"Unser Rektor, der war prima"

"Ich gehe mit zwei lachenden Augen in den Ruhestand. Ich selbst habe diesen Zeitpunkt gewählt. Ich hätte noch ein paar Jahre anhängen können, aber wozu? Ich freue mich." Am Donnerstag nahm Rektor Reinhold Bitterer Abschied von seinen Grundschülern. Bild: tss
Lokales
Vohenstrauß
12.02.2015
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"Alte Schule, altes Haus, sie sieht heut' anders aus. Neues Leben, neues Glück, und es führt kein Weg zurück", sang der Chor der Vohenstraußer Grundschule zum Abschied von Rektor Reinhold Bitterer. Trotz aller Sentimentalitäten blieben aber auch kritische Worte nicht aus.

Auch wenn er sich "ohne Einschränkungen auf den neuen Lebensabschnitt" freut, Nervosität war zu spüren und die Situation für Reinhold Bitterer völlig ungewohnt. "Ich konnte schon nicht gut schlafen", sagte der Grundschul-Rektor kurz vor seiner Verabschiedung am Donnerstagmittag. "Ich selbst habe diesen Zeitpunkt gewählt. Ich hätte noch ein paar Jahre anhängen können, aber wozu? Ich freue mich."

Bereits kurz nach 8 Uhr gab es die erste Überraschung, als die Realschule-Blaskapelle ein Ständchen spielte. "Da war ich absolut perplex", gestand der 63-Jährige. Viele weitere musikalische Glückwünsche sollten folgen. Neben dem Schulchor traten die Flötengruppe und der Lehrerchor auf. "Unser Rektor, der war prima", sangen die Buben und Mädchen aus Leuchtenberg.

Alles Gute für Ruhestand

"Ich bin gerne in die Schule gegangen, weil hier in Vohenstrauß und Leuchtenberg ein herrliches Arbeiten möglich war", sagte Bitterer. Seit 2001 war er Schulleiter in der ehemaligen Kreisstadt seit 2013 auch in der Nachbargemeinde. In der rund zweistündigen Veranstaltung dankten viele Redner dem gebürtigen Waidhauser für die Zusammenarbeit und wünschten für den Ruhestand alles Gute.

Schulrat Hans Hilburger verglich den Abschied mit einer Kreuzfahrt. Bitterer gehe von Bord, die Besatzung (Lehrer und Schüler) aber bleibe, und Konrektorin Dorit Schmid übernehme das Ruder. Hilburger ging auch auf Bitterers Karriere ein und würdigte dessen umfassende pädagogische Kompetenz. "Wir lassen dich nur sehr ungerne ziehen", lautete das Fazit des Schulrats.

Die Leuchtenberger Elternbeiratsvorsitzende Sabine Brunner ging - im wahrsten Sinne des Wortes - noch einen Schritt weiter und zog eine Parallele zur ersten Mondlandung 1969. Nur müsse es in Bitterers Fall lauten: "Ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer Schritt für mich." Der scheidende Pädagoge werde nun "wohl auch eine Zeit der Schwerelosigkeit erleben", meinte Brunner.

Respektvolles Miteinander

Von ihr und ihrer Vohenstraußer Kollegin Evelyn Schopper gab es Geschenke, ebenso von den Bürgermeistern Andreas Wutzlhofer (Vohenstrauß) und Anton Kappl (Leuchtenberg). Dekan Alexander Hösl sprach von einem respektvollen Miteinander. Außerdem habe Bitterer "der Forderung nach einer demokratischen Werteerziehung Rechnung getragen".

Nach dem Auftritt der Schulspielgruppe mit dem Stück "Ruhestand" dankte der sichtlich bewegte Bitterer für die "wirklich schöne Feier". Besonders lobte er seine Lehrerkollegen: "Ich alleine wär auf verlorenem Posten gewesen, wenn ich nicht so fleißige, engagierte, motivierte Mitstreiter gehabt hätte."

Schließlich fand er auch kritische Worte. "Mein oberstes Prinzip vor mehr als 40 Jahren war, mich um die Förderung der Schüler, besonders der leistungsschwachen, zu bemühen. Das ist immer weniger und oft nur in Teilbereichen gelungen. Ich behaupte, dass in den 70er und Anfang der 80er Jahre mehr für schwache Schüler getan wurde als in den letzten 20 Jahren."
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