Trauer und Entsetzen

Vor 100 Jahren begann der Erste und vor 75 Jahren brach der Zweite Weltkrieg aus. Daran erinnerte Bürgermeister Andreas Wutzlhofer am Volkstrauertag. In Vohenstrauß und in seinen Ortsteilen wurde der Opfer von Kriegen und Gewalt würdig gedacht. Bild: dob
Lokales
Vohenstrauß
18.11.2014
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In der Stadt und ihren Ortsteilen nahm der Volkstrauertag eine herausragende Stellung ein. Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft sind auch in diesem Landstrich zur Genüge zu beklagen. Die Feiern an den Mahnmalen waren von Würde getragen.

Krieg und Gewalt sind auch nach dem Zweiten Weltkrieg präsent. Zum einen, weil viele Menschen aus anderen Ländern in Deutschland Zuflucht suchen. Zum anderen, weil sich die Bundesrepublik seit 20 Jahren an internationalen Einsätzen beteiligt, etwa in Afghanistan. In seinen Reden zum Volkstrauertag ging Bürgermeister Andreas Wutzlhofer auf die aktuelle Situation ein.

Deutsche Soldaten bauen am Hindukusch Brunnen, schützten Schulen, kämpften aber auch. Über 50 Bundeswehrangehörige verloren dort ihr Leben, mehrere Hundert kehrten verwundet zurück. Das ganze schreckliche Ausmaß schilderte Wutzlhofer an den Mahnmalen der Großgemeinde von Böhmischbruck über Vohenstrauß, Roggenstein bis Altenstadt. Hinzu komme das historische Datum: Vor genau 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg und vor 75 Jahren der Zweite. Entsetzliches, bis dahin Unvorstellbares brach über die Menschen herein und veränderte die Welt grundlegend, mit Folgen bis heute. "100 Jahre sind vergangen, aber die Mechanismen, die zum Ausbruch der Kriege führten, sind auch heute noch wirksam." Nach wie vor gewinne Gewalt rasch an Eigendynamik. Nach wie vor sterbe die Wahrheit zuerst, wenn Konflikte sich verschärfen. Die Krise in der Ukraine, aber auch das Vorgehen der IS in Syrien, führten uns deutlich vor Augen, dass Krieg und Gewalt bis heute trauriger Alltag sind.

Wutzlhofer rief die Staatengemeinschaft dazu auf, für den Frieden zu wirken. Mitten unter der Bevölkerung lebten auch heute Menschen, die Kriegshandlungen erfahren oder einen Sohn, Ehemann oder Vater verloren haben. Deswegen sei bis heute die alte Frage, warum Kriege entstehen oder wie sie vermieden werden können, höchst aktuell. Genauso die Frage, wie es zu rassistischen Vorurteilen komme, wie Menschen Antisemitismus und Kriegstreiberei am besten entgegentreten können. Diese Fragen müsste sich jede Generation aufs Neue stellen, betonte Wutzlhofer. "Mit dem Gedenktag setzen wir bewusst ein Zeichen. Wir bekunden damit, dass wir uns der Geschichte stellen. Wir verleihen unserer Trauer und dem Entsetzen Ausdruck und wir machen deutlich, welche Werte für uns zählen und Geltung beanspruchen." Das Innehalten mache Sinn, denn Gedenken erzählten die Wahrheit über Krieg und Gewalt, und sie versuchten, den Opfern wieder ein Gesicht und eine Stimme zu geben.

In Vohenstrauß vertrat Oberleutnant Stefan Horky die 3. Kompanie des Panzergrenadierbataillons 122 aus Oberviechtach. "Die Ohnmacht und Hilflosigkeit der Soldaten in den letzten Sekunden ist für uns hier nicht vorstellbar. Eine Vermutung darüber anzustellen, ist zwar möglich, wäre aber frevelhaft und meiner Meinung nach nicht in Worte zu fassen", führte Horky aus. Mit den Vertretern der Krieger- und Soldatenvereine legte das Stadtoberhaupt an den Mahnmalen Kränze nieder. Zuvor fanden Gottesdienste statt. Mit dem Lied vom "Guten Kameraden", der Bayern- und Deutschlandhymne endeten die Feiern.
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