Sondergebiet für Bürokraten

Lokales
Vohenstrauß
07.02.2015
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Deutschland ist und bleibt ein Land der Bürokraten. Wäre der Vohenstraußer Stadtrat ein Chor, könnte er nach seiner jüngsten Sitzung am Donnerstag ein Lied davon singen. Eine simple Änderung des Flächennutzungsplans gerät immer mehr zur Farce. Schuld daran ist offensichtlich das Landratsamt.

Verwaltungsleiter Alfons Sier wirkte genervt, als ihn Bürgermeister Andreas Wutzlhofer bat, über die neuesten Entwicklungen im Fall "Hinter'm Freibad" zu berichten. Wie seit langem bekannt, versucht die Stadt, die Fläche am östlichen Ortsrand als "Sondergebiet für Lagernutzung" auszuweisen. Im Dezember beschloss der Rat einstimmig, den Flächennutzungsplan dementsprechend zu ändern. Am Bauleitverfahren ist auch das Landratsamt beteiligt. Wutzlhofer war wenig überrascht, als von der Behörde "wieder ein mehrseitiges, bestimmt zeitaufwendiges Schreiben kam", in dem auf bereits erwähnte Gefahren und Mängel hingewiesen wird.

Altlasten bleiben Thema

Unter anderem geht es darin wieder um die Altlastenverdachtsflächen in dem Gebiet. In den notariellen Kaufverträgen solle darauf hingewiesen werden. Die Art der baulichen Nutzung sollte näher erläutert werden, damit dort nicht alles im maximal möglichen Umfang gelagert werden könne. Die Stadt sollte sich laut Landratsamt auch besser mit dem Thema Lärmschutz in dem Gebiet beschäftigen. Die Erschließung über Privatwege ist dem Landratsamt ebenfalls ein Dorn im Auge, weil exakt vorgeschriebene Längen überschritten werden.

Wie Wutzlhofer wenig amüsiert erklärte, rechne der zuständige Sachbearbeiter offenbar immer mit dem Schlimmsten. So werden in der Stellungnahme erneut Autowracks und Abfälle thematisiert. Abgemeldete Fahrzeuge dürften in diesem Gebiet auf keinen Fall außerhalb von Gebäuden abgestellt werden. Wutzlhofer: "Wieder ist von einer Verschandelung des Ortsbilds die Rede."

Wolfgang Töppel fand es "lustig", dass in dem Sondergebiet keine Wohnmobile oder abgemeldeten Fahrzeuge außerhalb der Gebäude abgestellt werden dürfen. Im normalen Wohngebiet dürfe man das sehr wohl. "Wir wollen die Plätze doch verkaufen. Wenn wir alles vorschreiben, kauft sie doch keiner."

Sachbearbeiter einladen

Die Korrekturwünsche des Amts im reinsten Behördendeutsch wurden dem einen oder anderen Stadtrat nach etwa einer Stunde dann doch zu viel. Heinrich Rewitzer platzte der Kragen: "Kann man diesen Sachbearbeiter mal vorladen? Den würde ich schon mal gerne kennenlernen."

Am Ende nahmen die Räte den Vorschlag der Verwaltung an, einige Änderungswünsche in den Bebauungsplanentwurf aufzunehmen, auf andere jedoch zu verzichten. Wutzlhofer: "Lassen wir die Bauherren entscheiden." Sollten sich Probleme ergeben, beispielsweise bei der Einhaltung der Zeiten, in denen in dem Gebiet Holz gesägt werden darf, könne die Stadtverwaltung immer noch einschreiten.
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