Abgeordneter Albert Rupprecht informiert sich über Programm „Sprach-Kitas“
„Sprechende Platte“ als großes Problem

Anna Bendler (Mitte) ist als Sprachbildungskraft im evangelischen Haus für Kinder Gottfried Sperl tätig. Sprache ist der Schlüssel zur Welt. Beim Vorlesen oder spielen gelingt Spracherziehung ganz einfach. Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht (Dritter von rechts) überzeugte sich nun vom Sinn des Bundesprogramms. Bild: dob
Politik
Vohenstrauß
22.07.2016
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Seinen weichen Parlamentssessel in Berlin tauschte Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht am Mittwoch mit der hölzernen Bank im Haus für Kinder Gottfried Sperl. Dort nahm er Platz, weil er sich über das Bundesprogramm "Sprach-Kitas" informierte, das in der Einrichtung unter dem Motto "Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist" umgesetzt wird.

Mit den Mitteln aus Berlin wird eine Sprachfachkraft mit 20 Stunden pro Woche finanziert. Anna Bendler leistet diese Arbeit. Gerne gehen die Mädchen und Buben mit ihr, um sich nebenan in der Lernwerkstatt ausgiebig zu beschäftigen. Schon ein Buch vorzulesen, werde als Wohltat empfunden, da dies zu Hause oftmals fehle oder einfach keine Zeit dafür sei, berichtete Bendler.

Plädoyer für Langeweile


Eine Menge interessanter Lernspiele, die aus den Geldern, die der Bund zur Verfügung stellt, finanziert wurden, stehen den Kindern ebenfalls zur Verfügung. Vor allem bildungsferneren Familien komme dieses Projekt zugute, berichtete die Leiterin der Einrichtung, Sonja Grosser. Bücher vorlesen, gemeinsam am Tisch sitzen oder singen, sei in vielen Familien heute nicht mehr alltäglich. Heute nehme die "sprechende Platte" (Handy) alle voll in Beschlag. "Wir müssten den Eltern einfach wieder zeigen, "wie normale Erziehung geht", sah sie einen Ansatzpunkt, den sie den Bundestagsabgeordneten mit auf dem Weg gab.

"Wir müssen aufpassen, dass wir euch nicht mit Programmen zumüllen", war auch der zweifache Vater hin- und hergerissen. Kinder müssten sich auch einmal langweilen dürfen. "Sport, Lesen und das Erlernen eines Instruments" wären für die Kleinen ausreichend.

Pfarrer Peter Peischl sah vielfach einen gewissen Aktionismus, wenn es um Erziehung gehe. Die Ansprüche an die Kitas würden zunehmend steigen. Eltern würden zudem Erziehungsaufgaben häufig an die Einrichtung übertragen. Ilona Schlesinger, Leiterin des Kinderhorts, würde sofort die Gruppengrößen reduzieren und Grosser könnte dringend eine Bürokraft brauchen, denn der Verwaltungsaufwand sei enorm.

Als bildungs- und forschungspolitischer Sprecher der CDU/CSU im Bundestag werde Rupprecht die Anregungen mit nach Berlin nehmen. Allerdings riet er auch, die Kindergartenbeiträge moderat zu erhöhen, denn die hohe Qualität in den Einrichtungen in der Region könne sich zu anderen Bundesländern sehen lassen. Dadurch würde auch die Wertigkeit der Häuser hervorgehoben.

Grosser zeigte sich insgesamt zufrieden, dass mit den Bundesgeldern eine zusätzliche Fachkraft in der Einrichtung tätig sein kann. Das Programm "Sprach-Kita" läuft bis 2019.
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