Toleranz oberstes Gebot

In diesem Jahr erlebte das Patroziniumsfest in Altentreswitz einen besonderen Zustrom. Elf Fahnen mit den Vereinsabordnungen und viele Besucher aus der näheren Umgebung feierten mit. Dekan Alexander Hösl habe seit seinem Amtsantritt vor zwölf Jahren so einen Zuspruch im Ortsteil am Matthäusfest noch nicht erlebt. Bild: dob
Lokales
Vohenstrauß
22.09.2015
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Wenn sich einen Tag vor dem Matthäus-Fest der Himmel über Altentreswitz öffnet und Sonnenstrahlen den Patroziniumsgottesdienst erwärmen, dann nehmen die Gläubigen dieses Geschenk gerne an.

Mit so vielen Fahnenträgern und Vereinsabordnungen wie lange nicht mehr, haben die Dorfbewohner heuer diesen Festtag gefeiert. Sämtliche Bürgermeister der Stadt Vohenstrauß waren zusammen mit den Vertretern aus Moosbach vollzählig anwesend. Sogar die Feuerwehrkameraden aus Waldau wollten beim Patrozinium dabei sein.

Mit der Kapelle "Bayrisch Blech" und Kapellmeister Hans Reitinger schlängelte sich ein langer Festzug den Berg zum Anwesen Busch hinauf, in dessen Hof Dekan Alexander Hösl den Patroziniumsgottesdienst im Beisein von Gemeindereferentin Christine Hecht und den vielen Gästen feierte. Große Sonnenblumen und Maiskolben als Blumenschmuck am Altar gaben eine Hommage an einen üppigen und nun scheidenden Sommer.

Tabus gebrochen

Weil Jesus dem Außenseiter Matthäus, einem ausgegrenzten und sich selbst ins Abseits manövrierten Zöllner, Zuwendung schenkte, galt Jesus als Unterstützer der Spitzbuben. "Zöllner sind in unseren Augen heute durchaus anständige Leute an den Außenposten unseres Landes oder der Europäischen Gemeinschaft." Sein festes Bild von einem Menschen ließ Jesus nicht von Vorurteilen und Ausgrenzungen bestimmen. Er durchbrach bewusst Tabus und würde sich wahrscheinlich auch heute noch damit unbeliebt machen. Menschen und Gruppen, die sich ins Abseits gestellt haben, ausgegrenzt sind - egal ob aus eigenem Antrieb oder durch unglückliche Umstände, gebe es auch in unserer Zeit genügend: die Obdachlosen der Großstadt, die Flüchtlinge, die in Scharen kommen, die Menschen, die in langen Jahren der Arbeitslosigkeit das Arbeiten verlernt haben oder die Kranken und Behinderten.

"Wir zeigen zwar nicht mehr mit den Fingern auf sie, wir lassen sie auch nicht einfach so links liegen und delegieren die Sorge um sie an karitative und soziale Einrichtungen, aber wir halten sie gerne auf Distanz zu unseren Lebenswelten." Wo packe bei uns in Vereinen oder ehrenamtlichen Diensten noch jemand freiwillig zu und halte seinen Kopf den vielen kritischen Stimmen der Öffentlichkeit hin?, hinterfragte Dekan Hösl kritisch. "Jesus sieht Gott hinter jedem Gesicht und möchte allen zu ihrem wahren Gesicht verhelfen". Wer sein Leben in Ordnung bringen will, der müsse es auch wollen. Die ausgestreckte Hand will dann auch ergriffen werden.

Jesus setzte sich an die Spitze einer Bewegung, die zum Menschen drängte und für den Menschen kämpfte. Toleranz war sein oberstes Gebot, und das müsse für alle Religionen und Menschen gelten, forderte der Geistliche. Dekan Hösl öffnete den Gläubigen auch einen Blick dafür, dass es ohne einen Sonntag keinen Alltag gebe: "Bewahren wir uns diesen Schatz und diesen Reichtum. Bewahren wir uns die Kultur des Sonntags und des Feierns, damit wir an der Arbeit des Alltags nicht zerbrechen." Daniela Bock und Petra Winklmann übernahmen Lektorendienste. Dankesworte richtete der Geistliche an die Familien Busch, Winklmann und Meier, die sich stets um den Dorfmittelpunkt kümmern und Mesnerdienste übernehmen.

130 Portionen Rollbraten

In einem riesigen Kessel brannte zu diesem Zeitpunkt bereits das Feuer und erhitzte das Knödelwasser. 130 Rollbratenportionen mit bunten Salattellern waren zur Mittagszeit im Nu ausgegeben. Daneben warteten noch viele andere Spezialitäten auf reichlich Abnehmer. Viele Besucher wanderten zu Fuß in den Ortsteil und feierten mit den Dorfbewohnern in guter Gesellschaft mit.
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