Vortrag "Pfalzgraf Friedrich und die Frauen" von Dr. Volker Wappmann beim OWV
"IS auch in der Oberpfalz"

Gemessen an der Kürze der Zeit haben Friedrich und seine Frauen doch Erstaunliches hinterlassen. Nicht nur eine abgerissene Flossenbürg, sondern auch ein nagelneues Residenzschloss, das den Unbill der Zeit souverän überlebt hat.
Lokales
Vohenstrauß
01.06.2015
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Mit dem amüsanten und abwechslungsreichen Vortrag "Pfalzgraf Friedrich und die Frauen" unterhielt Dr. Volker Wappmann in der OWV-Festversammlung die Gäste und erhielt dafür viel Applaus. Weiden soll für Pfalzgraf Friedrich früher nicht interessant gewesen sein aber Moosbach, Eslarn und Waldau. Auf der "Liedlpaint" im Vohenstraußer Osten war schon früher ein Spielplatz, dann kam eine Fabrik und jetzt ist dort wieder ein Spielplatz. So schließt sich der Kreis.

Rätsel gelöst

Und in der Weidener Michaelskirche ist rechts neben dem Hochaltar ein Kindergrabstein, zwei steinerne Damen knieten ursprünglich einmal vor einem Kreuz. Es ist irgendwann einmal abgeschlagen worden, und nur noch die Füße von Christus sind sichtbar. "Den IS gab es auch in der Oberpfalz - also Vorsicht mit der Verurteilung von anderen", folgerte der Ahnen- und Heimatforscher. Er löste aber nicht nur das Rätsel, wie zwei Töchter des erhabenen Fürsten von Liegnitz, Anna Maria und Emilia, nach in die Michaelskirche kamen, die Zuhörer erfuhren auch, wie sich Pfalzgraf Friedrich 1582 eigentlich am liebsten sein eigenes Fürstentum gebastelt hätte.

So versuchte er, seine Hälfte des Gemeinschaftsamts Weiden-Parkstein an den Mitbesitzer, den Kurfürsten von der Pfalz, loszuwerden. Dafür wollte er vom Kurfürsten das Pflegamt Burgtreswitz einhandeln, ein reiches und schönes Land mit den Märkten Moosbach, Eslarn, Waidhaus, Waldau und Tännesberg. Friedrichs Traum war ein Fürstentum auf dem Oberpfälzer Wald, ungefähr so groß, wie der ehemalige Altlandkreis Vohenstrauß.

Dem Vorhaben des Pfalzgrafen war kein Glück beschieden: "Seine Verhandlungspartner, die Kurfürsten von der Pfalz, starben wie die Fliegen - wahrscheinlich infolge übermäßigen Fressens und Saufens." Friedrich musste also die Hälfte des Gemeinschaftsamts behalten. Eine Residenz glaubte er im Vesten Haus in Weiden gefunden zu haben. So wie heute sah dieses mächtige Gebäude nicht aus: an dem Gebäude hing ein prächtiger Erker, dahinter erhob sich der Faulturm mit den Gefangenen.

Das ganze hatte einst Herzog Georg von Bayern-Landshut bauen lassen. Dieses Haus wollte Friedrich Haus beziehen. Hausfrau wurde die älteste Schwester der drei Ansbacher Mädchen aus Liegnitz. Herzog Heinrich, der Vater, war 1588 gestorben, vermutlich an Gift. Sein Erbe hatte Herzog Friedrich IV. angetreten, sein jüngerer Bruder.

1587 heiratete Pfalzgraf Friedrich seine Katharina Sophia in Ansbach. Fünf Tage lang wurde gefeiert. Auf dem Speisezettel standen 40 Hirsche, 50 Rehe, 50 Fässer mit eingelegtem Wild, 2130 Hasen, 250 Fasane, 30 Auerhähne, 2050 Rebhühner, 20 688 Drosseln, 150 Mastochsen, 15 Mastkühe, 20 größere einjährige Kälber, 526 kleine Kälber, 450 Mastschweine, 1526 Leberwürste, 456 Blutwürste, 326 Selchwürste, 450 Masthammel, 395 Lämmer, 504 Ferkel, 40 geräucherte Ochsen, 350 Pfaue, 5135 Mastgänse, 450 Puten, 2056 Kapaune. Es wurden 110 Fässer Wein und 903 Fässer Bier getrunken.

Einiges hinterlassen

Leider war Dr. Wappmann die Zahl der Gäste nicht bekannt. 1585 erfolgte der Kauf der Grundstücke für den Bau des Schlosses in Vohenstrauß, das 1590 einigermaßen fertig war. Vohenstrauß war nur von 1590 bis 1597 Residenzstadt. Aber die Fürsten haben doch einiges hinterlassen: Den schönsten Kindergrabstein der Welt, leider kaum zugänglich in der Sebastiankirche in Weiden, und die Reste des Hochgrabs der fürstlichen Fräulein in St. Michael.

"Erstaunlich, wie man in so kurzer Zeit so viel hinterlassen kann. Aber das gilt auch für Vohenstrauß. Gemessen an der Kürze der Zeit haben Friedrich und seine Frauen doch Erstaunliches hinterlassen. Nicht nur eine abgerissene Flossenbürg, sondern auch ein nagelneues Residenzschloss, das den Unbill der Zeit souverän überlebt hat."
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