Übernachtung für 60 Pfennig

Der Oberpfälzer Waldverein Vohenstrauß eröffnete 1936 das Schutzhaus Fahrenberg. Aus dem Jahr stammt auch dieses Foto, das dem Sammler Leonhard Karl gehört. Repro: tss
Lokales
Vohenstrauß
27.11.2015
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Das Schutzhaus Fahrenberg war jahrzehntelang ein überregional beliebtes Ausflugsziel. Die Traditionsgaststätte durchlebte bis zu ihrem Ende im Oktober 2000 eine sehr bewegte Geschichte, ihren Erbauern brachte sie wenig Glück.

(tss) Jahrelang hatte der Oberpfälzer Waldverein Vohenstrauß nach einem geeigneten Platz für ein Schutzhaus gesucht. 1935 waren die Verantwortlichen am Westhang des Fahrenbergs schließlich fündig geworden. Nach einem Jahr Bauzeit erfolgte am 28. Juni 1936 die offizielle Eröffnung.

Unbeschreibliche Aussicht

In der Chronik zum 60-jährigen Bestehen des Vereins heißt es in einem Bericht über die Einweihungsfeier unter anderem: "Das Schutzhaus steht (...) auf einer großen Waldwiese. Es liegt 745 Meter hoch und ist ganz modern und behaglich eingerichtet. Große helle Gasträume, von deren Fenstern auch sich eine unbeschreiblich schöne Aussicht auf das Oberpfälzer Land auftut, bieten gemütlichen Aufenthalt. Auch auf der großen Terrasse schlägt der herrliche Fernblick jeden in seinen Bann." Auch ein Verweis auf die "sehr niedrigen" Preise fehlte nicht: Eine Übernachtung kostete zwischen 60 Pfennig und 2 Reichsmark, die Tagespension 3 bis 4 Reichsmark "bei guter, reichlicher Verpflegung".

Finanzielle Schwierigkeiten wegen Zinsen und Darlehenstilgungen oder offenen Rechnungen begleiteten den OWV und sein Schutzhaus jedoch von Anfang an. Am Ende des Zweiten Weltkriegs verboten die Amerikaner den Verein und beschlagnahmten das Gebäude. "Am 25. Juni 1945 muss es für amerikanische Offiziere geräumt werden. Offiziell wird dort aus Sicherheitsgründen jeder Dienst für die Öffentlichkeit eingestellt", informiert die Chronik.

Nach der Wiedergründung des Vereins am 2. November 1949 sollte auch wieder Leben ins Schutzhaus einziehen, das laut eines NT-Berichts vom 30. März 1976 damals einen sehr verlotterten Eindruck machte. Aber: "Es wurde wieder zu einem beliebten Ausflugsziel" - unter anderem mit 12 amerikanischen Feldbetten. Der Umbau brachte jedoch erneut viele Schwierigkeiten mit sich und belastete den OWV Vohenstrauß enorm. Der Zeitungsartikel bezeichnete das Schutzhaus daher als "Sorgenkind des Vereins".

Dennoch wurde es am 6. Januar 1950 wieder eröffnet. Bald gab es jedoch Differenzen mit den Pächtern. Ein Jahr später pachtete Familie Witzl das Gasthaus für 75 D-Mark im Monat. 1955 folgte der nächste Rückschlag: "Durch die Verbesserungs- und Sanierungsmaßnahmen für das Schutzhaus hat sich der Verein so in Schulden gebracht, dass sie durch den bisherigen Pachtzins nicht abbezahlt werden können", steht in den Annalen.

Der OWV diskutierte daraufhin über Verkauf oder Verpachtung des Schutzhauses und musste dem Ehepaar Witzl kündigen. Der Nachfolger erhielt 1956 keine Konzession, nach einer Räumungsklage führte das Ehepaar Roegner ab Mai den Betrieb weiter. Von da an schien es aufwärts zu gehen. Am 2. Mai 1959 begannen die Arbeiten für einen 40 000 D-Mark teueren Anbau. Das Schutzhaus bekam so 14 Betten mehr. Jedoch entstand durch verspätet eingereichte Verwendungsnachweise für Zuschüsse eine Finanzierungslücke von 5000 Mark, außerdem betrugen die Kosten 30 000 Mark mehr als veranschlagt. 1961 beschloss der OWV schließlich den Verkauf.

Dies sorgte jedoch für Turbulenzen. Dr. Volker Wappmann weiß, dass sein Vater Karl damals im Vorstand war und dagegen gestimmt hatte. 1962 kaufte der Landkreis das Haus, 1966 wollte er es wieder loswerden. Verhandlungen mit dem OWV-Hauptverein scheiterten jedoch, den Zuschlag erhielt die Malteser-Brauerei in Amberg. So übernahmen Klara und Johann Reil aus Waldthurn das Schutzhaus. 1972 folgten Alois und Wilma Dittmann als Pächter. 1987 kauften Joachim und Brigitte Zillmann das Schutzhaus.

Seit 2001 ein Wohnhaus

"Es war ein sehr schönes Wirtshaus", erinnert sich der Waldthurner Heimatforscher Georg Schmidbauer. "Wir waren an Sonntagabenden öfter dort, das war sehr gemütlich. Außerdem war immer viel los. Oder zum Frühschoppen auf der Terrasse - das war ein Gedicht mit dem herrlichen Blick auf Vohenstrauß." Am 15. Oktober 2000 endete die Geschichte des Schutzhauses als Gaststätte. Seit 2001 ist es ein Wohnhaus.
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