"Starke Gemeinschaft"

Die Leistungen der BRK-Rettungswache sind landkreisweit beispielgebend. Am letzten Unterrichtsabend gab es für zahlreiche Mitglieder eine Ernennung, andere wurden geehrt. Darunter Dr. Rudolf Poschenrieder (vorne, Zweiter von rechts). Bild: dob
Lokales
Vohenstrauß
15.12.2014
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Sie sind super. Doch die Sicherung des Rettungswagen-Standorts der Rotkreuzbereitschaft ist längst nicht vom Tisch. Eine neue Entscheidung soll nach Informationen von Bürgermeister Andreas Wutzlhofer am 16. Januar fallen.

Mit einem unabhängigen Gutachten und stichhaltigen Argumenten wollen er und die Befürworter überzeugen. Der Rathauschef gilt als unnachgiebiger Kämpfer für den Standort.

Fleiß, Ausdauer, Zuverlässigkeit, Pflichtbewusstsein, Hilfsbereitschaft, Toleranz, Höflichkeit, Mut, Teamfähigkeit und Ideen - das sind Attribute, auf die es in der Wache ankommt, teilte Wachleiter Martin Putzer am letzten Unterrichtsabend in einem mit Ehrengästen und Mitgliedern bis auf den letzten Platz besetzten Lehrsaal mit. Für den stellvertretenden Vorsitzenden des BRK-Kreisverbandes Weiden-Neustadt/WN, Dr. Rudolf Poschenrieder, waren es "schwindelerregende Zahlen", die er hörte. "Hier ist eine starke Gemeinschaft vorhanden", lobte Poschenrieder, der die große BRK-Familie weiterhin zum Zusammenhalt aufforderte. Viele Menschen wüssten es längst: "Das Leben im öffentlich rechtlichen Rettungsdienst ist kein Zuckerschlecken."

Schlagkraft bewiesen

11 Hauptamtliche, 1 Praktikant zum Rettungsdienst, 2 Bundesfreiwillige, 17 ehrenamtliche Kollegen, die als Fahrer oder Begleiter eingesetzt sind, sowie 7 Notärzte halfen zusammen, um den Rettungsdienst und Krankentransport auf die Beine zu stellen, informierte Putzer. "Wir haben unsere Schlagkraft und Konkurrenzfähigkeit unter Beweis gestellt." Rund um die Uhr werden in der Wache ein Rettungswagen und der Notarzt sowie zusätzlich für sieben Stunden ein Krankenwagen flexibel an Werktagen vorgehalten. Außerdem stehe ein kreisverbandseigener Sanka für die Unterstützungsgruppe zur Verfügung. Im Leitstellenbereich ist das Einsatzgebiet der Vohenstraußer Rettungswache mit 440 Quadratkilometern das größte. Zweckverbands-übergreifend gehen die Einsatzfahrten der Sanitäter bis nach Trausnitz, Wernberg und immer öfter auch nach Schönsee. Bis zum 31. Dezember werden die Helfer über 3364 Einsätze gefahren haben, die sich wie folgt aufschlüsseln: Krankentransporte (1488), Notarzteinsätze (955), Notfalleinsätze (196) und sonstige Einsätze 723. Dies entspreche einem täglichen Transportaufkommen von neun Einsätzen. Insgesamt legte das Personal dabei 138 476 Kilometer zurück. Gegenüber dem Vorjahr seien das eine Steigerung von 5,12 Prozent beim Transport und 3,29 Prozent mehr Kilometerleistung.

Zu den bisherigen Zielkliniken Vohenstrauß und Weiden kamen die Krankenhäuser Oberviechtach, Schwandorf, Cham, Regensburg und vermehrt das Marienkrankenhaus Amberg dazu. Die genehmigten Vorhaltestunden für die Rettungswache belaufen sich beim Krankentransport auf 2976 sowie bei der Notfallrettung auf 17 520 und somit insgesamt auf 20 496 Stunden. Davon wurden wiederum 3492 Stunden ehrenamtlich erbracht, was 17,04 Prozent entspricht. Somit sei jede sechste Schicht im ehrenamtlichen Dienst gefahren worden, hob der Wachleiter heraus.

Stunde um Stunde

Im Notarztfahrdienst belaufe sich die Vorhaltung auf 8760 Stunden. Die Ärzte waren davon selbstständig 4906 Stunden unterwegs, für 3854 Stunden wurde ein Fahrer gestellt. Die Hauptamtlichen erbrachten davon 1682 Stunden, 2172 die Ehrenamtlichen, also 56,36 Prozent. Diese Zahlen verdeutlichten, dass ehrenamtliche Mitglieder jedes Wochenende tagsüber, nachts und bei jeder Nachtschicht sowie an jedem Feiertag Dienst schoben. Die elf hauptamtlichen Kollegen fuhren zusammen "außertourlich" 87 Schichten und haben als Vorbildfunktion gegenüber den ehrenamtlichen Kameraden 1044 Stunden erbracht. Putzer erwähnte diese Zahl deshalb, weil die geringe Aufwandsentschädigung (Verpflegungs- und Kilometergeld) auf das Einkommen angerechnet wird und versteuert werden müsse, weshalb kaum etwas übrig bleibe. "Ist meine ehrenamtliche Tätigkeit, weil ich hauptamtlich beschäftigt bin, weniger wert", fragte er kritisch. "Oder ist es hauptamtlichem Personal untersagt, sich ehrenamtlich zu engagieren?"

Ehrenamt in Gefahr

Putzer hatte dazu eine Idee: "Ein Abgeordneter, der solche Steuersätze beschließt, sollte bei Empfängen oder Tagungen, bei denen Getränke und Essen gereicht werde, Verpflegungssteuer zahlen müssen." Das wäre logischerweise ebenfalls mit einer Aufwandsentschädigung zu vergleichen. "Wenn der Staat so weitermacht, dann bleibt unser Ehrenamt auf der Strecke", resümierte Putzer. Der ehrenamtliche Anteil in der Rettungswache sei glücklicherweise nur minimal zurückgegangen. Geschuldet sei dies dem Umstand, dass sich ein Kamerad aus dem Rettungsdienst zurückzog und fünf Kollegen wegen längerer Erkrankung oder beruflicher Veränderungen nicht mehr so zeitintensiv zur Verfügung sanden. Durch die Ehrenamtlichen sparten die Kostenträger immense Geldsummen ein. Die Freiwilligen trügen nicht zuletzt zur Stärkung des Roten Kreuzes bei, würdigte dies der Redner. "Welche andere Hilfsorganisation kann solche Leistungen vorweisen?" Als Leiter der Rettungswache sei er ganz besonders stolz auf seine Mitstreiter.

Applaus für Messer

Einen Sonderapplaus erhielt der stellvertretende Bereitschaftsleiter Christian Messer, der sich über das Maß hinaus in der Gemeinschaft engagiere. Die Zahlen sprächen Bände. Mit 34 Einsätzen rückte Messer am häufigsten für die Unterstützungsgruppe Rettungsdienst aus. Mit 27 Einsätzen ist ihm Marco Rappl dicht auf den Fersen. Dahinter reihen sich Nadine Bock und Corinna Rewitzer ein.

Gall am eifrigsten

Acht Einsatzleiter Rettungsdienst teilten sich das Jahr über den Dienst und erbrachten 4272 Stunden. Der eifrigste ist Andreas Gall mit stolzen 1548 Stunden, Manfred Bäumler bringt es auf 1152. Drei organisatorische Einsatzleiter im östlichen Landkreis waren 2484 Stunden dienstbereit. Im Rahmen der Ausbildung Rettungsdienst erwähnte der Wachleiter Fabian Gruber (396 Stunden), Dominic Kropf (372) und Sabine Deinl (252). Beachtliche 15 611 Ehrenamtsgesamtstunden listete Putzer für rettungsdienstliche Aufgaben auf.
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