Stille Helden der Partnerschaft

Ein gerahmtes Diplom bestätigte Michaela Wolfinger schwarz auf weiß, dass sie nun vollwertiges Mitglied der Pfarrei Stríbro ist. Ein handsignierter Schal und eine Taschenlampe sollen vor der Kälte und Dunkelheit in den Kirchen Tschechiens schützen. Bild: dob
Lokales
Vohenstrauß
26.11.2014
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Es sind Leute, die über den Tellerrand hinausblicken. Auf beiden Seiten der Grenze pflegen sie über offizielle Gelegenheiten hinaus Kontakte. So ist es auch mit der Partnerschaft zwischen Vohenstrauß und Stríbro, die seit 25 Jahren funktioniert. Ein, wenn auch kleiner, Beitrag zum Weltfrieden. Die engagierten Mitstreiter wurden geehrt.

Dem Bestreben des früheren Vohenstraußer Stadtpfarrers Franz Winklmann verdanken es beide Seiten letztlich, dass die Partnerschaft auf den Weg gebracht wurde.

Stadtpfarrer Jirí Hájek bezeichnete den Geistlichen Rat deshalb beim Pontifikalgottesdienst in der Dekanalkirche (wir berichteten) als "Bauherren der Partnerschaft". Winklmann fasste sich vor 25 Jahren ein Herz und schickte ein Schreiben an seinen Mitbruder Viktor Frýdl mit dem Willen, den Frieden zwischen beiden Ländern zu fördern. Die erste grenzüberschreitende Pfarrwallfahrt war geboren.

Wolfinger und Felber

Von der ersten Stunde an waren Michaela Wolfinger auf deutscher und Josef Felber senior auf tschechischer Seite dabei. Ihnen galt am Ende des Gottesdiensts die ganze Aufmerksamkeit. Eine Heiligenfigur überreichte Dekan Alexander Hösl an den Senior, der bis heute als Dolmetscher wertvolle Dienste leistet. Wann immer es sprachlich klemmte, half Felber in bewährt souveräner Art mit Übersetzungen.

Sein Sohn, Pfarrgemeinderatssprecher Josef Felber, nahm die Ehrung von Michaela Wolfinger vor, die mit einem Diplom für ihre langjährigen Bemühungen um die Partnerschaft ausgezeichnet wurde. Wolfinger ahnte vor 25 Jahren nicht, welche Schwierigkeiten auf sie in Tschechien warteten. "Die ersten Gespräche wurden in kleinen Brocken lateinisch, englisch und mit Händen und Füßen absolviert." Bei den Wallfahrten kamen der Pfarrerwechsel, Ignorierung und Spott der Atheisten, eine andere Denkweise der Tschechen und wenig Bereitschaft zur Mitarbeit seitens der vorhandenen Gläubigen hinzu.

Wolfinger ließ sich jedoch nicht beirren und bereitete unermüdlich jedes Jahr die grenzüberschreitende Wallfahrt vor. Bei diesen Kontakten lernte sie mehr und mehr die Mentalität der tschechischen Bevölkerung kennen, sagte Felber, "was bei den Deutschen funktioniert und bei den Tschechen nicht". Die Deutschen seien kompromisslose Planer, und die Planungen gilt es einzuhalten. Die Tschechen dagegen improvisierten gern, verschöben alles auf den letzten Augenblick und warteten dann erst einmal ab, ob alles klappe.

Wolfinger half stets aus und wurde mehr und mehr zum Pfarrgemeindemitglied in Stríbro "Man hatte manchmal den Eindruck, Stríbro bevorzugt sie mehr als Vohenstrauß." Viele Patenämter übernahm sie im Osten - alles ohne Anspruch und Entlohnung. Für alle ist sie längst "unsere Michaela", unterstrich Felber. Deswegen habe der Pfarrgemeinderat beschlossen, sie als dauerhaftes Mitglied der Pfarrei Stríbro auszuweisen und mit einem Diplom zu ehren.

Kälte und Dunkelheit

Damit sie auch die Kälte und Dunkelheit in den Kirchen Tschechiens überstehe, bekam sie obendrein einen signierten Schal und eine Taschenlampe, die für Helligkeit sorge. "Wir danken dir für deine Arbeit und Liebe, die du unserer Pfarrgemeinde gewidmet hast, und bitten dich, bleib weiterhin ein Mensch mit zwei Herzen - eines für Stríbro und eines für Vohenstrauß."

Vor drei Jahren wurde Wolfinger bereits von der Diözese Regensburg mit der Bischof-Michael-von-Sailer-Medaille für ihr ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet, und im Dezember erhält die Vohenstraußerin die Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland im Landratsamt, verriet Dekan Hösl am Rande der Feier.
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