Zeitreise durch 25 Jahre Partnerschaft

Lokales
Vohenstrauß
13.11.2014
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Eine Vorreiterrolle bei den Beziehungen zum Nachbarland Tschechien übernahm vor 25 Jahren die katholische Pfarrgemeinde mit jener in Stríbro. Zum Jubiläum der Partnerschaft lässt eine Bilderausstellung die Stationen dieser Freundschaft Revue passieren.

Gemeinsamkeiten entdecken, sich gegenseitig respektieren: Unter diesem Aspekt gedieh vor 25 Jahren das zarte Pflänzchen Freundschaft. Als erste streckten damals die katholische Pfarrgemeinde und die Gläubigen in Stríbro (Mies) die Fühler aus.

Für das Jubiläum organisierte Michaela Wolfinger - die als Initiatorin der Beziehungen nach Tschechien gilt - eine Bilderausstellung im Pfarrheim, die am Samstagabend mit Gästen aus beiden Ländern eröffnet wurde. Darunter eine Reihe tschechischer Freunde mit Pfarrer Jirí Hájek und dem ehemaligen Bürgermeister aus Stríbro, Rudolf Svoboda, an der Spitze. Alle Besucher durften sich auf eine geschichtlich interessante Bilderreise machen, die auch längst Verstaubtes in Erinnerung rief.

"Alles hat seine Stunde"

Die Hälfte ihres Lebens verbrachte Wolfinger mit der Partnerschaftsarbeit, gestand sie zu Beginn. "Eine aufregende, lehrreiche, aber manchmal auch schmerzhafte Zeit", fasste sie zusammen. Passend wählte sie dafür die Bibelstelle aus dem Buch Kohelet aus, in der es heißt: "Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit." In diesem Vers sei alles eingepackt was sie während der 25-jährigen Partnerschaft erlebte. Unvergessen sind für sie Fritz Koller, Franz Pausch, Fritz Hassmann, die Ehepaare Steiner und Picka aus Mies, Eva Tumova, Liti Vanova und nicht zuletzt erst die in diesem Jahr verstorbene Rosa Stadelmann. Am Josefitag 1990 schickte der damalige Stadtpfarrer Franz Winklmann einen Brief an seinen Mitbruder Viktor Frydl in Mies und stellte so den ersten Kontakt ins Nachbarland her. Darauf folgte die erste Einladung zur Wallfahrt zum Gnadenbild der "Schmerzhaften Muttergottes" von Mies im Juni 1990.

Der ehemalige Pfarrgemeinderatsvorsitzende Hassmann übertrug an Wolfinger den Auftrag, erste Kontakte in Mies zu knüpfen, da sie bereits zuvor bei einem Jugendaustausch in Polen unterwegs war und eine Freundin in der DDR hatte. Liti Vanova stand der Vohenstraußerin anfangs als Dolmetscherin zur Seite.

Die Wallfahrt, die Wolfinger seither jährlich organisiert, geht heuer zum 25. Mal über die Bühne. 1992 wechselten die Geistlichen in Stríbro. Es kam Pfarrer Hájek. Die Diözese Pilsen wurde ein Jahr später gegründet. Der größte Stolz der Pfarrgemeinde drüben sei damals der von Pfarrer Winklmann organisierte Mieser Adventkranz gewesen, erzählte Wolfinger. Aufbauhilfe leisteten die Vohenstraußer auch beim Pfarrgemeinderat. 1995 wurden die PGR-Statuten unterschrieben. Ein Jahr später folgten die ersten Pfarrgemeinderatswahlen. Pfarrer Hájek hinterließ im Leben der Diözese seine deutliche Handschrift. Erster großer Höhepunkt war der Besuch und Gottesdienst mit dem Nuntius Giovanni Coppa mit einem festlichen Empfang im Rathaus. Zehn Busse fuhren damals aus Deutschland nach Tschechien, darunter die Ackermanngemeinden aus Würzburg und Regensburg. An ein Orgelkonzert in Kladrau und das Pfarrfest mit böhmischer Blasmusik erinnern sich noch heute viele. Zum zehnjährigen Partnerschaftsjubiläum kamen die Bischöfe Manfred Müller aus Regensburg und Frantisek Radkovský aus Pilsen, die mit einer Kutsche unter großer Begeisterung der Mitfeiernden zur Kirche gefahren wurden.

Die Vohenstraußer gewährten den Miesern immer wieder mal finanzielle Unterstützung, wusste Wolfinger. Die Stadt und die Pfarrgemeinde bezahlten restaurierte Figuren für den Hochaltar und Engel in der Kirche. Feste wie das 40-jährige Priesterjubiläum und der 70. Geburtstag von Pfarrer Hájek oder die Städtepartnerschaft beider Orte wurden gefeiert. Bischof Radkovský erhielt im Rathaus Stríbro von Bürgermeister Josef Zilbauer die Bürgermedaille in Gold.

Gleichzeitig sei dieses Jahr für sie aber das schwierigste gewesen, erinnerte sich Wolfinger. Obwohl sie stets der Motor der kirchlichen Partnerschaft gewesen sei, erhielt sie damals offiziell keine Einladung zum Festakt ins Rathaus. Das erzürnte Pfarrer Hájek derart, dass er dieser offiziellen Feier der Vertragsunterzeichnung beider Städte und der Verleihung der Goldmedaille ebenfalls fern blieb. "Der Knecht hat seine Schuldigkeit getan, der Knecht kann gehen", zitierte der Geistliche damals zutiefst gekränkt. So gab es auch eine schmerzliche Seite der Partnerschaft.

Voderholzer beim Festakt

Monsignore und Visitator Karl Wuchterl, Beauftragter für die Heimatvertriebenen, kam schließlich vor fünf Jahren zum 20. Jubiläum in die Dekanalkirche nach Stríbro. Bischof Rudolf Voderholzer wird am Festakt am Samstag, 22. November, teilnehmen.

Dekan Alexander Hösl dankte Wolfinger für ihre Leistungen und allen Beteiligten für die Bilderrevue. Michael Ertl gestaltete die Ausstellungseröffnung musikalisch. Die Schau im Pfarrheim kann noch nach den Gottesdiensten am Wochenende besichtigt werden.
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