Wilde Manöver vermeiden

Im Dienstbereich der Polizeiinspektion Vohenstrauß passierten im vergangenen Jahr 260 Wildunfälle. In den allermeisten Fällen bleibt es beim Blechschaden, den die Versicherung übernimmt. Eine Autofahrerin erlitt dabei Verletzungen. Bild: dpa
Lokales
Vohenstrauß
13.02.2015
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Der Blick in sanfte Rehaugen kann schlimm enden, vor allem wenn das Reh vor dem Kühlergrill auftaucht. Die Polizeiinspektion Vohenstrauß zählte im vergangenen Jahr 260 Wildunfälle. "Der neue Tag" sprach mit zwei Fachleuten darüber, was Autofahrer beachten sollten.

"Wildunfälle sind zu jeder Jahres- und Tageszeit möglich", erklärt Christian Ertl. Vorsitzender der Kreisgruppe Vohenstrauß des Bayerischen Jagdverbands. Im April und Mai sollten die Autofahrer vor allem in geschlossenen Waldgebieten wachsam sein. Nach dem Winter toben im Wald nämlich die Revierkämpfe. Junge Tiere werden von den starken Böcken und Geißen ganztägig kreuz und quer durch die Gegend gejagt.

Viel unterwegs ist das Wild auch in der Brunftzeit Ende Juli/Anfang August. Im Winter ist das Nahrungsangebot durch Schnee und Frost sehr eingeschränkt. Also müssen die Tiere ihre Einstände verlassen und auf Futtersuche gehen. Ertl: "Wenn dann ein interessanter Futterplatz über der Straße liegt, gibt es dort hauptsächlich in der Dämmerung erhöhten Wildwechsel." Wegen der angewachsenen Schwarzwildbestände müsse man im Sommer vor allem bei Maisfeldern mit Wildschweinen rechnen.

Springt ein Reh auf die Fahrbahn, heißt es "Tempo runter", weil oftmals ein zweites oder drittes Tier folgen kann. Bei den weiteren Verhaltensregeln für Autofahrer ist auch Polizeihauptkommissar Bernhard Dobmayer der Meinung: "Steuer festhalten, abbremsen und versuchen, in der Spur zu bleiben." Riskante Ausweichmanöver sollte man vor allem bei Gegenverkehr absolut vermeiden. "Ein kontrollierter Aufprall mit dem Wild ist letztendlich besser als mit dem Gegenverkehr zusammenzustoßen", erklärt der Polizeibeamte.

Vorsicht geboten

Kommt es zum Zusammenprall, sollte man sich zunächst vergewissern, ob das Tier verletzt oder tot ist. Vorsicht sei geboten, so Ertl, wenn Schwarzwild beteiligt ist: "Wildschweine und auch Dachse greifen an, solange sie noch können. In diesem Fall sollte man lieber im Auto sitzen bleiben." Abstand zu den verletzten Tieren sei in jedem Fall ratsam. Durch seine Nähe würde der Mensch den Stress und die Qualen nur noch erhöhen.

Nach einem Wildunfall müsse sofort die Polizei verständigt und die Unfallstelle mit Warndreieck und Warnblinklicht abgesichert werden. Die Unfallstelle, so der Polizist, dürfe nicht verlassen werden. Hat man kein Handy zur Verfügung und ergibt sich auch sonst keine Möglichkeit der Verständigung, sollte man umgehend zur nächsten Polizeidienststelle fahren und den Unfall melden. Hier erhält der Autofahrer dann auf Wunsch eine Bescheinigung für die Versicherung.

Auf keinen Fall, so der Jäger, darf der Autofahrer das tote Tier mitnehmen. In diesem Fall drohe eine Anzeige wegen Wilderei. Ertl weist darauf hin, dass Wildbret von "verunfallten" Tieren aus lebensmittelrechtlichen Gründen nicht in Umlauf gebracht werden darf. "Die Polizei informiert den betreffenden Jagdpächter. Der kümmert sich dann um die ordnungsgemäße Entsorgung." Zuständig wäre hierfür grundsätzlich der Straßenbaulastträger. Es habe sich aber eingebürgert, dass die Jagdpächter dies freiwillig übernehmen.

Jäger geht auf die Suche

Auch wenn das Tier nur angefahren wurde und verletzt weiterläuft, sollte die Polizei verständigt werden. Dobmayer: "Nur dann kann der Jagdpächter auf Nachsuche gehen und das verletzte Wild im Notfall von seinem Leiden erlösen." In den vergangenen Jahren haben sich rund um Vohenstrauß einige Wildunfall-Schwerpunkte herauskristallisiert. Christian Ertl nennt die Strecke zwischen Vohenstrauß und Böhmischbruck, die Straße zwischen Vohenstrauß und Burgtreswitz und auch die alte B 14 auf Höhe des Baugeschäfts Reger. Ein schmaler Wiesenstreifen zwischen der Autobahn und der alten Bundesstraße ziehe das Wild hier an. Auch der weitere Straßenverlauf nach Gröbenstädt sei vom Wild stark frequentiert. Aufmerksam sollte man auch auf Höhe Weißenstein bis zum Galgenberg sein. "Hier scheppert es regelmäßig", weiß der Jäger. Nicht vergessen dürfe man die Strecke vom Zirlwirt bis zum Sparrerwirt auf der Staatsstraße 2166.
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