Unbarmherzige Bauern

200 Meter südlich von Zeßmannsrieth steht ein steinerner Wanderer: das Feldkreuz Schmucker (links). Bevor Familie Wurzer das Feldkreuz (rechts) aufstellte, hatte sie angeblich kein Glück im Stall. Nachher ging es aufwärts.
Lokales
Vohenstrauß
27.08.2015
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In der Serie "Vohenstraußer Flurdenkmäler" geht es diesmal um Marterln in und um Zeßmannsrieth. Eines davon birgt eine grausame Geschichte samt dazugehörigem Rechtsstreit.

Marterlforscher Rudolf Großmann informiert darüber in seinen Aufzeichnungen: Am 30. Januar 1550 kamen zwei Landsknechte nach Zeßmannsrieth. Sie bettelten und trieben wohl auch einigen anderen Unfug, so dass Bauern ihnen beim Verlassen des Dorfs bewaffnet folgten. Die beiden fielen auf die Knie und baten um Gnade. Vergeblich: Sie wurden "im Feld unbarmherzig zu Tode geschlagen".

Stark beschädigt

Der Fall führte damals zu juristischen Auseinandersetzungen zwischen Leuchtenberg und Waldau. Dabei ging es natürlich um den Mord, dessen Bestrafung, Landfriedensbruch sowie Eingriffe in Gebietshoheiten - und um die Kosten des Verfahrens, die Landgraf Georg von Leuchtenberg übernehmen musste. Der hatte nämlich die Täter abholen lassen, obwohl er gar nicht berechtigt war. Zuständig war die kurfürstliche Regierung in Amberg. Ein nachmittelalterliches Steinkreuz am südlichen Ortsrand von Zeßmannsrieth Richtung Roggenstein erinnert noch heute an das Geschehen. Auf dem an Kopfteil und Kreuzarm stark beschädigten Flurdenkmal finden sich aber keine weiteren Zeichen, bedauert Großmann.

Das Feldkreuz gegenüber erinnert an Hans Reil, der während des Ersten Weltkriegs am 9. April 1917 im Alter von 20 Jahren im französischen Avion bei Arras fiel. Ein 1978 am oberen Steinkreuz angebrachter Christus ist nicht mehr vorhanden, die große schwarze Marmorplatte und das Foto haben einen Sprung.

200 Meter südlich von Zeßmannsrieth befindet sich ein steinerner Wanderer: das Feldkreuz Schmucker, auch "Stahl-Marterl" genannt. 1928 wurde es zur Ehre Gottes errichtet, später 150 Meter westlich versetzt. Das Gitter war am alten Standort so stark in eine Baumwurzel eingewachsen, dass ein Arbeiter zwei bis drei Stunden mit der Axt gearbeitet hat, um es lösen zu können. Mittlerweile ist es an seinen alten Platz zurückgekehrt.

Kreuz ersetzt

Der Bildstock befindet sich jedoch in einem schlechten Zustand, sagt der Marterlforscher. Das kunstvoll geschmiedete Kreuz ist abgebrochen, die Beschriftung kaum mehr zu lesen. 2010 wurde die schmiedeeiserne Umzäunung entfernt und das abgebrochene Kreuz durch ein anderes ersetzt. Vom Reil-Feldkreuz in unmittelbarer Nähe ist nur ein verrostetes Gestell übrig. Es soll aber renoviert und wieder aufgestellt werden.

Kein Glück im Stall

Am östlichen Ortsrand steht seit 1950 das Feldkreuz der Familie Wurzer zu Ehren des heiligen Wendelin, Schutzpatron der Hirten, Landleute, Bauern, Tagelöhner und Landarbeiter. Vor der Errichtung hatten die Wurzers angeblich kein Glück im Stall, nachher ging es aufwärts. Großmann vermutet hinter dem Aufschwung aber eher die zunehmend bessere tierärztliche Versorgung. Zwischen 1978 und 2006 wurden die Putten-Engel im mittleren Teil schwarz bemalt.

In einem Wald 800 Meter südwestlich von Zeßmannsrieth weist das Zahner-Kreuz auf die Stelle hin, wo Hans Zahner 1996 an einem Herzinfarkt starb. Seine Ehefrau hat das Marterl aufgestellt. Darauf steht: "Zum frommen Gedenken an Hans Zahner, gestorben am 23.11.1996 im Alter von 70 Jahren an diesem Platz bei seiner geliebten Waldarbeit. Wir danken dir."
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