Stadt zahlt für Partner

Lokales
Vohenstrauß
06.03.2015
2
0

Ein neues Gewerbegebiet, ein neues Baugebiet, eine neue Behörde, eine volle Stadtkasse: Vohenstrauß durchläuft gerade eine Glücksphase. Kein Wunder, wenn im Stadtrat zufriedene Einigkeit herrscht. Ein kleiner Antrag schaffte es am Donnerstag aber doch, dass die Räte einmal nicht im Rudel die Hände hoben.

Ohne Diskussion entschieden die Räte, sowohl ein neues Baugebiet als auch ein weiteres Gewerbegebiet auszuweisen (siehe eigener Bericht). Nachdem Stadtkämmerer Rainer Dötsch die Jahresrechnung für 2014 vorgelegt hatte, in der deutlich wird, dass sich die Stadt wirtschaftlich auf einem sehr guten Weg befindet, kam der Antrag von SPD-Sprecher und Feuerwehrmann Heinrich Rewitzer an die Reihe.

Bitte des Gemeindetags

Er bittet die Stadt, dass sie grundsätzlich die Kosten für einen einwöchigen Aufenthalt einer Begleitperson im Feuerwehr-Erholungsheim Bayrisch Gmain übernimmt. Dies sollte für Partner von Feuerwehrlern gelten, die ab heuer für ihren 40-jährigen aktiven Dienst geehrt werden. Der Freistaat übernimmt die Kosten für den Geehrten in Höhe von rund 250 Euro. Die Stadt sollte für den Anteil des Partners aufkommen. Der Bayerische Gemeindetag bat die Kommunen, diesem Wunsch Rechnung zu tragen. Laut Kämmerer Dötsch sei jährlich mit rund 2500 Euro zu rechnen. Rewitzer begründet seinen Antrag damit, dass die Partner ein Dankeschön verdient hätten, weil sie jahrzehntelang dem aktiven Feuerwehrmann (oder -frau) den Rücken frei gehalten haben. Er betonte, dass es sich um eine freiwillige Leistung der Stadt handle. Er sei sich im Klaren, dass die Feuerwehren von der Kommune bestens bedient würden, wenn es um die Ausstattung gehe. "Aber was nutzen die neueste Technik und Feuerwehrfahrzeuge, wenn gut ausgebildetes und motiviertes ehrenamtliches Personal dazu fehlt", warf Rewitzer in die Runde.

Bürgermeister Andreas Wutzlhofer, oberster Dienstherr der aktiven Feuerwehrleute, sprach nicht für die komplette CSU-Fraktion, als er meinte, dass der Antrag die Gefahr berge, "dass wir künftig ein Ehrenamt erster und zweiter Klasse bekommen". Er werde deswegen dagegenstimmen. Alfons Raab meinte, dass die Risiken, denen ein Feuerwehrmann ausgesetzt ist, nicht zu vergleichen seien mit einem anderen Ehrenamt. Obwohl er bezweifle, dass man mit dieser Aktion das Nachwuchsproblem lösen könne, unterstütze er den Antrag.

Sein CSU-Kollege Josef Maier hatte mit mehreren Kommandanten gesprochen. Selbst in diesen Kreisen herrsche keine einhellige Meinung. Einige Kommandanten befürchten Ungerechtigkeiten, wenn der Betrag in einem guten Wirtschaftsjahr als freiwillige Leistung gezahlt wird, im nächsten vielleicht nicht. Maier war demnach dagegen, "auch auf die Gefahr hin, dass ihr nicht mehr kommt, wenn es bei mir brennt". Thomas Eiber (CSU) sah ein Problem darin, dass die Ehegatten der Feuerwehrleute damit höher bewertet würden als aktive Ehrenamtliche anderer Vereine. Johann Gollwitzer meinte, dass es sich um eine Auszeichnung des Freistaats handle: "Es kann nicht Sache der Kommunen sein, den Rest draufzuzahlen." Bisher habe es schließlich gar nichts gegeben.

"Verheerendes Zeichen"

Uli Münchmeier (CSU) sieht darin keine wesentliche Belastung für den Haushalt. Außerdem sei die Kommune ja "von oben" darum gebeten worden. Willi Woldrich (CSU) meinte, dass die Feuerwehren diese Beträge angesichts der gut gefüllten Vereinskassen selber schultern könnten. Dr. Volker Wappmann (FDP/UW) dagegen wollte die Betroffenen nicht im Regen stehen lassen: "Eine Ablehnung würde ein verheerendes Zeichen nach Außen geben."

Auch Dr. Heinrich Gref (SPD) brach eine Lanze für die Floriansjünger: "Die massive Einschränkung der Lebensqualität betrifft ja nicht nur den Aktiven selbst, sondern auch das familiäre Umfeld." "Wir hätten die Verantwortung für dieses Geld gerne den Feuerwehren selbst übertragen", erklärt Martin Gleixner für die Freien Wähler. Trotzdem stimmte seine Fraktion für den Antrag. Hans Gösl hätte lieber am Endes Jahres von Fall zu Fall entschieden. Diese Lösung hatte der Bürgermeister bereits im Vorfeld abgelehnt. Am Ende kam es zur Kampfabstimmung. SPD, Freie Wähler und FDP stimmten geschlossen für den Antrag. Das Ergebnis: 12 unterstützten den Wunsch Rewitzers, 8 stimmten dagegen.
Weitere Beiträge zu den Themen: März 2015 (9461)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.