 20 bis 30 Jahren sah die Situation noch ganz anders aus. "Da kamen auch noch relativ junge Leute zu uns." Die Aufenthalte werden immer kürzer. Einerseits sei das ein gutes Zeichen, weil Senioren oft bis ins hohe Alter fit bleiben oder dank pflegender Angehöriger zu Hause wohnen könnten. Die Kehrseite sei aber, dass der Großteil der Bewohner zusehends pflegedürftiger sei. Frauen und Männer kämen auch erst spät und dann mit einem erhöhten Pflegebedarf ins Heim. Oft sind es auch palliative Schwerstfälle, die nur noch wenige Tage zu leben hätten und dann innerhalb kürzester Zeit sterben. Die Betreuung sei in solchen Fällen weit aufwendiger als bei rüstigen Menschen. Solche seien dann eine ungemeine Bereicherung für Bewohner und Pflegekräfte gleichermaßen. Das Caritasheim ist ausgebucht. 91 Bewohner werden rund um die Uhr von den Pflegefachkräften versorgt.
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