"Sterben als ein tapfrer Held"

Lokales
Vohenstrauß
08.10.2014
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Zwei Gräber von Gefallenen erinnern auf dem städtischen Friedhof in Vohenstrauß an die Opfer des Ersten Weltkriegs. Bei einer Begehung mit der Volkshochschule wurden den Teilnehmern die grausamen Erlebnisse auf den Schlachtfeldern vor Augen geführt.

Bei der Friedhofsbegehung der Volkshochschule (wir berichteten) führte Heimatkundler Karl Ochantel die Interessenten auch zum Ehrengrab des Infanteristen Heinrich Hofmann, der im Ersten Weltkrieg 1914 zu Tode kam. Auch ein weiteres Grab erinnert an einen Gefallenen und damit an die blutigen Geschehnisse der Urkatastrophe. Es handelt sich um den im November 1918 gestorbenen Josef Steininger.

"Friedhöfe sind gemeinschaftliche Orte der Erinnerung", meinte Pfarrer Dr. Volker Wappmann, der auf die Veränderung der Friedhofskultur hinwies. Das Schicksal des Heinrich Hofmann vor 100 Jahren hatte Ochantel, Mitglied des Heimatkundlichen Arbeitskreises, erforscht: "Als in den frühen Morgenstunden des 1. August 1914, es ist ein Samstag, die allgemeine Mobilmachung in allen Ländern des Deutschen Reiches ausgerufen wird, erreicht die Einberufung auch den Reservisten Heinrich Hofmann in Vohenstrauß.

"Er ist am 11. März 1887 in der Langen Gasse geboren. Am 2. August sind die Kirchen voll wie nie zuvor. Alle jungen Männer, die einrücken müssen, stehen zur Beichte an. Für manchen von ihnen war es die letzte Beichte. Dann kommt für den Infanteristen Hofmann am 3. August der Tag des Abschieds. Der Zug ist übervoll, es waren ja bereits die Eslarner, Waidhauser und Pleysteiner zugestiegen. Alle sind guter Stimmung und siegesgewiss: Siegreich woll'n wir Frankreich schlagen, sterben als ein tapfrer Held, lautet die Parole."

Hofmann kommt zunächst nach Weiden. Dort wird das 1. Bataillon des 7. bayerischen Reserveregiments aufgestellt. Am 10. August wird noch ein Feldgottesdienst mit Fahnenweihe gefeiert. Die Kommandeure halten ihre Ansprachen. Die Soldaten fahren am 11. August in Weiden ab, wie auch die anderen beiden Bataillone in Bayreuth und in Hof. Sie werden am 12. August in den Orten Hagenau und Saaralben ausgeladen.

"Schon am 18. und 19. August gibt es im Bajonettkampf in den Gefechten in Lothringen die ersten Toten. Am nächsten Tag, dem 20. August, folgt die Schlacht in Lothringen. Unter großen Verlusten dringt das 7. Reserve-Infanterieregiment sehr schnell auf französisches Gebiet vor. Dann jedoch müssen sich die ausgebluteten Bataillone vor den Festungen von Nancy eingraben. Der Stellungskrieg beginnt. In der letzten Septemberwoche 1914 wird das gesamte bayerische I. Reservekorps und mit ihm das 7. Reserve-Infanterieregiment aus Lothringen herausgezogen und über Luxemburg nach Nordfrankreich befördert."

Als Teil der Heeresgruppe des Kronprinzen von Bayern greift es den französischen rechten Flügel bei Arras an. Alle deutschen Umfassungsversuche werden jedoch unter schweren Verlusten zurückgeschlagen", berichtet Ochantel. Hofmann erlebt alle Schrecken des Krieges. Einer seiner Kameraden schreibt nach Hause: "Artilleriefeuer, wo wir zitternd und bebend uns in die Erde hineindrückten und jeder Augenblick die Stunde unseres Ablebens sein könnte, wenn nicht Gott der Allmächtige seine Hand über uns streckte und die feindlichen Geschosse abwies. Wir liegen stellenweise 50 Meter vom Feind entfernt." Hofmanns 7. Reserve-Infanterieregiment besteht Gefechte bei Angres, Givenchy, Carency und bei Loretto. "Ein Haus nach dem anderen sank in Trümmer", berichtete ein Soldat, der fortfährt: "Unvergesslich ist mir der Jammer einer uralten Französin, die in La Targette vor ihrem Häuschen immer wieder rief: ,O quelle malheur!' Ja, gute Frau, ,c'est la guerre', sagen deine Landsleute."

Schuss in den Hals

Am 5. oder 6. November erhält Hofmann einen Halsschuss. Das Kriegsarchiv vermerkt: "Ein Schuss durch beide Schulterblätter." Er kommt ins Reservelazarett Rudolfstadt. Dort überlebt der Vohenstraußer die Verwundung nicht und stirbt am 9. November um 1 Uhr im Alter von 28 Jahren. Der Vohenstraußer Anzeiger vom 30. Juli 1916 nennt auch den Ort, wo Hofmann verwundet wurde: "Bei La Targette, einem kleinen Ort vier Kilometer südöstlich von Carency und neun Kilometer im Norden von Arras." Hofmann wird nach Vohenstrauß überführt und begraben. Im Nachhinein wird ihm das Eiserne Kreuz verliehen, mit der Bemerkung: "Der Postbote Heinrich Hofmann und Reservist des 7. Reserve-Infanterieregiments von hier hat für besondere Tapferkeit das Eiserne Kreuz 2. Klasse erhalten. Derselbe wurde in Arras verwundet und ist an diesen Verwundungen den Heldentod gestorben. Da ihm das Eiserne Kreuz für besondere Tapferkeit nicht mehr persönlich ausgehändigt werden konnte, wurde dasselbe an seine Eltern übersandt."

Sein Tod spricht sich auch in den Rekrutendepots schnell herum. So schreibt Hans Pröls, der gerade seine Ausbildung in Ingolstadt ableistet, diese Neuigkeit an seine Schwester in Augsburg. Diese antwortet: "Mein lieber Bruder! Nun ist es über Nacht Winter geworden, aber man kann sich nicht so freuen wie sonst, da man so viel weiß, die wo zu leiden haben im Feindeslande, doch geht es langsam vorwärts und Gott gebe, dass bald die Friedensglocken läuten. "
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